Grenzgeschichten

Viele Erlebnisse haben sich bei Jochen Breitenbach eingeprägt: "Die Begegnung mit vier jungen Männern, die zu fünft waren, als sie die Donau nach Ungarn durchschwammen, und dann doch nur zu viert am ungarischen Donauufer ankamen".

Unvergessen sind ihm auch "die vielen verzweifelten jungen Menschen", die bei Anrufen in der Heimat gebeten wurden, doch zurück zu kommen, "da die Mutter krank ist oder im Sterben liegt". Was sollte man da raten? "Wir konnten nur darauf hinweisen, dass sie nicht die einzigen mit solchen Anrufen sind". Nicht wenige Übersiedler "haben befürchtet, dass die Stasi sogar noch im Lager in Tiefenbach mithört". Die Flüchtlinge wurden in die jeweiligen Bundesländer weitergeleitet. Viele blieben: "Vor den Toren standen die Firmenvertreter, die Jobs anboten".

Gelächter gabs in der Nabburger Unterkunft über den Satz eines geflüchteten Soldaten der Nationalen Volksarmee: "Vor ein paar Tagen haben sie uns noch aus den Betten geholt, weil der Feind vor der Tür steht, jetzt liegen wir beim Feind in den Betten".

Die politischen Verhandlungen, die Nähe zu den Entscheidungsträgern, die Hilfe, die man geben konnte - für Breitenbach war es sein bedeutendster Einsatz: "Man hat gespürt, dass sich die Welt jetzt irgendwie anders dreht. Ich bekomme noch nach 25 Jahren eine Gänsehaut". Als er wieder Luft holen konnte, fuhr der Wahl-Nabburger in die hessische Heimat, an die Zonengrenze und besuchte die DDR-Verwandtschaft.

Jochen Breitenbach wurde - auch stellvertretend für seine Kollegen - das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Wer Interesse an dem Buch zur Nabburger BGS-Geschichte hat: Es ist bei Jochen Breitenbach zu beziehen und kostet 20 Euro.
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