Harry-Potter-Tour: Täglich Tausende Touristen im Warner-Bros.-Studio bei London
Magische Welt voller Muggel

Einst flanierte Harry Potter durch die Winkelgasse, kaufte sich einen Zauberstab und bekam von Hagrid die Eule Hedwig geschenkt. Heute ist die Straße von Muggel belagert.

Überall Muggel. Sie flanieren durch die Winkelgasse und knipsen Bilder von der Zaubererbank Gringotts. Im Fuchsbau der Weasleys bewundern die Nichtmagier selbststrickende Nadeln. Sogar in Dumbledores Büro tummeln sich Dutzende Möchtegern-Magier.

Egal ob im Gemeinschaftsraum von Gryffindor, im Klassenzimmer für Zaubertrank-Unterricht oder in Hagrids Hütte - weit und breit keine Zauberer und Hexen. Dafür Dutzende Kinder von Nichtmagiern mit Umhängen und Hüten ausgerüstet, die normalerweise nicht für Muggel bestimmt sind. Vielleicht sitzt irgendwo Albus Dumbledore und zerbricht sich den Kopf über die Situation.

Ganz anders wird es den Warner-Bros.-Studio-Betreibern gehen. Denn sie wissen, dass die Harry-Potter-Welt die Menschen magisch anzieht. Nachdem vor über drei Jahren der letzte Teil der Film-Reihe (die erfolgreichste aller Zeiten) über die Kinoleinwände flimmerte, hatten die Original-Sets ausgedient. Zumindest was das Drehen betrifft.

Am 31. März 2012 machte das Studio, das 32 Kilometer vom Londoner Stadtzentrum entfernt liegt, den Ort für Touristen zugänglich. Seitdem strömen täglich Tausende Harry-Potter-Begeisterte dorthin. Sie wollen sich die besondere Art des Making-ofs nicht entgehen lassen. Die Tour startet mit Video-Einspielungen in einem Kinosaal.

Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint sprechen über die rund zehn Jahre, in denen sie Harry Potter, Hermine Granger und Ron Weasley verkörperten. Figuren, die wohl das ganze Schauspieler-Leben an den Akteuren haften bleiben. Nach der Vorführung hebt sich die Leinwand und die Besucher betreten das Harry-Potter-Universum. Sie erblicken die große Halle. Der Ort, an dem bekannte Filmszenen entstanden. Etwa als der sprechende Hut (der in Wahrheit keinen Mucks von sich gibt) Harry Potters Wunsch erhörte, und ihn dem Haus Gryffindor zuwies. Oder die Sequenz, in der eine Armada von Eulen Post an die Magier-Lehrlinge verteilt.

Auf den überdimensional langen Tischen stehen die Cornflakes echter Magier: Cherri Owls und Pixie Puffs. Es sind solche Details, in denen sich die Besucher verlieren können. Sie erfahren Dutzende Anekdoten. Zum Beispiel den Grund, wieso Harry und Ron in den letzten Filmen nur noch auf ihren Betten im Jungen-Schlafzimmer sitzen. Die Möbel sind irgendwann zu klein für die Schauspieler geworden.

Auf einem Tisch liegt die Karte des Rumtreibers. Eine Mitarbeiterin erklärt, dass im Film sechs Exemplare zum Einsatz kamen. Sie verrät, wie die bewegten Bilder im Tagespropheten (die bedeutendste Tageszeitung in der Magischen Welt) entstehen. Im Fuchsbau der Weasleys sind selbststrickende Nadeln und selbstschneidende Messer zu sehen. Ein Bügeleisen arbeitet wie von Zauberhand.

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Auf Besen durch London

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Aufgrund der zahlreichen originalen Kostüme und Requisiten lässt sich das Studio getrost als gigantisches Harry-Potter-Museum bezeichnen. Eines mit interaktivem Charakter. Kinder haben die Möglichkeit, auf einem Besen durch die Winkelgasse und London zu sausen. Sie düsen vorbei am Big Ben und strecken ihre Hände lässig in die Themse. Der Greenscreen macht's möglich. Mithilfe von Kameras und digitaler Technik kann die grüne Farbe der Leinwand durch jeden beliebigen Hintergrund ersetzt werden. Experten für Spezialeffekte lassen ein computergeneriertes Set entstehen.

Nicht alles lässt sich aber digital lösen. Hagrids Hütte mussten Arbeiter zweimal bauen. Eine größere Version, in der der Halbriese größer wirkt und eine kleinere, in der Harry, Ron und Hermine kleiner erscheinen.

Das Studio erkunden die Besucher größtenteils auf eigene Faust. Die Tour ist innerhalb von zwei Stunden zu schaffen. Um sich mit all den Details aus dem Harry-Potter-Universum zu beschäftigen, reicht aber wahrscheinlich nicht einmal ein ganzer Tag.

Der Run auf das Studio wird in den nächsten Jahren wohl kaum nachlassen. Das einzige, was die Muggel vom magischen Ort vertreiben könnte, ist das zu sehr nach Chemie mundende Butterbier, das es zu kaufen gibt. Vielleicht hat es ja Albus Dumbledore verzaubert. Sozusagen als erste Maßnahme gegen die Muggelinvasion.

Egal ob im Gemeinschaftsraum von Gryffindor, im Klassenzimmer für Zaubertrank-Unterricht oder in Hagrids Hütte - weit und breit keine Zauberer und Hexen. Dafür Dutzende Kinder von Nichtmagiern mit Umhängen und Hüten ausgerüstet. Täglich besuchen Tausende Touristen die Harry-Potter-Tour im Warner-Bros.-Studio bei London.


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Weitere Informationen im Internet:

http://www.wbstudiotour.co.uk/de/

Britisches Fremdenverkehrsamt
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