Halloween als Konkurrenz für dem Reformationstag
Gebet trifft auf Grusel

Am 31. Oktober treffen zwei Welten aufeinander: Die evangelischen Christen feiern den Reformationstag, an dem Martin Luther (links) 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat. Am gleichen Tag ist auch Halloween, dafür verkleiden sich viele Kinder. Bild: dpa

Am 31. Oktober feiern die evangelischen Christen Reformationstag. Der ist in vielen Köpfen aber nicht mehr präsent - er hat starke Konkurrenz bekommen.

Eschenbach/Grafenwöhr/Kemnath. (esc/rgr) Vor knapp 500 Jahren machte Martin Luther auf Missstände in der Kirche aufmerksam. Daran denken evangelische Christen am 31. Oktober. Für andere ist dieser Tag zum Gruseln: Horror-Fans feiern da Halloween. Eine Angelegenheit, über die viele Geistliche grübeln.

"Das große Problem ist, dass der Reformationstag 'hinten runter kippt'", sagt Pfarrer Dirk Grafe. Zwar sei er in Wirbenz in einem relativ kleinen Ort, in dem der Hype um Halloween in den vergangenen Jahren wieder zurückgedrängt worden sei. Andererseits sei das Gruselspektakel auch wieder am Vormarsch - "auch durch die Medien". Des Weiteren sei die Wirtschaft nicht unschuldig am Rummel: "Das geht ja schon seit Wochen. Wenn man die Prospekte anschaut, sind überall Naschereien und Kostüme drin." Der Brauch ist aus Amerika "rüber geschwappt - für die Wirtschaft ein gefundenes Fressen".

"Kindern Spaß lassen"

In Zusammenhang mit Halloween spricht Grafe "die Angst vor der unsäglichen Flüchtlingskrise" an. Wenn es heiße "Wir haben Angst ums christliche Abendland", dann "nicht, weil Flüchtlinge kommen", sagt er. "Was hat sich nicht schon alles bei uns eingeschlichen, das nichts mit unserer christlichen Tradition zu tun hat?" Der Reformationstag sei für die evangelischen Christen - wie für die Katholiken Allerheiligen - ein "Tag des Nachdenkens". Jeder Einzelne solle sich überlegen, welche Bedeutung diese Tage für einen haben. Luther habe mit dem Anschlag seiner Thesen Missstände korrigieren wollen - "das ist auch heute noch unsere Aufgabe", betont Grafe. Evangelische Christen sollten sich die Fragen stellen: Was muss ich in meinem Leben korrigieren? Mit dem amerikanischen Brauch würden auch stille Tage zurückgedrängt.

Pfarrerin Cornelia Kraft sieht das ein bisschen lockerer: "Eine gewisse Spannung gibt es schon, aber deswegen kann man den Kindern trotzdem ihren Spaß lassen", sagt die Geistliche, die für die evangelische Gemeinde Neusorg zuständig ist. "Trotzdem kann und soll man darauf hinweisen, dass Reformationstag ist." Zwischen ihm und Halloween sieht sie durchaus Parallelen: Der Reformationstag sei schließlich "auch etwas Schönes", Luther habe außerdem den Leuten die Angst vor bösen Geistern oder auch vor Gott genommen. "Man kann da auch eine Verbindung herstellen", meint Kraft.

So lange Kinder sich verkleiden und um die Häuser ziehen, sei das okay, "die haben meistens auch keine Angst, sondern Spaß". Sie selbst verkleidet sich nicht und geht auch nicht von Haus zu Haus. "Die Leute wissen nicht mehr, welcher Tag das ist", sagt sie mit Blick auf den evangelischen Feiertag. "Deswegen weisen wir im Gottesdienst auch darauf hin." Der 500. Jahrestag der Reformation 2017 werde speziell mit vielen Veranstaltungen - "dann wird er auch mehr in der Gesellschaft sein".

"Gut für die Wirtschaft"

"Halloween ist gut für die Wirtschaft, denn der Gruselkram lässt sich bestens verkaufen", sagt Pfarrer Dr. André Fischer. "Meiner Meinung nach ist diese 6. Jahreszeit eine Modeerscheinung und es ist schade, wenn das die eigene Kultur und Tradition verdrängt." Für den Geistlichen, der vergangenes Wochenende für die Pfarrei Grafenwöhr/Pressath installiert wurde (wir berichteten), steht fest: "Wir können nur immer wieder erklären, was wir feiern und warum wir Christen sind." In diesem Bewusstsein der Religion "brauchen wir auch in Bezug auf die Flüchtlinge und den Islam keine Angst vor einer fremden Religion haben", erklärt Pfarrer Fischer weiter.

"Ich erlebe das nicht wirklich als Konkurrenzverhältnis", sagt Pfarrerin Anne Utz. "Den Grundgedanken der Reformation kann man das ganze Jahr feiern." Für die Geistliche der evangelischen Kirchengemeinde Eschenbach und Kirchenthumbach sei eher die Frage wichtig, warum jemand Halloween feiert. Halloween sei zwar da, aber das sei kein Problem. Es gehe um die Erfahrung, dass Gott einer ist, der uns liebt - "das mache ich an keinem bestimmten Tag fest". 2017 sei der Tag dann wahrscheinlich mehr in den Köpfen, "weil es ein Feiertag ist".
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