Große Hörbuch-Edition von Thomas Mann
Redner und Vorleser

"Oft genug hatte ich mich selber gelangweilt beim Niederschreiben des Romans." Das bekannte Thomas Mann mit der ihm eigenen Selbstironie und der Noblesse des Literaturnobelpreisträgers über die "Buddenbrooks", die zum Welterfolg werden sollten. "Altmodisch in Tempo und Dimension" sei der Roman vom "gebildeten Bürgertum" erst zögernd aufgenommen worden.

Freimütig erzählt Mann "aus meinem Leben", festgehalten auf einem Tondokument, wie das zunächst nur auf 250 Seiten geplante Manuskript ihm aus dem Ruder gelaufen sei. Aber das Ansinnen des Verlegers zu Kürzungen, lehnte der Romandebütant energisch ab. "Ich hatte kein Recht, beleidigt zu sein", aber "Kurzweiligkeit hat nichts mit der Länge zu tun."

Zu hören sind diese Erinnerungen auf einer von insgesamt 17 CDs einer großen Hörbuch-Edition mit bisher nur meist verstreuten Reden, Vorträgen und Lesungen aus seinen Werken wie "Tonio Kröger" und "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull". Mann stellt auch seine Lieblingsmusiken vor. Ferner sind seine Ansprachen über den britischen Rundfunksender BBC während des Zweiten Weltkrieges an die "Deutschen Hörer" vertreten. Dazu kommt der Beitrag über "Thomas Mann. Leben und Werk" von Hermann Kurzke (Thomas Mann, die große Originalton-Edition, 17 CDs, Laufzeit über 17 Stunden).

Zwar hat es die meisten Aufnahmen schon in Einzeleditionen gegeben, doch erspart die Box dem Thomas-Mann-Liebhaber nach jeder einzelnen CD im Handel suchen zu müssen. Eine gelungene Hörbuch-Werksausgabe für Kenner und Neugierige, inklusive der eher charmant-nostalgisch wirkenden Tonqualität, die den Augenblick des Authentischen noch verstärkt. Eine Rarität ist dabei Manns Lesung im Familienkreis aus seinem letzten, 1951 erschienenen Roman "Der Erwählte", die seine Tochter Erika mit einem neugekauften Tonband aufgenommen hatte.

In seinen Erinnerungen an die "Buddenbrooks"-Anfangszeit ist bei allem Pathos, das Mann in seinen öffentlichen Reden - weniger inhaltlich denn im Tonfall - oft zu eigen war, noch immer das Ironische über sich und seine Bewunderer spürbar und herauszuhören. Ein Leben lang behielt der Nobelpreisträger seine Anhänglichkeit an den "Ursprung der Kunst, die über sich selbst lacht", exemplarisch im "Hochstapler Felix Krull" und auch "eine tiefe Scheu gegen die Verwürdigung seines Daseins". Letzteres darf man nicht zu ernst nehmen und getrost als gespielte Bescheidenheit des Mannes abhaken, der sich selbst gerne in der Nachfolge Goethes sah.

Aber bei allem "Allotria" und dem Hang zur Spielerei, die dem Künstler laut Mann von Natur aus eigen sei, vergaß der "Großschriftsteller" nicht seine gesellschaftliche Verantwortung, was er vor allem in seiner Haltung zum NS-Regime zeigte, dem er aus dem Exil jahrelang in Reden und Artikeln die Stirn bot. Vor allem in seinen Ansprachen "Deutsche Hörer!" über die BBC, die hier ausführlich aus den Jahren von 1941 bis 1945 dokumentiert sind.

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Thomas Mann: "Die große Originalton-Edition", 17 CDs, Laufzeit 1030 Minuten, 49,99 Euro, Der Hörverlag.
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