Gutes Auskommen

Maurus Fuchs (1771-1848) war ein genialer Kirchenmaler aus der Oberpfalz. Einer der größten Söhne, welche die Stadt Tirschenreuth hervorgebracht hat. Nur schade, dass dies kaum einer weiß.

Keine Straße erinnert in seiner Heimatstadt an sein Wirken. Keine Tafel weist auf sein Grab oder sein Geburtshaus hin. Maurus Fuchs ist gut eineinhalb Jahrhunderte nach seinem Tod in Vergessenheit geraten. Nur wenige Eingeweihte kennen überhaupt seinen Namen, noch weniger wissen sein Schaffen einzuordnen.

Zu ihnen gehört Dr. Wolf-Dieter Hamperl. Der rastlos forschende Chefarzt im Ruhestand entdeckte vor einigen Jahren in Speierling im früheren Egerland ein bislang unbekanntes Werk von Maurus Fuchs und begann, sich für den Künstler zu interessieren. Dr. Hamperl stellte erstaunt fest, wie viele Gotteshäuser dieser Maurus Fuchs ausgestaltet hat. Und wie künstlerisch anspruchsvoll der Kirchen-, Kunst- und Krippenmaler zu Werke ging. Zusammen mit der Weidener Fotografin Karin Wilck unternahm er mehrere Exkursionen, die in auch in entlegene Ecken der Oberpfalz und Böhmens führten, um das Lebenswerk des Künstlers zu erforschen. Nicht überall waren die kunsthistorisch Interessierten willkommen ...

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Trotzdem kamen bei den Fahrten so viele faszinierende Fotos von Werken dieses Maurus Fuchs zusammen, dass sich damit problemlos ein ganzer Bildband füllen ließ. Maurus Fuchs hatte - im Gegensatz zu vielen Kollegen - schon zu Lebzeiten ein recht gutes Auskommen. Er war, wie man heute sagen würde, dick im Geschäft. Mit Abt Karl Reitenberger vom Kloster Tepl hatte er einen großen Anhänger seiner Kunst, der ihm nicht nur zahlreiche Aufträge im Kloster zukommen ließ, sondern ihm auch viele andere Türen öffnete.

Sogar im aufstrebenden Kurort Marienbad durfte der Oberpfälzer tätig werden. "Leider ist das Kunstwerk dort nicht mehr erhalten. Beim Neubau des Brunnentempels wurde es zerstört", bedauert Dr. Hamperl. Sein Interesse für Maurus Fuchs kommt nicht von ungefähr. Dr. Hamperl hat 1943 in Zummern im Kreis Tachau im damaligen Egerland das Licht der Welt erblickt. Nach der Vertreibung kam er nach Waidhaus, besuchte in Weiden das Humanistische Gymnasium, studierte in München Medizin.

Durch seinen Beruf - er leitete bis zu seinem Ruhestand die Abteilung für Allgemein- und Bauchchirurgie an der Kreisklinik in Trostberg - landete er in Altenmark an der Alz, wo er heute mit seiner Familie lebt. Seit 2008 ist er im Ruhestand und hat endlich mehr Zeit für kunstgeschichtliche und historische Recherchen in der alten Heimat, die ihn seit jeher faszinieren. "Maurus Fuchs war ein Zeitgenosse des berühmten Tirschenreuther Sprach- und Mundartforschers Johann Andreas Schmeller. Ich gehe fest davon aus, dass sich die beiden persönlich gekannt haben", mutmaßt Dr. Hamperl.

Doch während Schmeller seine Heimatstadt früh verließ und heute sehr bekannt ist, hielt Maurus Fuchs der Region die Treue und ist heute fast vergessen. Selbst eine Gedenktafel an der Friedhofskirche, die ihm gewidmet war, ist bei einer Sanierung spurlos verschwunden.

