Gott findet Wege

Manchmal tut es gut, im Mittelpunkt zu stehen. Bei Betriebsjubiläen, wenn der Chef einen vor versammelter Mannschaft lobt. Oder bei Geburtstagen, wenn sich quasi die ganze Welt um einen dreht. Kerzen werden entzündet, ein Lied angestimmt, eine ehrende Rede gesprochen und natürlich Geschenke gereicht.

und Redakteur in Nürnberg Doch nicht immer spielt man die Hauptfigur. Schon gar nicht zu Weihnachten. An diesem Tag hat ein anderer Geburtstag - und wir sind die Randfiguren. Da ist es tröstlich, dass es den meisten Figuren aus der Weihnachtsgeschichte nicht anders geht. Aber: Obwohl ihnen in der Bibel nur ein paar Sätze gewidmet sind, schaffen sie es dennoch, ins Zentrum des Geschehens zu rücken.

Da ist dieser Wirt, von dem man weder den Namen noch das Alter kennt. Nur diesen Satz: "Es ist kein Raum in der Herberge." So resolut, gefühllos und kalt. Wahrscheinlich ein Geschäftsmann, der allein an seinen Umsatz denkt. Die Chancen stehen gut. Aufgrund der Volkszählung von Kaiser Augustus treiben sich viele Menschen auf den Straßen herum, die eine Unterkunft suchen. Alte und Junge, Gesunde und Kranke, anständige und merkwürdige Gesellen. Und dann auch noch Josef und seine hochschwangere Frau Maria. Mit den beiden ist wohl kaum ein gutes Geschäft zu machen. Soll er bei den vielen Gästen auch noch eine Geburt über die Bühne bringen? Verständlich, dass er abwinkt.

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Der Wirt in dieser Geschichte steht für all die Menschen, die weder Zeit noch Muße haben für das Geheimnis von Weihnachten. Zu viel Stress und Termine, kein Platz für Besinnung und Gefühle. Doch es gibt eine Wendung: Der Wirt, der Maria und Josef zuerst lieblos abwimmelt, entdeckt doch noch einen Ort, an dem das Wunder geschehen kann - einen Stall. Für mich eine erste Erkenntnis: Auch wer vor Gott die Türen verschließt, sperrt ihn nicht einfach aus. Gott findet Wege, um den Menschen immer wieder nahe zu sein. Vielleicht braucht es gerade dieses unscheinbare Kind, um Menschen wie diesen Wirt anzurühren und zum Umdenken zu bringen. Hat er eventuell eine leise Ahnung bekommen? Dass Gott weder Mühe noch Leid scheut, um bei uns anzukommen.

Randfiguren von Weihnachten - ich denke an Ochs und Esel. In der Weihnachtsgeschichte, die wir aus dem Lukas-Evangelium kennen, kommen die beiden gar nicht vor. Und doch sind sie prominenter als Maria und Josef. Krippendarstellungen der ersten Jahrhunderte zeigen von Anfang an das Jesuskind mit den zwei Tieren. Die Figur der Maria kommt erst im Mittelalter dazu, der Heilige Josef noch später. Der Prophet Jesaja ist wohl der Grund für die "tierische Karriere", weil er einst prophezeit: "Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber Israel kennt's nicht und mein Volk versteht's nicht" (Jesaja 1, Vers 3).

Erstaunt über das Geschehen in diesem armseligen Stall machen Esel und Ochs Platz für diese merkwürdige Gesellschaft. Die beiden Tiere stehen in der Weihnachtsgeschichte für alle Armen und zu kurz Gekommenen. Menschen, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Situation am Rande stehen oder sich so fühlen. Gerade sie finden sich im Stall auf den besten Plätzen wieder, direkt neben dem Christuskind, mittendrin im Glanz der Heiligen Nacht.

Sie können ein Lied davon singen, wie es ist, als Vertreter der zweiten Klasse plötzlich beschenkt und Ehrengast zu werden. Für mich eine zweite Erkenntnis: Gerade den Außenstehenden und Verfolgten gilt Gottes Liebe. Die zahlreichen Hilfen für Menschen in Krisengebieten, für Opfer des Taifuns oder Flüchtlinge in Syrien sind wunderbare Auswirkungen dieser Liebe Gottes zu denen, die am Rande stehen.

Eine dritte Nebenfigur in der Weihnachtsgeschichte ist Josef. In Krippendarstellungen sieht man ihn oft auf seinen Stab gebeugt, eine Laterne in der Hand und den Hut weit ins Gesicht gezogen. Selbst Engel und andere Zeichen können ihm die nahenden Ereignisse wohl kaum plausibel machen. Seine Verlobte, von einem anderen schwanger? Ein Kind, das zugleich Gottes Sohn sein soll?

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Josef erträgt die Armut

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Und was hat das Ganze noch einmal mit dem Heiligen Geist zu tun? Bis heute ist Josef dem Verdacht ausgesetzt, entweder von jemandem betrogen worden zu sein oder nie den Mumm besessen zu haben, zum eigenen Kind zu stehen. Und seien wir doch einmal ehrlich: Wer soll so eine Geschichte schon glauben?

Josef steht im Stall und schaut sich um. So vieles steht dagegen, dass dieses Kind Gottes Sohn ist. Kein königlicher Palast und keine ehrbare Gesellschaft, die sich da um einen stinkenden Futtertrog versammelt. Schnell hat er noch ein bisschen frisches Heu hineingelegt, damit der Säugling wenigstens gut gebettet ist. Und er schützt seine Verlobte vor den Zugriffen der Bevölkerung, indem er ihre Geschichte bestätigt. Für außereheliche Schwangerschaften sieht das Strafgesetzbuch damals die Steinigung vor.

Josef bringt Maria sicher nach Bethlehem, erträgt die Armut und Verzweiflung, steht im Stall und macht gute Miene zum schwierigen Spiel. Für mich ist das eine dritte Erkenntnis, die das weihnachtliche Wunder mit sich bringt. Mitunter ist der Glaube eine Nummer zu groß. Manchmal muss man einfach handeln, einfach so tun, als ob es wahr wäre und schauen, was passiert. So sind es drei ganz besondere Geschenke, die uns das Fest beschert:

Gestresste werden ermuntert, sich Zeiten und Räume zu eröffnen für himmlische Momente.

Verfolgte, Flüchtlinge und Opfer stehen unter Gottes besonderer Fürsorge.

Zweifler und Unentschlossene werden bestärkt, sich einfach einmal einzulassen auf die Frohe Botschaft des Festes: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!"

Handle danach, ohne immer alles mit dem Verstand begreifen zu müssen, und du wirst erleben, dass Du nichts Besseres in Deinem Leben hättest tun können.
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