Grischuk Weltmeister
Blitzschach

Im Anschluss an die Schnellschach-WM ging vor wenigen Tagen in Berlin die Fide-Weltmeisterschaft im Blitzschach über die Bühne. Blitzschach bedeutet Stress: Es steht wenig Bedenkzeit zur Verfügung. Für die gesamte Partie erhielt jeder Spieler nur drei Minuten (plus zwei Sekunden Bonus pro ausgeführten Zug). Um die 40 000 Dollar Preisgeld für den Turniersieg stritten in 21 Runden nach Schweizer System 188 Teilnehmer aus 50 Nationen, darunter 153 Großmeister.

Nachdem der junge Norweger Magnus Carlsen im Jahr 2014 nicht nur seinen WM-Titel im Normalschach verteidigte, sondern sich nebenbei die Titel im Schnell- und Blitzschach holte, musste er natürlich auch als Favorit für die Blitz-WM angesehen werden, zumal er tags zuvor seinen Schnellschach-WM-Titel erfolgreich verteidigte. Doch es kam anders. Weltmeister 2015 im Blitzschach wurde der Russe GM Alexander Grischuk. Den 31-Jährigen musste man auf der Rechnung haben, da er schon 2006 und 2012 den Blitz-WM-Titel gewann.

Alexander Grischuk wird wohl nach seinem völlig verkorksten Start nicht mehr daran geglaubt haben, seinen dritten Titel zu gewinnen. Nach zwei Auftaktsiegen und einem Remis setzte es zwei Niederlagen. Doch nach einem weiteren Remis gegen seine Lebensgefährtin Katerina Lahno gab er in den letzten 15 Runden nur noch 2,5 Punkte ab. Er kam mit 15,5 Punkten vor dem starken Franzosen GM Maxime Vachier-Lagrave (15) und dem russischen Exweltmeister Wladimir Kramnik, der vor der Schlussrunde noch führte, ins Ziel.

Der glückliche Sieg in Runde 7 gegen den norwegischen GM Simen Agdestein, früher norwegischer Fußballnationalspieler und erster Trainer von Weltmeister Magnus Carlsen, brachte die Wende. In den restlichen 14 Partien unterlag er nur noch einmal.

Weiß: Simen Agdestein

(Elo 2606)

Schwarz: Alexander Grischuk

(Elo 2774)

1.c4 g6 2.g3 Lg7 3.Lg2 c5 4.Sc3 Sc6 5.Sf3 d6 6.0-0 e6 7.a3 Sge7 8.Tb1 0-0 9.b4 b6 10.Db3 Lb7 11.Lb2 Tb8 12.Sb5 e5 13.e3 La8 14.Tfd1 Dd7 15.d4 a6? 16.dxe5 axb5 17.cxb5?! Sa7 18.exd6 Sf5 19.Lxg7 Lxf3?! 20.Lxf3 c4 21.Dxc4 Sxg7 22.Lc6 De6 23.Dxe6 Sxe6 24.d7 Tfd8 25.Td6 Kf8 26.Tbd1 Ke7 27.a4 Sxc6 28.bxc6 Ta8? 29.b5? Sc7 30.T6d4 Se6 31.Tc4 Sc7 32.g4 Ta5 33.g5 Tda8 34.Tdd4 Kd8 35.Th4?! Se6 36.Txh7 Sxg5 37.Th8+? Kc7 38.Te8 Se6 39.h4 Sc5 40.Te7 Txa4? 41.Td4? Td8 42.Txf7 Ta1+? 43.Kg2 Tb1 44.Tg4? Txb5 45.Txg6 Sd3 46.Te6 Tc5 47.h5! Txh5?! 48.f4? Tc5? 49.Tff6? Sb4 50.e4 Sxc6 51.e5 b5 52.Td6 Txd7 53.Txd7+ Kxd7 54.Td6+ Kc7 55.Td1 Sxe5 56.fxe5 Txe5 57.Kf3 Kb6 58.Kf4 Te8 59.Tb1 Kc5 60.Tc1+ Kd4 61.Td1+ Kc4 62.Tc1+ Kd3 63.Tb1 Tb8 64.Ke5 b4 65.Kd5 b3 0-1

Tagesnotizen: Bei der vor über dreißig Jahren in Riga gespielten Partie als Taktikaufgabe Nr. 108asieht es für Weiß nicht gut aus. Der schwarze Freibauer ist eine Macht. Mit seinem letzten Zug 1.Lc3-e1 meinte sich Weiß jedoch zu retten. Doch Schwarz fand eine feine Gewinnfortsetzung. Sehen diese auch Sie?

