Hege aus der Ferne

Dieser Hochsitz steht im Dürnaster Jagdrevier. Von ihm aus legen ab April zwei Jäger aus dem Landkreis Haßberge auf Wildschweine und Hirsche an. Sie sind zuversichtlich, die Betreuung der 1000 Hektar zu stemmen und den Abschussplan zu erfüllen. Bild: bk

In Jägerkreisen ist das fast so, als ob ein Monarch abtritt. 53 Jahre bejagte Christian Seltmann das Dürnaster Revier. Ende März gibt er es ab. Seine Nachfolgepächter kommen aus Unterfranken. Dass sie zum Zug kamen, hat einen besonderen Grund.

Für Jagdvorsteher Ludwig Kummer und die 62 Jagdgenossen war entscheidend, dass die neuen Pächter Horst Kneuer und Udo Hein bereit sind, neben der jährlichen Pacht von sechs Euro pro Hektar auch sämtliche Wildschäden zu übernehmen.

Kein regionales Interesse

Dass das nicht selbstverständlich ist, hatte die Ausschreibung des 100-Hektar-Areals gezeigt. Die Dürnaster Grundeigentümer hatten in der Fachzeitschrift "Jagd in Bayern" inseriert. Interessenten aus der Region haben sich keine gemeldet. "Der nächste kam aus Neumarkt, aber Knauer und Hein haben das bessere Angebot gemacht." Eben die Übernahme der Wildschäden.

"Größere Sachen hat es noch nicht gegeben, aber die Tendenz ist in den letzten zwei Jahren steigend", erklärt Kummer. Wildschweine fühlen sich im Revier wohl. Maisfelder und angesäte Äcker bedeuten einen reich gedeckten Tisch. Auch das Rotwildvorkommen (Hirsche) ist beachtlich.

Genau das gab den Ausschlag, warum sich die beiden Waidmänner aus Hofheim im Landkreis Haßberge für das 150 Kilometer entfernte Revier entschieden haben. "Es ist alles da. Jeder von uns hat schon ein Revier bei uns zu Hause, aber das ist nicht so interessant, weil es ein Niederwildrevier ist", sagt Udo Hein.

Die Dürnaster Jagd aus der Ferne zu betreuen, ist für Hein und seinen Freund kein Neuland. "Wir haben auch schon mal sieben Jahre in Cottbus gejagt." Zudem gehen beide in drei bis vier Jahren in Rente. "Dann haben wir mehr Zeit. Und unsere Söhne und ein Schwiegersohn sind wie wir leidenschaftliche Wildschweinjäger."

Bekannte aus Unterfranken

Überdies haben die Unterfranken in der Region Bekannte, die auch mal ein Auge aufs Revier werfen könnten. Hein ist Vertreter für Tierarzneimittel und von daher öfter in der Oberpfalz. Kneuer arbeitet als Geschäftsführer eines Automobilzulieferers mit über 400 Mitarbeitern.

Vielleicht war deswegen in der Jagdversammlung der Draht zu Vorpächter Christian Seltmann schnell da. Der fast 80-Jährige hätte gerne ein 265 Hektar großes Filetstück des Riesenreviers zwischen Truppenübungsplatz, Röthenbach, Tanzfleck und der B 299 behalten, doch die Jagdgenossen wollten lieber in einem Stück verpachten. Die Unterfranken griffen zu und boten Seltmann noch in der Jagdversammlung an, mit rauszugehen.
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