Hausaufgabenhilfe: Die Fragen eines Flüchtlingsbuben

Integration hat viele Gesichter - ob beim Fasching in Großenfalz oder bei der Hausaufgabenhilfe in Amberg. "Gib an, ob man bei folgenden Aufgaben mit direkter Proportionalität oder umgekehrter Proportionalität rechnen kann oder ob keine Proportionalität vorliegt." Silke Kreuzer muss selbst erst einmal Worte im Deutschen finden, um Mohammad (12) die Mathematikaufgabe zu erklären. Der Realschüler, der in Afghanistan geboren ist, will unbedingt zu den Guten in seiner Klasse gehören. Der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe unterstützt ihn dabei. "Der Bub steht auf dem Scheideweg", berichtet Kreuzer. "Er ist sehr intelligent und ehrgeizig. Er will unbedingt einen gut bezahlten Beruf ergreifen, um sich und seiner Familie später mal ein gutes Leben zu ermöglichen." Bei der jüngsten Nachhilfestunde stand zwar Mathematik im Fokus, doch Mohammad treiben ganz andere - für einen Zwölfjährigen eher ungewöhnliche - Fragen um. "Warum trinken Christen Alkohol, wenn sie wissen, dass er ihnen nicht gut tut? Wieviel Geld verdient ein Lehrer? Wie lange muss ich studieren, um Rechtsanwalt zu werden?", möchte er wissen. "Was kostet es, ein Haus zu bauen?" Silke Kreuzer ist beeindruckt von dem Buben. "Er hat immer das große Ganze im Blick. Es sind Existenzfragen, mit denen er sich beschäftigt. Für die Ehrenamtliche sind solche Erfahrungen Beleg dafür, dass sich ihre Arbeit lohnt. "Dieses Kind will unbedingt deutsch werden. Deutscher noch wahrscheinlich als viele Einheimische. Wir sollten ihn dabei unterstützen." (upl)
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