Heiter-besinnliche Lesung aus "Die Flucht nach Ägypten" bei "Klein & Kunst"-Reihe
Wo sich Böhmen und der Nahe Osten treffen

Bernhard Setzwein (rechts) und Norbert Vollath erfreuten am Donnerstagabend mit ihrer Darbietung von "Die Flucht nach Ägypten" von Otfried Preußler. Bild: Stiegler
Weiden.Es ist schon eine illustre Truppe, die da im Grenzgebiet zwischen der Lausitz und Böhmen unterwegs ist - nämlich "das liebe Jesulein", der heilige Josef, die Muttergottes und natürlich der Esel. Sie sind auf dem Weg von Bethlehem nach Ägypten, das ja bekanntlich gleich hinter Böhmen anfängt.

So zumindest hat es Otfried Preußler in seinem Roman "Die Flucht nach Ägypten" im Jahr 1978 niedergeschrieben. Bereits 2013, also im Todesjahr Preußlers, ist ein Hörbuch im Regensburger Verlag "LOHRBär" erschienen, in dem der Waldmünchner Autor Bernhard Setzwein die Geschichte liest. Im Rahmen der "Klein & Kunst"-Reihe im Untergeschoss der Max-Reger-Halle stellte Setzwein gemeinsam mit Musiker Norbert Vollath am Donnerstagabend einige Passagen aus dem Projekt vor.

Buch für Erwachsene

An der Ausgangslage der Geschichte hat auch Preußler nichts verändert, was das Matthäus-Evangelium berichtet, hat auch im Roman seine Gültigkeit: Die Krippe steht im Stall von Bethlehem, wo sich die Heilige Familie selbst aber nur kurz freuen kann. Denn schon trachtet der missgünstige König Herodes dem "lieben Jesulein" nach dem Leben. Der Engel des Herrn erscheint und rät Josef, mit Maria und dem Jesuskind nach Ägypten zu fliehen.

Setzwein gelingt es den ganzen Abend, der durchaus verschnörkelten Sprache Preußlers den richtigen Duktus zu verleihen, immer auch trifft er den ironisch-hintergründigen Ton, der wohl auch Preußler gefallen hätte. Und auch an der allgemeinen hervorragenden Lesestimme Setzweins bleibt in Weiden kein Zweifel. Mit Norbert Vollath hat Setzwein einen ebenbürtigen musikalischen Partner auf der Bühne, der vor allem mit dem Saxophon die instrumentale Begleitmusik für die Flucht nach Ägypten zaubert.

Die ausgewählten Passagen geben einen guten Einblick in Preußlers Werk, eines seiner wenigen Bücher, die er für Erwachsene geschrieben hat und in der er auch ein Stück weit seine eigene Biografie verarbeitet. Die Zuhörer erfahren von den Tücken des böhmischen Winters und der verschneiten Landschaft, mit denen die Heilige Familie zu kämpfen hat. Außerdem wird man tief hineingenommen in die Entstehung des Telegramms von König Herodes an den österreichischen Kaiser und böhmischen König Franz-Joseph, in dem von Letzterem die Auslieferung der Wandersleute verlangt wird.

Durchaus zum Schmunzeln regen auch die Erzählungen über das Agieren von Luzifer und der "höllischen Großmutter" an, um den Sohn GOttes dingfest zu machen. Wie sich der heilige Josef in einer böhmischen Krippe selbst wiedererkennt oder wie sämtliche böhmischen Heiligen - von Wenzel bis Nepomuk - die Heilige Familie in ihrer Heimat erwarten.

So, wie's wirklich war

Heraus kommt letztlich wirklich das, was Otfried Preußler in seinem Roman gleich zu Beginn angekündigt hat. Nämlich die "wahrhaftige und genaue Beschreibung sämtlicher Vorfälle, Zufälle und Ereignisse wie auch mehrerer Wunder, die sich damals bei Durchzug der bethlehemitischen Wandersleute im Königreich Böhmen ergeben haben".
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