Heile Welt

Idyllisch eingebettet liegt das Dorf Woppenrieth. Zusammenhalt wird hier großgeschrieben. Bild: hfz
 
Attraktion der Rosswampen-Kirwa ist am Sonntag der Bandltanz der Kirwapaare auf dem Dorfplatz. Bild: es

Ein heißer Sommertag neigt sich dem Ende zu. Vom Turm der St.-Emmerams-Kirche hört man das Gebetsläuten. In Woppenrieth, einem Dorf an der B 22, kehrt Ruhe ein. Nur die Kirwapaare proben noch für ihre Auftritte an der Rosswampen-Kirchweih, ehe einige von ihnen noch beim Wirt vorbeischauen.

Tännesberg. (es) Seit der Gemeindegebietsreform gehört Woppenrieth zum Markt Tännesberg, davor zu Döllnitz. Im Vorjahr hatte sich der Ort für das 125-jährige Jubiläum der Feuerwehr herausgeputzt. Ein Haus ist schmucker als das andere.

Das Dorf zählt 47 Einwohner, im Normalfall nichts Außergewöhnliches. Doch 20 von ihnen sind unter 18 Jahre alt - ein Trend gegen den demografischen Wandel. "Hier wachsen die Kinder miteinander auf. Jeder geht zum Spielen zum anderen. Jeder kennt jeden und geht auf den anderen zu", schätzt Andrea Uschold nach ihrer Heirat mit ihrem Mann Martin die kinderreiche Dorfgemeinschaft. Kerstin Heuberger hat es noch nie bereut, mit ihrem Mann Johannes, einem Neffen der Familie Heuberger, nach Woppenrieth gezogen zu sein. Es stört sie nicht, dass es keine Geschäfte wie in Moosbach gibt. "Ich würde alles wieder so machen, wie es ist", sagt die siebenfache Mutter voller Überzeugung. "Das ist manchmal zwar anstrengend, aber auch sehr schön. Es kommt soviel zurück", freut sie sich.

Ihr Mann und sie wurden von allen von Anfang an gut aufgenommen. "Wir sind aber auch auf die anderen zugegangen. Längst sind wir Mitglieder in der Feuerwehr und haben auch schon Leistungsprüfungen hinter uns." Woppenrieth sei ein kinderfreundliches Dorf. Hier werde niemand ausgegrenzt. Für Heuberger gibt es nichts Schöneres, um im gleichen Atemzug auf die beispielhafte Hilfsbereitschaft hinzuweisen, die ihre Familie beim Wohnungsbrand im Vorjahr erlebte. "In Woppenrieth ist heile Welt", ist sie sich sicher.

Schlagkräftige Feuerwehr

Der Ort mit acht Häusern hat die kleinste Feuerwehr im Landkreis Neustadt, obwohl der Fortbestand in den 70er Jahren in Frage stand. Der "Luck", wie Ludwig Kindl genannt wird, übernahm das Kommando, motivierte mit neuen Ideen und führte die Wehr mit kaum für möglich gehaltenen Aktionen zu neuer Blüte. Inzwischen ist sogar die Jugendfeuerwehr wieder aktiv. Woppenrieth ist ohne die Feuerwehr nicht vorstellbar. Den Ehrenvorstand freut es, dass mit Manfred Zitzmann ein tüchtiger Nachfolger an der Spitze der Wehr steht, die ihre Schlagkraft beim 125-jährigen Jubiläum 2014 eindrucksvoll bewiesen hat.

Donnerstags Stammtisch

Die Woppenriether wissen es zu schätzen, dass sie noch ein Wirtshaus haben. Der Andreas, eins der sieben Wirtskinder, macht es gerne. Ans Aufhören dachte er noch nie. "Dou kannt er wos dalem", droht Helmut Bamler senior beim Donnerstags-Stammtisch. Diesen Zusammenhalt schätzte auch Weihbischof Karl Flügel, als er bei seinem ersten Urlaub in der Pension Bauer 1978 ins Gästebuch schrieb: "Echte Gastfreundschaft, mütterliche Sorge der Wirtsleute, fromme, fleißige Dorfgemeinschaft."

Das trifft auch heute noch zu. "Kinder und Familie und nicht das Geld stehen bei uns im Vordergrund, im ganzen Pfreimdtal", unterstreicht der Wirt.
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