Dr. Hamperl konnte bei den Recherchen für sein Buch auf 17 erhaltene Briefe zurückgreifen, die der Oberpfälzer verfasst hat. Maurus Fuchs äußert sich darin nicht nur zu seinen Einsatzorten und zu den Kunstwerken, an denen er gerade arbeitet, auch mit Kritik an Auftraggebern oder der Geistlichkeit hält er nicht hinter dem Berg, wenn er sich oder seine Kunst missverstanden fühlte. Zudem ist bei den Arbeiten für das Buch auch das Testament des Tirschenreuthers aufgetaucht. Maurus Fuchs starb kinderlos, das kleine Vermögen, das er sich erarbeitet hatte, vererbte er zum Großteil den fünf Kindern seines verstorbenen Bruders Paul Josef Fuchs.

Das Talent wurde Maurus Fuchs schon in die Wiege gelegt. Nicht nur der Vater war Maler, auch der Großvater und der Urgroßvater schwangen den Pinsel. Die Familiengeschichte führt nach Neustadt a. d. Waldnaab. Dort hat Urgroßvater Simon Fux gelebt. Sein Sohn Christoph Heinrich verlegte dann den Wohnsitz nach Tirschenreuth und ehelichte dort die Bäckerstochter Anna Maria Pfreimbter. Aus dieser Verbindung ging Vitus Fuchs hervor, der Vater des Malers, bei dem Maurus zeitweise in die Lehre ging und mit dem er anfangs auch Aufträge gemeinsam erledigte.

Seine bedeutendsten Werke schuf Maurus Fuchs zwischen 1813 und 1830 im Stift Tepl. Der umtriebige Abt Karl Kaspar Reitenberger ließ damals Räume des Stifts für repräsentative Zwecke umgestalten. In Fuchs, der im Zenit seines Könnens angelangt war, fand er genau den Künstler, den er für seine ehrgeizigen Pläne brauchte. Viele ungewöhnliche Bilder sind aus dieser Zeit erhalten, darunter das Letzte Abendmahl mit dem Selbstbildnis von Maurus Fuchs im Refektorium, die Befreiung des Apostels Petrus aus dem Gefängnis, die Befreiung des heiligen Paulus, die Malereien in der Abtwohnung sowie die großen Wand-und Deckengemälde im Blauen Saal des Klosters. "Leider sind die Bilder in einem sehr schlechten Zustand", berichtet Dr. Hamperl.

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Sehr humorvoll

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Als der vielen zu fortschrittliche Abt Reitenberger nach Wilten bei Innsbruck verbannt wurde, kehrte auch Maurus Fuchs Tepl den Rücken und verlagerte 1827 seinen künstlerischen Schwerpunkt nach Tachau (Tachov). Später kehrte er wieder ganz nach Tirschenreuth zurück, wo er 1848 starb.

Hinterlassen hat Fuchs riesige Wand- und Deckenmalereien, große Hochaltarbilder, kleine Blätter für Seitenaltäre, Kanzeln, Beicht-stühle und Chorbrüstungen sowie viele Kreuzwege, denen, zumeist auf Blech gemalt, seine besondere Vorliebe galt. Aber auch einige weltliche Porträts sind mittlerweile aufgetaucht. Gemeinsam sind diesen Werken die ausdrucksstarken, beseelten Gesichter. Zudem finden sich immer wieder Metallgegenstände auf den Bildern, in deren Darstellung Maurus Fuchs regelrecht vernarrt war. Typisch für ihn sind auch Tiere, die mit menschlichen Augen den Betrachter ansehen und zeigen, wie humorvoll und selbstbewusst dieser Oberpfälzer Künstler zu Werke ging.

Kunstwerke von ihm sind in der Oberpfalz unter anderem in der Steinbergkirche bei Bärnau, in den Pfarrkirchen in Beidl, Griesbach, Münchenreuth, Schwarzenbach, Hohenthan und Wondreb, in der Kirche in Marchaney, im Pfarrhof und im Museums-Quartier in Tirschenreuth, in der Kreuzbergkirche in Wiesau sowie der Großen Kappl bei Waldsassen zu sehen.
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