Gstanzla oberhalb der Gürtellinie

Die Hutzaweiber sind aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken. Nun erhalten sie den Bürgerpreis. Bild: hia

Geht es um Gaudi, fetzige Stimmung und Plaudern über Gott und die Welt, dann gibt es im drittgrößten Ortsteil der Großgemeinde eine Institution, die Ihresgleichen sucht: die Hutzaweiber. Ihr Engagement wird am Samstag mit dem Bürgerpreis des CSU-Kreisverbands Bayreuth Land gewürdigt.

An die 45 sind es, zwischen elf und 81 Jahre. Ohne sie geht seit Jahren fast nichts mehr bei Festen in der Gemeinde. Nicht nur beim Mithelfen bei Kirchweihen, Jubiläen und Treffen der Dorfgemeinschaft, sondern auch in puncto Unterhaltung, vom "Gschichtla" erzählen bis zum "Gstanzla" dichten.

"Keine Gaudi ohne Frauen", betonte Feuerwehrchef Werner Bscherer, der weiß, was er an seiner Frauenriege hat. "Ein Fest im Dorf ohne die Hutzaweiber - das ist undenkbar", ergänzt Kommandant Rainer Schneider. Sogar bei Beerdigungen sind sie auf ausdrücklichen Wunsch der Verstorbenen schon aufgetreten, haben am Grab von Babette Engelbrecht das Lied "Du großer Gott" gesungen.

Elfriede Gräbner hatte vor neun Jahren die Idee zu einem Stammtisch für Frauen. Sie gilt als Mutter der Windischenlaibacher Hutzaweiber. Jeden dritten Freitag im Monat treffen sie sich - "zum Gschichtla erzählen und zuhören", sagte Gudrun Engelbrecht. Sie dichtet die Liedtexte und bildet mit Maria Popp und Andrea Wolfohr das Führungsteam der Hutzaweiber.

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die die Hutzaweiber geschrieben haben. Schon zum ersten Treffen an einem Herbstabend im Jahr 2006 kamen etwa 25 Frauen. "Wir wollten einfach auch einen Tag für uns. Einen Abend, an dem wir uns unterhalten und Geschichten erzählen können", erinnert sich Andrea Wolfohr. Aus den Geschichten wurden Gedichte, Lieder, Tänze und richtige Aufführungen. Anfangs etwas belächelt von den Männern ließen sie sich nicht beirren, wurden immer mutiger und traten schließlich auf. Bei Weihnachtsfeiern, Geburtstagen und natürlich zur Kerwa. Im Mittelpunkt standen oft die fünf als "Golden Girls" bezeichneten Seniorinnen. "Die haben keinen Hutzaabend verpasst und waren für jede Gaudi zu haben", erzählt Engelbrecht. Mittlerweile sind alle verstorben.

Ab 2008 musste die Windischenlaibacher Kirchweihgeschichte neu geschrieben werden. Nach einigen Jahren Kerwa-Pause im Ort sorgten die Frauen mit ihrem Auftritt für den Kerwahöhepunkt. 50 Gstanzln hatten sie gereimt, über sich selbst, über ihre Männer und andere Begebenheiten aus dem Dorf. Wo es ab sofort im Örtchen stimmungsmäßig langgehen sollte, ließ der umgeschriebene DJ-Ötzi-Hit "Der Stern, der deinen Namen trägt" erahnen: "Der Stern von Windischenlaibach ist hier, die Hutzaweiba sind wir" und weiter "In Windschalaiba die Männer - die bringa nix za Weg, do müssen die Hutzaweiba zeing, wies Kerwahalten geht".

Mit ihren Reimen und umgeschriebenen Liedern verschonen sie nichts und niemanden. "Da bekommen schon mal der Pfarrer oder der Bürgermeister ihr Fett weg", erzählt Gudrun Engelbrecht. Allerdings gingen die Verse nie unter die Gürtellinie. "Wir dichten lustig und zünftig, aber nicht böse", versichert Andrea Wolfohr. Damit ist das Repertoire der Damentruppe aber noch lange nicht erschöpft.

Außer singen und Gstanzl erzählen haben sie diverse Tänze auf Lager - darunter den Schuhplattler. Mit ihrem "Schachtelballett" sind sie bereits außerhalb der Dorfgrenzen aufgetreten. "Da haben sie uns für die Kerwa in Neuhof verpflichtet."

Nach neun Jahren zieht Gudrun Engelbrecht ein Resümee: "Wir sind nicht mehr wegzudenken aus der Dorfgemeinschaft. Das sehen auch unsere Männer so, die sogar schon mal zu unseren Abenden kommen." Im Laufe der Zeit sei man zu einem zusammengeschweißten Haufen, zu einer Gemeinschaft geworden. Einen Grund dafür sehen die drei Anführerinnen darin, dass bei den Abenden nie über andere geredet werde. "Gschichtla erzählen können die Älteren besonders gut. Da hörst du eine Stecknadel fallen, wenn die loslegen", betonte Andrea Wolfohr.

Das wird auch am heutigen Samstag so sein, wenn den Hutzaweibern eine besondere Ehre widerfährt. Dann erhalten sie den Bürgerpreis des CSU-Kreisverbandes Bayreuth Land 2015. Die Verleihung findet am Samstagnachmittag, 26. September, im Rahmen eines Festaktes im Dorfgemeinschaftshaus statt. Dazu wird hoher Besuch aus der CSU-Landespartei in Windischenlaibach erwartet.

Der neue oberpfälzische Bezirksvorsitzende, Heimat- und Finanzstaatssekretär Albert Füracker aus Neumarkt wird die Laudatio halten und den Bürgerpreis, der mit 500 Euro dotiert ist, an die "Hutza-Weiber" verleihen. Ob sich der Oberpfälzer da vielleicht sogar ein bisschen was anhören muss? Gedichtet haben sie jedenfalls ein paar Zeilen für diesen Anlass, die Hutzaweiber. Angst muss der Bezirksvorsitzende aber nicht haben. Die Gstanzla sind ja nicht böse.
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