Gute Mischung

Dr. Hans Loelgen, Susanne Kirchner und Hermann Meiller (von links) gestalteten gemeinsam die "Schubertiade" auf Burg Wernberg und ernteten dafür großen Applaus. Bild: Tietz

Klaviermusik, Gesang und Gedichte verliehen der Schubertiade besonderen Charme. Nicht nur einige wenige, sondern eine ganze Menge zusätzlicher Stühle mussten in den Fürstensaal von Burg Wernberg geschafft werden, um die große Zahl erwartungsvoller Zuhörer im Raum unterzubringen.

Wernberg-Köblitz. Das Kulturforum Wernberg-Köblitz hatte zum Musik- und Literaturabend geladen. Seit 2006 moderiert Dr. Hans Loelgen jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit eine solche Veranstaltung in Erinnerung an einen Komponisten und seine Epoche. Heuer bezogen sich die Beiträge auf einen berühmten Wiener Komponisten und sein Umfeld. Immerhin hatte der von seinen Freunden als "heiter und liebenswürdig" bezeichnete Franz Schubert selbst "Schubertiaden" veranstaltet, in denen er und sein Freundeskreis sich Musikstücke und Texte ihres Geschmacks zwischen gepflegter Unterhaltung gönnten. Möglicherweise gabs auch was zu trinken.

Entspannt genießen

Wenn jetzt drei ambitionierte Musikbegeisterte solche Gedanken wieder verwirklichten - Getränke gab es allerdings nur in der Pause - belebten sie eine schöne Idee neu. Der Musikgenuss ist entspannter, als in einem üblichen Konzert, ferner rückt die behandelte Epoche viel näher an die Hörer heran, da sie nicht nur abstrakt in Klängen, sondern auch konkret in Worten dargestellt wird. Wenn dabei ironische wie tragische Aussagen die musikalischen Gedanken erweitern, ergibt sich ein Spektrum von Hörerlebnissen, die ein Konzert und einen Literaturabend ideal miteinander verknüpfen.

Am Klavier saß Dr. Hans Loelgen und spielte etliche der einsätzigen Klavierwerke Schuberts, die wegweisend wurden für die weitere Entwicklung der Klavierliteratur. So "Impromptu" oder "Moment musicaux", "Ländler" und "Deutsche Tänze". Feinsinnig gestaltete er die musikalischen Aussagen. Dazwischen gab Hermann Meiller mit ausdrucksvoller Stimme erst einige Aphorismen von Johann Nestroy zum Besten, so etwa "friss dich satt" oder "still schleicht das Schicksal". Er blieb ernst, das Publikum nicht.

Es folgte Poesie von Carl Spitzweg, der als Maler berühmter wurde, denn als Dichter. Immerhin zeigt sein Gedicht "Das kranke Herz", dass es schon damals schwierig war, einen Doktor zu finden, der hilft. Zwei traurige Gedichte aus den "Kindertotenliedern" von Friedrich Rückert setzten die Programmfolge fort.

Glockenhelle Stimme

Susanne Kirchner, die Tochter von Dr. Loelgen, sang mit feiner, glockenreiner Stimme etliche Schubert-Lieder, so "Ungeduld" und "Heideröslein", ferner "Wanderers Nachtlied". Darin schilderte sie überzeugend den Zustand der Unzufriedenheit ebenso wie der inneren Ruhe. Auch den Schlussgesang "Hört ihr wie die Engel singen" von Felix Mendelssohn-Bartholdy sang sie, diesmal im Duett mit Hermann Meiller, und erntete damit soviel Beifall, dass noch Zugaben folgten.

Sie wurde szenisch ausgestaltet, wodurch das Handeln des Knaben gegenüber dem Röslein eine besondere Note erhielt. Der lachende Beifall zeigte, wie gut diese Darstellung ankam.
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