"Grinding" schluckt den Lärm

Der Startschuss fiel vor drei Jahren: Was in Kettnitzmühle auf Schautafeln skizziert war, ist umgesetzt. Reinhard Pirner, Präsident der Autobahndirektion Nordbayern, blickt noch einmal von der Brücke, die über die A 93 führt. Das Lärmschutzprojekt ist abgeschlossen. Die Werte werden eingehalten.

Wernberg-Köblitz. (cv) Die Marktgemeinde hatte Glück: Hier wurde der Plan für die A 93 in einer Zeit festgezurrt, in der die zarte Lärmprognose so gar nichts mit den späteren Fakten zu tun hatte. Darüber gibt es das "Leipziger Urteil", das der Kommune einen Rechtsanspruch bestätigt. Nach dem Planfeststellungsverfahren bestand 2012 Baurecht für das Projekt "Lärmschutz". Was seitdem geschah, skizzierten Autobahnpräsident Reinhard Pirner und Andreas Eisgruber, Leiter der Dienststelle Fürth, in einem Abschlussgespräch.

Drei Jahre lang wurden auf 1,35 Kilometer Länge Wälle gezogen, auf 1,3 Kilometer Wände gebaut. Als es dann um den Ausbau der lauten Betondecke zugunsten einer lärmreduzierenden Asphaltdecke ging, kam ein Pilotprojekt ins Spiel. Grinding heißt das Zauberwort. In einem Spezialverfahren wird die Beton-Oberfläche lärmschluckend gerillt. Die Fahrgeräusche werden merklich leiser, so das Resultat auf einer Teststrecke. Folglich wurde der vier Kilometer lange Abschnitt bei der Anschlussstelle Wernberg entsprechend speziell behandelt. Das senkte die Gesamtkosten auf 4,4 Millionen Euro.

Grinding, ein bundesweites Pilotprojekt, "ist Neuland", so Reinhard Pirner. In den nächsten Jahren wird die Strecke kontinuierlich messtechnisch überwacht. Grinding bringt vier Dezibel weniger Lärm, was in etwa mit einer Lärmhalbierung gleich zusetzen sei. Die Lärmschutzwerte von 49 (nachts) beziehungsweise 59 Dezibel (tagsüber) werden laut Pirner eingehalten. Ermittelt haben das die Bundesanstalt für Straßenwesen und die TU München. Lediglich bei drei Anwesen liegt man darüber. Hier greifen passive Maßnahmen wie Lärmschutzfenster.

Karl Holmeier, Mitglied des Verkehrsausschusses im Bundestag, und Bürgermeister Georg Butz dankten der Autobahndirektion für die zeitnahe Umsetzung und die kooperative Zusammenarbeit. Butz freute sich, dass das Thema Lärmschutz, "das mich in meiner ganzen Dienstzeit begleitet hat", wohl zu den Akten gelegt werden kann. Die Werte des Planfeststellungsbeschlusses würden momentan eingehalten werden. "Etwas anderes" ist das subjektive Empfinden der Bürger. Es reiche von Verbesserung bis "es hat nichts gebracht" und sei auch von den jeweiligen Witterungseinflüssen abhängig. "Wir können insgesamt zufrieden sein", fasste Butz zusammen. Und wie sich die Grinding-Strecke auch entwickle - sie sei in keinen Fall ein Nachteil für die Kommune. Falls die Werte mit diesem Verfahren nicht zu halten sind, hat die Kommune den Joker "Rechtsanspruch".
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