Heilende Wirkung besonders für Frauen
Der "Frauadooch" und die Kräuterbüschl

Die Kräuterbüschl sind regional unterschiedlich zusammengesetzt. Manchmal gleichen sie eher Blumensträußen. Bild: NT-Archiv
Das Fest Mariä Himmfelfahrt gilt als einer der großen Marienfeiertage und heißt im Volksmund "Frauadooch". Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel gilt erst seit 1950 als Dogma. Tausende von Gläubigen zieht es an diesem Tag zum "Frauenkräutltag" nach Stadlern. Nach altem Brauch werden auch hier Kräuterbüschl gesegnet. Entsprechende Segensformeln sind schon aus dem 10. Jahrhundert bekannt. Das kranke Vieh erhielt einst einige getrocknete Kräuter des Büschls unter das Futter gemischt, doch auch den kranken Menschen sollten sie helfen, meist als Tee aufgebrüht.

Wurmfarn und Baldrian

Die Zusammensetzung des Kräuterbüschls ist allerdings regional verschieden, ebenso wie die Anzahl der dort vorhandenen Kräuter. Beachtlich ist die große Anteil sogenannter heilsamer Frauenkräuter. Den beruhigenden Baldrian etwa mögen auch die Katzen gerne, weshalb es in der Oberpfalz von einer aufgeregten Frau heißt, sie sei auf etwas "narisch wej ã Katz àf 'n Baldrian". In den Oberpfälzer Kräuterbuschn gehört der Wurmfarn, auch "Wildwurz" genannt. Die Wurzel des Wurmfarns wurde als Mittel gegen Bandwürmer genommen. Da die Wirkstoffe des Farns auch abortativ wirken, hat die Obrigkeit das Sammeln dieses Krauts im 17. Jahrhundert verboten.

Zur Pflanzenfamilie der Flechten gehört das sogenannte Lungenkraut, das ebenfalls im Kräuterbuschen seinen Platz finden soll. Es wird bereits in einer uralten Regensburger Apothekerordnung erwähnt. Sein Name stammt von seinem Einsatz gegen die früher häufig verbreitete Tuberkolose, die Lungenschwindsucht. Tatsächlich wirken Flechteninhaltsstoffe des Lungenmooses oder des Baumlungenkrauts, wie weitere Beinamen der Lungenkrauts heißen, antibakteriell.

Die gleiche antibakterielle Wirkung sollte auch der Wermut besitzen, der mit seinem bitteren Geschmack an Wegrändern wächst. Noch Anfangs des 20. Jahrhunderts war der Wermut, der als Tee vor allem die Magen- und Gallensäfte anregt, in vielen Oberpfälzer Bauerngärten vorhanden. In Amberg haben die Bewohner bei einer epidemischen Krankheit im Jahre 1586 die Wohnungen mit Wermut ausgeräuchert, da er auch als Mittel gegen die Pest galt.

Verwunschene Jungfrau

Der Oberpfälzer verglich die Wegwarte, ebenfalls eine uralte Heilpflanze, mit der verwunschenen Jungfrau, die am Wegesrand auf ihren Liebsten wartete. Ein anderer Name war Sonnenkraut. Den Mädchen aus Velburg dienten die Wurzeln der Wegwarte als Orakel. Zeigte doch die stärkste Wurzel dorthin, von wo einst der Zukünftige herkommen sollte. Als Tee führt die Wegwarte oder Zichorie ab. Als "Deutscher Kaffee" diente die Zichorie in Notzeiten als Kaffee-Ersatz, vermischt mit Malzkaffee, etwa dem "Kathreiner". Die Produktion des "Kathreiners" hat die Firma Nestlé jüngst eingestellt.

Eines der ältesten Hausmittel, die Kamille, darf natürlich im Käuterbüschl auch nicht fehlen. Die krampflösende Wirkung macht den Kamillentee bis heute zu einem gebräuchlichen Heilmittel. Sie brachte Linderung bei "offenen Kindsfüßen", bei Krampfadergeschwüren, die häufig nach Geburten bei Frauen auftraten. Auch bei schmerzhaften Regelblutungen wurde zur Linderung Kamillentee getrunken.

"Altvater" heißt der Beiname des kleinen Leinkrauts, eine der ältesten Kulturpflanzen Deutschlands, der ebenfalls im Kräuterbuschen zu finden war. Nach Franz Xaver Schönwerth hatte es eine Zauberkraft und half "Vejcherlaid". Der Flachssamen, im Volksmund Haarpollen, Haarliss oder Leonhappm genannt, wurde oft als Heilmittel verwendet und gilt als altes Hausmittel gegen Verstopfung. In diesem Zusammenhang ist wohl auch der folgende Kinder-Neck-Vers zu verstehen, der 1933 in Oberviechtach aufgezeichnet wurde: "Max, Dachs, scheiß in Flachs, dass i a bisserl besser wachs!" (hw)

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Die Serie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/dialekt
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