Gut gelaunte Gäste, ein gelungener Mix von alten deutschen und bayerischen Volksliedern und eine ordentliche Portion
Holz-Spreißel im Allerwertesten

Mundart mach Spaß und passt auch in den Fasching. Den besten Beweis lieferte das Wirtshaussingen in Breitenbrunn. Zu hören war dabei ein musikalisches Genre, das fast ausgestorben ist. Bild: rlö
Mundart-Witz - die Zutaten stimmten und ergaben einen unbeschwerten Abend im Wirtshaus, ganz ohne Glotze, aber kein bisschen langweilig.

Sulzbach-Rosenberg. (rlö) Im Gasthaus Mutzbauer in Breitenbrunn hatten sich zum mittlerweile achten offenen Wirtshaus-Liedersingen der Tischgesellschaft "Edelweiß" wieder viele sangesfreudige Besucher eingefunden. Renate und Sepp Lösch eröffneten den Liederreigen mit der altbairischen Ballade vom "Holzknecht so stolz" und seinem amourösen Abenteuer mit einer Sennerin, gleich gefolgt vom Couplet-Duo "Sait'n-Klang" (Rita Butz und Hans Lier), deren Liedvorträge sich durch deftigen Wortwitz und viel Hintersinn auszeichnen. Immer wieder streuten sie an diesem Abend echte Raritäten aus dem Schatz der überlieferten Couplets und Wirtshausg'sangln ein. Sie pflegen damit ein volksmusikalisches Genre, das schon beinahe ausgestorben schien.

Sogar ins Mittelalter

Ein Volkslied-Klassiker ("Wem Gott will rechte Gunst erweisen") aus der Feder von Joseph Freiherr von Eichendorff leitete das allgemeine Singen ein, in das sich alle Gäste mit sichtlichem Vergnügen einklinkten. Der Vorsitzende der Tischgesellschaft Edelweiß Rosenberg, der durchs Programm führte, lud nach Liedern aus dem 19. und 18. Jahrhundert die Runde sogar ins Mittelalter ein. Die eindeutig zweideutige Moritat vom Mönchsbesuch im Nonnenkloster ließ keine Fragen offen.

Geschichtsunterricht gratis, und zwar zu den Türkenkriegen der Habsburger, gab es als Dreingabe zum Lied von "Prinz Eugen, dem edlen Ritter". Trotz des durchaus gewöhnungsbedürftigen Fünfvierteltakts nahmen die Wirtshaussänger mit instrumentaler Unterstützung durch die "Schlossbergmusi" diese neunstrophige Hürde locker.

Im zweiten Teil des Abends bewegte man sich gesanglich dann eher in heimischen Gefilden, ermunterte sich gegenseitig zum "Fein sein, beinander bleiben" oder beichtete: "Hob i meina Le'da koi Guat niat dou". Der "Oasiedl vo' Bog'n" und seine schmerzhafte Erfahrung mit einem Holz-Spreißel im Allerwertesten sorgte für Lachtränen. Als Rita Butz einige Male sogar zum Mitsingen in Kanonform einlud, war wohl mancher überrascht, wie auch so etwas ohne große Probenarbeit in einer zufällig zusammengewürfelten Sängerschar gut funktionieren kann.

Aus dem Raum Nürnberg

Zu schnell verflog die Zeit beim Singen und bei Mundart-Anekdoten, mit denen Hans Lier und Sepp Lösch das Programm würzten. Zwei Gäste aus dem Raum Nürnberg verabschiedeten sich wie die meisten mit dem Vorsatz. "Dou semma gwieß widda dabei as anner Joahr, owa wärgle!"
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