Mit Aufgabe Nr. 108b stellt der renommierte Straubinger Problemschachkomponist Stefan Felber mit einem Selbstmatt in vier Zügen einen an dieser Stelle eher seltenen Problemtyp zur Diskussion. Es zwingt Weiß am Zug den Schwarzen dazu, den weißen König matt zu setzen. Erkennen Sie, wie ihm dies gegen alle schwarze Gegenwehr gelungen ist?

Lösungen: Die Position zu Taktikaufgabe Nr. 107a (Heidrich-Hansch, W: Kg1, Tb2, Sb4, Ba2, c5, f3, g4, h3 [8], S: Kg8, Ta4, Se7, Ba7, e6, f7, g7, h7 [8]) kam 2010 beim Open Pardubice zwischen dem für den Zweitbundesligisten SC Forchheim spielenden Fidemeister Manfred Heidrich und dem Stendaler Meisterkandidat Torsten Hansch auf das Brett. Schwarz hatte im Hinblick auf den weißen Freibauer zuletzt 0...Sg6-e7 gezogen, dabei aber die Schwäche seiner Grundreihe außer Acht gelassen. Diese nutzt Weiß konsequent mit1.Sd5!. Die damit aufgestellte Mattdrohung 2.Tb8# wird Schwarz eine Figur kosten. Zwar kann Schwarz das Mattfeld b8 durch1...Sc6abdecken, doch greift Weiß diesen Springer mit2.Se7+! an. Da der schwarze Springer zur Deckung des Mattfeldes b8 verdammt ist (2...Sxe7 3.Tb8+ Sc8 4.Txc8#), bleibt Schwarz nur 2...Kf8, doch nach dem Figurenverlust 3.Sxc6 ist die Partie aufgabereif.

Eine kleine elementare Gewinnkombination, die jedoch erst gesehen werden will.

Mit Aufgabe Nr. 107b (W: Ka5, Dg5, Th6, Lc1, Lf7, Sf5 [6], S: Kc5, Sf8, Sg8, Bb4, c7, d3, d5, d7, e2, e5 [10]) bot uns der schwäbische Problemkomponist Ralf Schreyer einen Dreizüger ohne weiße Bauern zum Lösen an. Manchen wird der Verfasser der Aufgabe von den vier Bänden "Kniffelige Schachaufgaben", insbesondere als Co-Autor des Bandes I, bekannt sein, enthalten diese doch über 150 seiner hochkarätigen Aufgaben.

Die Stellungsanalyse des Dreizügers lässt das Fluchtfeld c4 für den schwarzen König erkennen. Doch wie kommt Weiß an ihn heran? Sehen wir uns zunächst die Probespiele an. 1.De3+? reicht nicht wegen 1...Kc4! (nicht 1...d4?? 2.Dxe5#) 2.De4+ Kc3 3.Dxb4+ und der König flüchtet nach Feld c2. Auch 1.Dd2? (droht 2.Dxb4#) führt wegen 1...e1D(L)! und 1.La3? (droht 2.Dc1#) wegen 1...e1D(T)! nicht weiter. Die Dame muss zur anderen Bretthälfte schwenken. Es löst 1.Dd8! mit der Kurzdrohung 2.Dxc7#. Schwarze Paraden dieser Mattdrohung zeitigen folgende Abspiele:

a) 1...Kc4 (der König flüchtet) 2.Dxc7+ Kb3 3.Lxd5#.

b) 1...c6, verhindert das Matt, öffnet jedoch die Diagonale a5/d8, 2.Db6+ Kc4 3.Dxb4#.

c) 1...Se7(soll das Dazwischenziehen 2...Sc6 ermöglichen) 2.Dxe7+ d6 3.Dxc7# oder 2...Kc4 3.Dxb4# mit einem Mattbild, das wir aus Abspiel b kennen.

d) 1...Se6 (deckt Mattfeld c7) 2.Db8 (droht 3.Db5#) und auf 2...c6, 2...Sd4 und 2...Kc4 folgt jeweils 3.Dxb4#.

Ein schöner Dreizüger und als konventionelle Aufgabe mit mehreren Varianten typisch für den Autor.
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