Gründung in zwei Monaten

Zusammen mit Landrat Wolfgang Lippert (stehend) warben (von links) Manfred Zölch, Markus Sporrer, Joachim Scherer und Susanne Stangl für die Gründung einer Bürger-Energiegenossenschaft. Bild: bkr

Der Landkreis nimmt die Herausforderungen der Energiewende an. Als einziger Landkreis Bayerns beteiligt er sich am Forschungsprojekt "W3 - Regionale Energieflächenpolitik". Ein Baustein ist die Gründung einer "Bürgergenossenschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz".

Waldeck/Tirschenreuth. (bkr) Ob die Landkreisbürger sich dafür interessieren, sollte am Dienstag im Landgasthof Goldener Engel in Waldeck eine Informationsveranstaltung ausloten. Ergebnis: In acht Wochen, vielleicht auch ein paar Tage später, soll eine Gründungsversammlung einberufen werden. Bis dorthin soll auch eine Satzung ausgearbeitet sein.

Die künftige Genossenschaft kann bei ihrem Start auf die vielfältigen Erfahrungen der "Bürger Energie Region Regensburg eG (BERR)" zugreifen. Deren Geschäftsführer Joachim Scherer, Landrat Wolfgang Lippert, Projektkoordinatorin Susanne Stangl, Diplom-Geograf Florian Rüth sowie Markus Sporrer und Manfred Zölch, die aktiv am Aufbau der Bürgergenossenschaft beteiligt sind, waren die Gesprächspartner. Sie hätte sich allerdings ein größeres Interesse bei den Landkreiskommunen gewünscht. Unter den 35 Besuchern waren lediglich die Bürgermeister Max Bindl (Konnersreuth) und Johannes Burger (Leonberg) zu finden.

Laut Landrat Wolfgang Lippert sollen die Nutzungen alternativer Energien, aber auch die Einsparung von Energie selbst ausgelotet werden. Die Wertschöpfung solle im Landkreis verbleiben. Die Geschäftsaussichten und -felder einer Bürgergenossenschaft betrachtete Susanne Stangl. Nach ihren Worten wird die Verteilung von Nutzen und Lasten bei der Energieversorgung verschieden wahrgenommen. Die Investoren und großen Konzerne gewinnen, die anderen gehen leer aus. Eine Bürgergenossenschaft könne dieses Ungleichgewicht beheben. Erneuerbare Energie sei eine Chance für die Bürger, sich in die Energieversorgung einzubringen und unabhängig gegenüber dem Ausland zu werden.

Zu den Vorteilen einer Genossenschaft zählte sie die Insolvenzsicherheit, soziale Gerechtigkeit, dauerhaftes Engagement, Interessensausgleich, regionale Wertschöpfung und bedarfsgerechte Energiewirtschaft. Als attraktives Modell stellte Stangl die Bürgergenossenschaft vor. Zu den Geschäftsfeldern zählten nicht nur Energieerzeugung, Handel und Verbrauch. Die Genossenschaft profitiere auch von der Energieeinsparung. Die Projektkoordinatorin ermutigte dazu, beim Aufbau eines wirtschaftlichen Konzepts, eines Geschäftsplans, einer Satzung und Geschäftsordnung mitzuarbeiten.

Joachim Scherrer stellte sein Regensburger Modell von den Startschwierigkeiten bis zur erfolgreichen Verwirklichung vor. 20 Anlagen betreibt die BERR zurzeit. Sie will nun in den Wärmemarkt einsteigen, Straßenbeleuchtungen auf LED umstellen und Strom aus eigenen Anlagen vor Ort verkaufen. Für Scherrer ist die Energiewende nur möglich, wenn die großindustriellen Strukturen bei der Energieerzeugung verändert werden. Diese müsse in den Händen der Bürger bleiben.

Ein Startprojekt für die zu gründende Bürgerenergiegenossenschaft gibt es schon. Sporrer stellte eine Photovoltaikanlage auf dem Kreisbauhof Tirschenreuth mit 30 Kilowattpeak, erweiterungsfähig auf 85 Kilowattpeak, vor. Sie soll den Bauhof selbst mit Energie versorgen. Nach seiner Berechnung könne eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals von 3,7 Prozent erreicht werden. "Keine Wahnsinnsrendite, aber eine nachhaltige Geldanlage."

Planung und Abrechnung

Überall dort, wo die neue Bürgerenergiegenossenschaft aktiv werden kann, setzte Manfred Zölch sein Augenmerk. Energieberatung, Windenergie, Photovoltaik, Kraft-Wärme-Kopplung, Energie-Contracting und -effizienz waren seine Stichpunkte. Dabei spannt sich das Feld von der Beratung über die Versorgung von Firmen, Kommunen, Vereinen oder ganzer Baugebiete mit Energie. Planung und Abrechnungen könnten vorgenommen werden oder Möglichkeiten der Energieeinsparung und -erzeugung aufgezeigt werden.

Wer sich für die Bürgerenergiegenossenschaft interessiert, kann sich an das Regionalmanagement beim Landratsamt Tirschenreuth, Florian Rüth, Telefon 09631/883 5, E-Mail Florian.Rueth@Tirschenreuth.de, wenden. Auskünfte erteilt auch Projektkoordinatorin Susanne Stangl, Telefon 0941/4641912, E-Mail s.stangl@zreu.de
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