Gulasch-Rezept bleibt geheim

Beim "Brendlmetzger" gibt es einen super Leberkäse, der Inhaber ist ein Original. Fröhlich und immer einen lustigen Spruch in fränkischem Dialekt auf den Lippen. Jetzt übergibt Ewald Fellner (59), die Traditionsmetzgerei am 1. Januar in neue Hände.

Bereits seit 1892 war die Metzgerei in Besitz der Familie Brendel. Mit Helga Fellner, der Ehefrau von Ewald Fellner, stand die letzte Nachfahrin der Familie tagein- tagaus im Geschäft. Das Ehepaar freut sich auf die ruhigere Zeit. Unsere Zeitung durfte den Metzgermeister in "sein Heiligtum" begleiten. Hinter der Metzgerei führt ein langer Gang in einen Innenhof und von dort in das Herzstück des Handwerksbetriebes. Dort warten 160 Kilo Auerochsengulasch für die Bergwerksweihnacht auf die Verarbeitung.

Acht Stunden gegart

Acht Stunden hat das duftende Gulasch bei 75 Grad in riesigen Kesseln gegart. Gewürzt mit Paprikastreifen und Zwiebeln und abgeschmeckt mit einer Würzmischung für die Hausrezept-Soße, die natürlich streng geheim bleibt, wird das rote Gemisch in Häute gefüllt. Jede "Wurst" wiegt dann etwa 2,5 bis 3,5 Kilo. Auf Maffei wird das Gulasch über Feuer in Kesseln erhitzt und im offene Brotlaib verkauft. Ewald Fellner erzählt aus seinem arbeitsreichen Leben. 30 Jahre lang war er Metzger mit Leib und Seele. Dabei hat der gebürtige Willenreuther eigentlich etwas ganz anderes gelernt.

Betrieb übernommen

Nach dem Schulbesuch in Elbersberg und Pottenstein machte er eine Ausbildung zum Textilmaschinenführer bei der Firma Poser in Pegnitz. Danach arbeitete er im Maschinenbaubetrieb Klubert und Schmitt in Pottenstein. 1974 lernte er seine Frau Helga kennen, die den elterlichen Metzgereibetrieb übernehmen sollte.

Bereits 1975 begann Fellner eine Umschulung, die er für die Bundeswehr erst einmal unterbrechen musste. Danach ging es weiter und 1980 erhielt er den Metzger-Meisterbrief. Im gleichen Jahr wurde geheiratet, 1984 übernahm er die Metzgerei. Seither arbeitet er im Geschäft, war vor allem für seine Leberkässpezialitäten, die Bratwürste und seine Steaks bekannt. "Ich kann mich nicht beklagen. Ich habe all die Jahre viel Positives erlebt."

Seine Grilleinsätze bei der Siedlerkirwa oder beim Roten Kreuz sind bekannt. Zehn Lehrlinge hat er ausgebildet. Doch keiner wollte in den Betrieb einsteigen. Als es vor zehn Jahren zunehmend schwieriger wurde, Azubis oder Mitarbeiter zu finden, Tochter Bianca ebenfalls einen anderen beruflichen Weg einschlug, da reifte bei Ewald Fellner erstmals der Gedanke, aufzuhören. In den letzten Jahren hatte er sich dann auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Zwei Bewerber gab es, Fellner entschied sich für Martin Renner jun., einen Metzgermeister und Koch. Dieser übernimmt am 1. Januar den Betrieb. "Ein bisschen schwer fällt es mir schon", meint Fellner. "Denn schließlich handelt es sich um das Elternhaus der Ehefrau. Und bereits im 17. Jahrhundert war der Überlieferung nach eine Metzgerei in dem Haus." Doch Fellner schaut nach vorne, will sich nicht ganz zurückziehen, sondern in zweiter Reihe zur Verfügung stehen, wenn Not am Mann ist. Dennoch freut er sich auf ruhigere Zeiten, zumal er auch gesundheitlich angeschlagen ist.

Gesundheit und Enkel

Bis Silvester heißt es aber noch richtig "ran an den Speck" für den 59-Jährigen. Dann möchte Ewald Fellner mehr Zeit für seine Vereine haben, die Freizeit im Eigenheim am Siechen genießen. Für die Zukunft hat er nur zwei Wünsche: Gesundheit und Enkelkinder.
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