Großer Frust bei Devils-Fans

Frust auf dem Eis: Nach der Schlusssirene gibt es auch in dieser Saison für die Blue Devils kaum etwas zu lachen. Bild: Gebert

Schlechte Leistungen, letzter Tabellenplatz, unzufriedene Zuschauer: Kurz vor Beginn der Play-downs um den Klassenerhalt in der Oberliga Süd herrscht bei den Blue Devils alles andere als ein Stimmungshoch. Und jetzt ziehen sich auch die treuen Fans immer mehr zurück.

Weiden. (gb) Das Publikum war fast drei Jahrzehnte der größte Trumpf des 1. EV Weiden - auch in etwas schlechteren Zeiten. Doch zwei miserable Jahre in Folge haben Spuren hinterlassen. Vor zwei Wochen gegen den EHC Klostersee (0:3) kamen nur noch knapp 900 Zuschauer in die Hans-Schröpf-Arena, am vergangenen Freitag im normalerweise ausverkauften Derby gegen den VER Selb (0:6) waren es rund 1600 (darunter 500 aus Selb). Beim verbliebenen Rest hatte sich Frust aufgestaut und gegen Selb ist die Stimmung endgültig gekippt.

Heftige Attacken

Es gab nicht nur Pfiffe und Beschimpfungen, sondern viele Zuschauer verließen schon in der zweiten Drittelpause enttäuscht das Stadion. Danach ging es in den sozialen Medien richtig rund. Vorstand, Trainer und Mannschaft wurden heftig attackiert und pauschal zu Versagern gestempelt. Eine Behauptung auf Facebook, die Spieler seien nach dem Match gegen Selb von Fans bespuckt worden, konnte erfreulicherweise niemand bestätigen. "Das hätten mir die Spieler erzählt", sagte Trainer Josef Hefner und auch Kapitän Florian Zellner sowie Daniel Huber erklärten übereinstimmend, dass sie davon "nichts gemerkt" haben. Auch Vorsitzender Thomas Siller berichtete "nur von Pfiffen und Beschimpfungen".

"Der Ärger ist verständlich", sagt Florian Zellner, aber man müsse alles in Relation sehen: "Wir sind nicht in der Fußball-Bundesliga. Außerdem verliert niemand absichtlich." Der Kapitän hätte den Unmut der Fans nach der schwachen Leistung gegen Klostersee mehr verstanden. Gegen Selb sei die Mannschaft hochmotiviert gewesen, doch nach den drei unglücklichen Gegentoren im ersten Drittel sei das Match gelaufen gewesen. "Trotz aller Anstrengung kommt nichts raus, das ist deprimierend", erklärte Zellner. "Solche Gegentreffer machen das Team kaputt", meinte Thomas Siller. Goalie Daniel Huber übte Selbstkritik: "Das 0:2 und 0:3 muss ich auf meine Kappe nehmen."

Nach der glanzvollen Rückkehr in die Oberliga mit dem Erreichen des bundesweiten Play-off-Viertelfinals in der Saison 2012/13 schlitterten die Blue Devils mit Beginn der Spielzeit 2013/14 in eine Abwärtsspirale, aus der sie sich nie mehr befreien konnten. Verletzungspech, Krankheiten, aber auch viele unglückliche Personalien waren in den vergangenen beiden Jahren in der Summe dafür verantwortlich. Was die Personalpolitik betrifft, steht in den sozialen Medien die Vereinsführung in der Kritik. Trotzdem erteilt Thomas Siller der immer wieder aufkommenden Forderung nach einem Sportlicher Leiter eine klare Absage: "Da geht finanziell nichts, das können wir uns nicht leisten."

In der laufenden Saison bereiten die Ausländerpositionen die größten Sorgen. Dabei war mit dem Kanadier Craig Voakes (13 Tore in 9 Spielen) bis zu seinem häuslichen Unfall (Gehirnerschütterung) eigentlich ein Glücksgriff gelungen und auch der US-Amerikaner Vladimir Nikiforov (17 Punkte in 10 Partien) machte bis zu seiner Entlassung insgesamt keinen schlechten Eindruck. Die Nachbesetzungen, zunächst Frantisek Mrazek für zehn Spiele und jetzt dessen tschechische Landsleute David Pojkar und Jiri Kuchler, genügen dagegen nicht gehobenen Ansprüchen. "Wir haben alles getan, um das Blatt zu drehen. Doch während der Saison sind keine guten Ausländer, sondern nur Notlösungen zu bekommen", räumt auch Thomas Siller die fehlende Qualität ein.

Zellner: "Wir packen das"

Trotzdem glauben bei den Blue Devils vier Spiele vor Ende der Vorrunde alle daran, dass der zweite sportliche Abstieg in Folge - im Vorjahr profitierten die Weidener vom Schweinfurter Rückzug - verhindert werden kann. "Es wird schwer, aber wir arbeiten hart auf die Play-downs hin", sagt Trainer Josef Hefner. "Wenn wir nicht Letzter werden, haben wir eine gute Chance", ist Thomas Siller überzeugt. Auch Daniel Huber will nicht als Tabellenletzter auf Sonthofen treffen: "Dann wird es schwierig, ich würde mir Erding wünschen. Wir müssen es auf jeden Fall irgendwie schaffen, auf sportlichem Weg in der Oberliga zu bleiben." Daran hat der Kapitän keinen Zweifel: "Wir packen das. Die Mannschaft hat mehr Potenzial, als sie bisher gezeigt hat", sagt Florian Zellner.
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