Hans Bäumlers fesselnder Vortrag über den Ehrenbürger Michael Sir
Wernbergs Vorzeige-Politiker

Eines der beim Vortrag des Kulturforums gezeigten Bilder: Das Sir-Haus.
Wernberg-Köblitz. Im Landgasthof Burkhard begeisterte Hans Bäumler die Zuhörer mit einem kurzweiligen, aber auch interessanten und spannenden Vortrag über den Ehrenbürger Michael Sir und seine Zeit von 1862 bis 1937. Viele Bilder und Dokumente veranschaulichten beim Vortragsabend die kleine und große Politik.

Michael Sir, Vater von 14 Kindern, war ein erfolgreicher Geschäftsmann und Politiker, Gründungsmitglied vieler Vereine und selbst Vorsitzender von 12 Gruppierungen. An Michael Sir, der über 40 Jahre die Geschicke des Marktes Wernberg und darüber hinaus entscheidend prägte, erinnert nur noch die kleine Sir-Gasse hinauf zum Galgenberg.

Die Zeit, in der Michael Sir öffentliche Funktionen übernahm, war eine Zeit tiefer Depression in der Landwirtschaft, eine Zeit, in der jede Missernte oder Viehseuche die Gefahr einer Wirtschaftskrise bot. Diese massive Krise führte zu einer Politisierung der Landbevölkerung.

Michael Sir selbst bezeichnete sich stets als Ökonom, Kaufmann und Landwirt. In den Erinnerungen alter Wernberger wird dem Politiker noch alte Vornehmheit zugesprochen. Er redete Leute meistens in der dritten Person an. Seine Lebensspanne reichte von der Zeit vor der Eisenbahn über den ersten Weltkrieg, die Inflationszeit der Weimarer Republik bis in die Umwälzungen des "Dritten Reiches".

Sir war Ende des 19. Jahrhunderts bereits Bürgermeister, dann um die Jahrhundertwende Landtagsabgeordneter in München und Anfang des 20. Jahrhunderts Reichstagsabgeordneter in Berlin. In der Zeit der Weimarer Republik bestimmte er als Vorsitzender des Kreistages Nabburg die heimatlichen Geschicke bis zu den Umwälzungen mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Hans Bäumler schilderte faszinierend, wie Sir seine vielen parallelen Aktivitäten in Einklang bringen konnte. Es war ihm wohl nur möglich durch eine starke Frau an seiner Seite. Michael Sir starb am 5. Juli 1937. Sein Grab auf dem Wernberger Friedhof ist heute nicht mehr erkennbar. Es wurde zwischenzeitig aufgelöst.
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