Großes Herz für Arme

Nahe der Burg Wernberg befindet sich das Geschichtsdenkmal. Es erinnert an den früheren Burgherrn Freiherr Rudolf von und zu Brenken. Heute ist sein 100. Todestag. Bild: Eimer

Er galt als großzügig und naturverbunden. Freiherr Rudolf von und zu Brenken war ein Gewinn für die Burg Wernberg. Heute vor 100 Jahren starb der Burgherr, an den das "Brenken-Grab" erinnert.

Wernberg-Köblitz. Am 19. August 1915 wandte sich der Nabburger Bezirksamtmann Josef Brandner an die Kreisregierung in Regensburg mit einem ungewöhnlichen Gesuch, das Freifrau Elfriede von und zu Brenken aus Wernberg ihm zugeleitet hatte: "Am 8. Juni 1915 ist in Wernberg Freiherr Rudolf von und zu Brenken, Besitzer der Burg Wernberg, gestorben. Er wurde im Ortsfriedhof Oberköblitz bestattet. Seine Angehörigen beabsichtigen, in dem zur Burg gehörigen Parke eine Familiengrabstätte zu errichten und in dieser den Verstorbenen beisetzen zu lassen. Gegen dieses Vorhaben bestehen weder gesundheitspolizeiliche noch kirchliche Bedenken." Prompt stimmte die Regierung zu.

Uraltes Adelsgeschlecht

Wer war der Tote, der wenige Wochen nach seinem Hinscheiden umgebettet werden sollte? Freiherr Rudolf von und zu Brenken wurde am 7. Februar 1848 auf Schloss Erpernburg in Westfalen als Spross eines uralten Adelsgeschlechts geboren. 1867 trat er in das Westfälische Ulanenregiment Nr. 5 ein und wurde im deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach der Beförderung zum Premierleutnant erhielt der Baron 1880 eine Stelle als Inspektionsoffizier an der Kriegsschule Metz. 1884 avancierte er zum Rittmeister und quittierte 1894 den Militärdienst.

Baron Brenken schloss 1885 mit Maria Fischer die Ehe. Dieser Verbindung entstammten die Töchter Maria, Clothilde und Antoine. Letztere zwei stifteten 1914 eine Glocke für die Sankt-Anna-Kirche in Wernberg. Ehefrau Maria starb bereits 1889 in Warnburg. Sechs Jahre später heiratete der Witwer Elfriede Freiin von Wüllenweber. Dieser zweiten Verbindung entspross 1896 Hermenegilde, die Dr. Alfred von Gescher heiratete. Clothilde vermählte sich mit Dr. Rudolf von Mamming, während Antoine 1915 Dr. Osvaldo de Negri di san Pietro, k. k. Bezirkskommissär in Calavino/Südtirol, ehelichte.

Park und Tennisplatz

Am 15. Mai 1899 erwarb Freiherr Rudolf von und zu Brenken die Burg Wernberg samt Umgriff für 32 500 Mark von Freiherr Otto von Roman. Der Baron, der ein großes Herz für Arme hatte, veranlasste eine Innenrenovierung und ließ als großer Natur- und Jugendfreund den Park im Südosten sowie einen Tennisplatz, den es am Stammschloss Erpernburg bereits in den 1880er Jahren gab, anlegen. Beide Einrichtungen durften auch "Normalsterbliche" nutzen.

Die Burg Wernberg wurde 1280 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte nacheinander den Paulsdorfern, Nothaften, Wispecken, Leuchtenbergern, Khevenhüllern und Lambergern. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg ging es 1714 in den Besitz bayerischer Herzöge, Kurfürsten und Könige über, denen es als Rent- und Forstamt sowie Gefangenen- und Erziehungsanstalt diente. 1873 kaufte Hauptmann Karl von Peritzhoff die Veste. Ihm folgten 1891 Franz und Pauline Zapf, 1893 Major August Boshart und 1894 Major Otto Freiherr von Roman.

Baron Brenken starb nach kurzer Krankheit am Dienstag, 8. Juni 1915. Freiherr Dr. Karl Bruno Reisner von Lichtenstern aus Neusath meldete sein Hinscheiden am nächsten Tag Bürgermeister Michael Sir. Die Exequien der Beerdigung in Oberköblitz leitete vier Tage später Pfarrer Josef Coduro.

Noch drei Jahre

Nach der eingangs erwähnten Zweibestattung 1915 wohnte die Familie Brenken noch drei Jahre in Wernberg. 1918 erwarb Graf Andreas Schall-Riaucour aus Dresden den Besitz. Witwe Josefine, geb. Prinzessin Lobkowitz, trat 1958 seine Nachfolge an. 1992 ging die Burg in das Eigentum des Marktes Wernberg-Köblitz über. Zusammen mit der Firma Conrad Electronic sanierte die Kommune das Wahrzeichen und baute es zu einem (Tagungs-)Hotel samt Restaurant aus, das 1998 in Betrieb ging.
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