Glück und Drama auf dem Horst

Die Webcam macht es möglich. Tagtäglich verfolgen die Kleinen in den Pfreimder Kindergärten die Entwicklung der Störche. Bilder: Völkl (2)

Ein Altstorch flog gegen einen Lkw, zwei Jungvögel starben bei einem Horstkampf: Das Storchenleben ist nicht ohne Dramatik. Trotzdem sind die Geburtenzahlen im Landkreis vielversprechend. Etliche Jungstörche recken schon das Köpfchen aus dem Nest.

Schwandorf. (cv) Zwei herzzerreißende Storchendramen spielten sich ab: In Oberviechtach konnte Betreuer Gotthard Klier einen Altvogel am 18. Mai an der B 22 nur noch tot bergen. Seitdem muss der verwitwete Partner die vier Jungvögel alleine durchfüttern. Klier ist zuversichtlich: "Die Jungen betteln ihn nicht mehr an. Anscheinend reicht die Nahrung". Horstwechsel: In Fronberg hatte man sich über Storchennachwuchs gefreut, doch beide Jungvögel sind verendet: Verhungert? Zertreten? Werner Schuler, der Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, vermutet eher einen Kampf ums Nest.

Gute Aussichten

Doch auch das Storchenleben besteht nicht nur aus Dramen. Zwar sind die meisten Jungvögel erst in den letzten Tagen und Wochen geschlüpft - es kann nach den ersten "Schritten" also noch vieles passieren, schränkt Schuler ein. Aber ein Blick auf die Storchenkarte des LBV zeigt, dass es heuer "in Bayern und im Landkreis nicht schlecht ausschaut. Es dürfte ein gutes Storchenjahr werden".

Die Weichen werden seit etwa 20 Jahren kontinuierlich gestellt. Einer, der aus dem Nähkästchen plaudern kann, ist der Pfreimder Storchenbeauftragte und Altbürgermeister Arnold Kimmerl. Nahezu 50 Jahre führt er Buch über An- und Abflug, verzeichnet besondere Ereignisse. Seit 2010 fliegt ein und der selbe Storch den Horst auf der Klosterkirche an. Mit Hilfe seines Kamerazooms gelang es Kimmerl, die Daten am Ring abzulesen: Radolfzell (DER) A 8506.

Kimmerl könnte mit seinem Wissen über Störche ein Buch schreiben. Als die Adebars immer spärlicher wurden, begannen Storchenfreunde mit dem LBV an der Seite Horste zu reaktivieren, Nisthilfen zu bauen und Biotope anzulegen. Jüngster Erfolg: Im Vorjahr wurde das alte Nest auf der Klardorfer Schule "renoviert". Heuer ist es bereits Kinderstube. Wie viele Jungstörche ausgebrütet wurden, lässt sich noch nicht exakt sagen, "doch die Altstörche füttern schon fleißig", freut sich Georg Wein. Auch in Altendorf klappte es auf Anhieb. 2007 wurde das Nest auf der alten Brauerei gebaut, 2008 waren die Adebars da. Georg Köppl vermutet heuer ein junges Trio. Genaues kann in den nächsten Tagen gesagt werden. Nachwuchs gibt es auch im vor einigen Jahren auf dem alten Schlauchturm der Schwarzenfelder Feuerwehr angebrachten Horst. Zwei Jungstörche sollen gesichtet worden sein - noch ohne Gewähr.

Attraktiver Wohnsitz

Die Statistik zeigt, dass der Landkreis heuer an elf Orten attraktiver Storchenwohnsitz ist. In Nabburg sind drei Jungstörche geschlüpft. Den Eltern hat es an nichts gefehlt. Sie überwinterten und wurden bei Engpässen von Karl Beer gefüttert. "Die kennen inzwischen sogar mein Auto", lacht er. Die Perschener Störche begannen wesentlich später zu brüten. Zwei sind geschlüpft, es könnte noch einen Nachzügler geben. Gefüttert wird auch schon im Horst auf dem "Haus des Gastes" in Nittenau. Die Zahl der Belegung? Noch offen. In Pfreimd recken gleich vier Jungstörche die Köpfe. Sie lassen sich weder von der Blitzschutzanlage noch von der Webcam stören, die Bilder in die Kindergärten überträgt. Ebenfalls vier junge Adebars zeigt die Neunburger Webcam. Ein Paar hat kurzerhand den Schwarzhofener Horst verlassen und ist in die Stadt gezogen.
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