Golgatha im Stiftland

Beim letzten Abendmahl hat Jesus seinen Jüngern prophezeit, dass ihn einer von ihnen verraten wird. Im Bild links hat Judas die Gruppe bereits verlassen. Mit seinen treuen Aposteln teilt er Brot und Wein. Er weiß, welch schwerer Weg vor ihm liegt.

Es ist eine kleine aber wirklich feine Passion, die die Kreisstadt Tirschenreuth seit 1997 turnusmäßig auf die Kettelerhaus-Bühne zaubert. Geschrieben und inszeniert hat das Mundart-Drama der Intendant des Landestheaters Tirol, Johannes Reitmeier. Heute Abend ist Premiere.

Achtmal wird die Passion aufgeführt. Diesmal konnte Regisseur Johannes Reitmeier für die Proben mit den Schauspielern, seinen langjährigen Weggefährten Stefan Tilch verpflichten. Der Intendant des Landestheaters Niederbayern übt seit Ende Januar mit den etwa 70 Akteuren. In einem Interview mit unserer Zeitung sagte er ganz bescheiden, dass er zwar ein wenig an Details arbeiten würde, aber keine eigene, gleich sichtbare, Handschrift einbringen wolle.

Die Realität ist eine andere. Zwei Dinge sind es, die deutlich seine Handschrift tragen und die Passion 2015 von ihren vier Vorgängern unterscheidet. Das macht sie auch für alle interessant, die sie bereits kennen. Es gibt völlig neue Bilder. Freeze-Szenen, die zwischen den vierzehn Bildern, während des Bühnenumbaus in genial komprimierter Form das eben Gesehene noch einmal auf den Punkt bringen, während im Hintergrund die Klagefrauen ihre Texte zum Besten geben. Das Ganze ist beleuchtet, dass Gänsehauteffekt garantiert ist. Auch den Schluss des Spiels vom Leiden und Sterben Jesu Christi hat Tilch äußerst spannend inszeniert. Wie das aussieht bleibt aber noch geheim. Die Premierengäste heute Abend werden die ersten sein, die das genießen dürfen.

Mit ihrer fünften Passion lieferten die Tirschenreuther eine Meisterleistung ab: Beeindruckende Bilder mit fulminanter Wirkung. Bilder von Norbert Grüner



"Der Run auf die Karten ist enorm", freut sich der Produktionsleiter, Peter Geyer. Aus dem Grund lohnt es sich schnell zu sein, denn Zusatzvorstellungen soll es nicht geben (Kasten).

Das was die Tirschenreuther Passion, die in diesem Jahr gleichzeitig als Deutschlandpassion läuft, gegenüber ihrer großen und auch kleineren Schwestern auszeichnet ist der Stiftländer Dialekt der Schauspieler. Damit wird sie umso authentischer für die Region. Aber keine Angst. Auch wer diesen Dialekt nicht spricht, wird keine Probleme haben, die Passion zu verstehen. Zum einen ist die Geschichte ja bekannt, wie kaum eine andere, zum anderen sind es die vier Evangelisten, die links und rechts neben der Bühne sitzen und das kommende Geschehen in hochdeutscher Sprache vortragen.

Für die Passion 2015 hat der Wernberger Komponist Helmut Burkhardt eine komplett neue Musik komponiert. Für den Autor und Regisseur Johannes Reitmeier stellen die 13 Stücke die "passendste Musik für diese Passion", dar." Neben den rund 70 Akteuren auf der Bühne sind etwa 30 Leute im Hintergrund tätig, damit das Stück seine fulminante Wirkung voll entfalten kann. Was Licht- und Tontechnik betrifft, hat die Stadt Tirschenreuth in den vergangenen Jahren immer wieder kräftig investiert. So wurde aus dem Kettelerhaussaal nach und nach ein wirkliches Theater mit einer Bühnentechnik, das in der Region seinesgleichen sucht und in der Lage ist auch aufwendige Produktionen mühelos zu stemmen.
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