Heimatmuseum zeigt Schulalltag von anno dazumal
Fleißkärtchen und Flinten

Kemnath. (bjp) Tafel statt Beamer, anmutige Frakturschrift und ehrfurchtheischendes Königsportrait im Lesebuch, das Schönschreibheft mit den wie gemeißelt wirkenden Sütterlinbuchstaben, bunte "Fleißkärtchen" mit einer "Belobung des Fleißes und der guten Sitten": Zu einer Zeitreise in den Schulalltag der Groß- und Urgroßeltern lädt das Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum ein - pünktlich zum Schuljahresbeginn.

Als Reverenz an die "Respekt und Anerkennung verdienende" Schulgeschichte Kemnaths wolle er die neue schulgeschichtliche Sonderschau in der Fronveste verstanden wissen, betonte Museumsleiter Anton Heindl am "Tag des offenen Denkmals": "Unsere Stadt ist seit vielen Jahrhunderten Schulstadt, das Franziskanerkloster besaß im 18. Jahrhundert sogar einen Lehrstuhl für Philosophie." Wie viel sich in dieser langen Zeit auch gewandelt haben mag, eines gilt heute wie einst: "Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir." Dieses fast 2000 Jahre alte Diktum des römischen Philosophen Seneca wählte der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis (HAK) als Ausstellungsmotto.

Dass die Pauker und Pennäler vergangener Zeiten diese Weisheit ernst nahmen, belegt etwa ein Besinnungsaufsatz des Kemnather Berufsschülers Georg Ficker aus dem Jahre 1949 mit "Gedanken zur Verschönerung der Stadt". Neben dem fast urtümlich anmutenden Klassenzimmermobiliar aus der Waldecker Volksschule und einer Kollektion von Klassenfotos, Zeugnissen und Schulutensilien zogen auch Kuriositäten wie das "Lesebuch für die Volksschulen des Regierungsbezirks Oberpfalz" viele Besucherblicke auf sich.

Dieser stumm-beredte Zeitzeuge lässt erahnen, wie hilflos man in den nicht mehr königlichen, sondern freistaatlichen Volksschulen vor dem politischen Umbruch von 1918 stand: Den Namen des letzten Bayernkönigs Ludwig III. auf dem Vorsatzblatt strich man säuberlich durch - das Bildnis des abgesetzten Monarchen selbst wagte indes niemand durchzustreichen oder gar herauszutrennen.

Zwiespältige Gefühle erwecken die akkuraten Schönschreibübungen: Wie viele schmerzhafte Rohrstock- "Tatzen" mag mancher Schüler "eingesteckt" haben, bis die markige "deutsche Schreibschrift" so regelmäßig "auf Linie" blieb?

Ins Blickfeld der Besucher rückte der HAK am "Denkmalstag", der unter dem Motto "Handwerk, Technik, Industrie" stand, auch das Herzstück des Heimatmuseums, die "wehrkundliche Sammlung". Gern ließen sich die Geschichtsfreunde vom Vorsitzenden Hans Rösch die bewegte Historie des kurfürstlichen Armaturwerks Fortschau und des Büchsenmacherhandwerks im Kemnather Land schildern. Rund zwei Dutzend Kriegs- und Jagdwaffen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert dokumentieren diese zeitweise fast vergessene Episode der Stadtgeschichte.

Nicht fehlen durfte ein Besuch im nahen "Meisterhaus" mit der neuen Musikautomaten-Dauerausstellung "MusiKEuM" (wir berichteten). Bei Kaffee und Kuchen bestand dort Gelegenheit, die Eindrücke "sacken" zu lassen und nach Herzenslust fachzusimpeln. Hintergrund
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.