Globetrotter Dirk Rohrbach über die "bürgerliche Existenz" und ein Dasein als Abenteurer
"Jeder Tag ist eine Reise"

Dirk Rohrbach hat das Abenteuer im Blick und fragt: "Vielleicht brauchen wir hin und wieder auch mal einen Anstoß, unsere Komfortzone zu verlassen?" Und: "Mal ehrlich, wie ,gesichert" ist denn die bürgerliche Existenz wirklich?" Bilder: Rohrbach
 
Kein Tag ist wie der andere. Rohrbach beim Dreh für einen Beitrag der ZDF-Doku-Reihe "Terra X".
Dirk Rohrbach (45) ist ein Multitalent. Er praktizierte jahrelang als promovierter Mediziner, arbeitete dann als Moderator bei "Bayern 3" und "Antenne Bayern" und ist nunmehr seit vielen Jahren als Reisejournalist unterwegs. Die Szenen, die er mit der Kamera einfängt, präsentiert der aus Hanau stammende Rohrbach in den Vortragssälen der Republik - mit hohem rhetorischen Anspruch und dem richtigen Gespür für sein Publikum. Gespräch mit einem Berufsabenteurer.

Sie sind ein Multitalent, praktizierten als Arzt, waren bei großen Radiosendern erfolgreich. Jetzt fahren Sie als Reisejournalist und Vortragsreferent mit dem Kanu auf dem Yukon oder mit dem Rad um die USA. Was treibt Sie an, ein unstetes Leben als "Abenteurer" einer gesicherten bürgerlichen Existenz vorzuziehen?

Dirk Rohrbach:Vielen Dank erst mal fürs Kompliment. Ich weiß gar nicht, ob ich wirklich ein Multitalent bin. Aber ich bin dankbar, dass ich viele Dinge tun und erleben darf, die mir großen Spaß machen. Und der Antrieb kommt vermutlich aus meiner steten Neugier auf das Unbekannte. Meist sind es die Begegnungen unterwegs, die mich bereichern. Der Reiz der Freiheit und das Verlangen nach intensivem Erleben scheinen mir verlockender als Sicherheit. Und mal ehrlich, wie "gesichert" ist denn die bürgerliche Existenz wirklich?
Sie zieht es vorrangig nach Nord-Amerika. Was macht für Sie den Reiz dieses Kontinents aus, jenseits der Klischees von Yankees, Indianern und Wildnis?

Rohrbach: Neben der grandiosen Natur sind es vor allem die Menschen, die mich mit ihrer unkonventionellen Art und überwältigenden Gastfreundschaft immer wieder begeistern und inspirieren. Ich habe selten so viel Herzlichkeit und Freigeist gespürt. Hier trauen sich viele noch, groß zu träumen, suchen nicht nach Problemen oder Hindernissen, sondern nach Lösungen. Amerika ist ein Land der Extreme, in vielerlei Hinsicht, positiv wie negativ. Das macht es für mich so spannend. Auch wenn ich längst nicht mit allem einverstanden bin, werde ich zumindest angeregt, Dinge zu hinterfragen oder mich mit Themen auseinanderzusetzen.

Mit dem Rad einmal um die USA fahren, das ist eine große Leistung. Aber zählte für Sie hier in erste Linie der sportliche Aspekt?

Rohrbach: Die körperliche Herausforderung fand ich schon spannend. Aber letztlich war das Rad nur Mittel zum Zweck, den Menschen möglichst nah zu kommen. Dieses langsame, entschleunigte Reisen bietet völlig neue Blicke auf ein Land und öffnet viele Türen. Das ist anders als mit dem Auto. Man erlebt das Reisen auf dem Rad viel intensiver, riecht, hört, fühlt das Land mit allen Sinnen. Und wenn du so am Ende des Tages in ein gottverlassenes Wüstennest rollst, finden sich garantiert gute Seelen, die dir weiterhelfen oder dich gar aufnehmen.
Was möchten Sie Ihren Vortragsbesuchern mitgeben?

Rohrbach: Offen zu bleiben, Klischees zu hinterfragen. Eine große Portion Reiselust, selbst unterwegs zu sein, um sich ein eigenes Bild zu verschaffen. Vielleicht brauchen wir hin und wieder auch mal einen Anstoß, unsere Komfortzone zu verlassen, uns auf Unbekanntes einzulassen und auch dadurch zu wachsen. Und vor allem, den Moment zu leben, so wie es ein japanischer Philosoph mal formuliert hat: Jeder Tag ist eine Reise, und die Reise selbst - das Zuhause.


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