Haarspray in den Ähren

Stunde um Stunde, Tag für Tag flochten die Frauen die Erntekrone für die Pfarrkirche St. Martin. Vorne, von links, Anne Braun, Lea Irlbacher, Lisa Gruber. Hinten, von links, Ulrike Duschner, Lisa Hösl, Petra Irlbacher und Maria Lehner. Das knapp 80 Kilogramm schwere Prachtstück hängt seit Donnerstag über dem Volksaltar und wird am Erntesonntag zu Beginn des Gottesdienstes gesegnet.

Der Frauenbund-Vorsitzenden schwirrte der Gedanke schon seit drei Jahren im Kopf herum. Heuer sprach Maria Lehnert dann die Landfrauen aus Luhe und Umgebung an und bat um Hilfe beim Flechten einer Erntekrone für die barocke Pfarrkirche St. Martin.

Erwartungsgemäß stieß sie auf offene Ohren, besonders bei der Familie von Johann Kick aus Meisthof, deren Garage ruckzuck in eine Flechtwerkstatt umgewandelt wurde. Zunächst bekam der Hofbesitzer den Auftrag, das Rohgestell für die immerhin 1,70 Meter hohe und und rund einem Meter im Durchmesser große Krone zu bauen. Landwirt Johann Kick bog und schweißte das Metall, das er noch mit Isoliermaterial für Heizungsrohre umwickelte.

Mit Sense, Sichel und Schere ausgerüstet waren die Landfrauen schon im Juni aufs Feld gegangen und hatten rechtzeitig Gerste geerntet. "Drei bis vier Schubkarren voll haben wir schon gebraucht", erklärte Bäuerin Barbara Kick, die für ihre Flechtkünste bekannt ist. Nachmittags drei Stunden und manchmal auch am Abend nach der Stallarbeit halfen die Frauen zusammen, schnitten die Halme maßgerecht und reichten kleine Büschel zum Binden. 15 Frauen haben sich bei der Arbeit abgewechselt.

Triticale, eine Getreidekreuzung, holten die Landfrauen für den zweiten Bogen, Weizen und Hafer für die beiden anderen. Die Bögen laufen unter einem Kreuz zusammen, das abnehmbar ist. Dieses ist in der Mitte mit veredelter Schafgarbe in Gelb (einer Kirchenfarbe) und Strahlen aus Gerste gestaltet. Festigkeit und Stand erhalten die Ähren zum Abschluss mit einer tüchtigen Portion Haarspray - ein kleiner Geheimtipp.

"Sinnbildlich bedeutet die Krone, dass Jesus Christus über allem steht", erklärt Pfarrer Arnold Pirner, der sich natürlich freute, dass die Pfarrkirche so einen schönen Schmuck zum Erntedankfest erhält. Die einzelnen Bögen, erläuterte er, stünden für die Hoffnung auf eine gute Ernte, für den Glauben - "der Bauer glaubt an seine Arbeit", für die Sorge - "der Bauer sorgt sich um die Ernte" und für den Dank - "der Bauer ist dankbar für seine Ernte". Und schließlich stünde die Krone auch für Christus mit der Dornenkrone und für die Herrschaft, erklärte der Seelsorger.
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