Helfen, wo Hilfe nötig ist

Willkommensfeier bei den Reiches in der Straße Am Flötzbach. Beim Grillen kam man sich näher. Die neuen Bürger erfahren nicht immer Zustimmung. Bild: bkr

Ungebremst strömen Flüchtlinge aus den Bürger- und Glaubenskriegländern des Nahen Ostens in Bayern ein. 46 von ihnen haben eine Heimat in der Gemeinde gefunden. Im SOS-Kinderdorf, der Familienferienstätte sowie bei Familie Adriana und Gernot Reiche sind sieben Syrer untergebracht.

Immenreuth. (bkr) Seit 4. Juli sind der 20-jährige Al Marie Muhamed mit seiner 15-jährigen Frau Fathia und ihrem einjährigen Kind Maruf sowie dessen Schwester, die 31-jährige Schneiderin Ali Miriam, mit ihren Töchtern Rahf (14), Raghad (12) und Ruba (11) in Immenreuth.

Für sie wurde ein kleines Willkomensfest in der Straße Am Flötzbach arrangiert. Bürgermeister Heinz Lorenz brachte allen ein Badehandtuch der Gemeinde und für Muraf einen Kuschelhasen mit der Aufschrift "Immenreuth mein Zuhause" mit.

Die beiden Familien wurden im Juli auf der Autobahn aufgegriffen und fanden in der Tirschenreuther Dreifachturnhalle ihre erste feste Unterkunft. Nach Immenreuth kamen sie deshalb, weil Gernot Reiche, Konrektor der Privaten Schule zur Erziehungshilfe in Schnaittach, sich bei einer Diskussion für die Flüchtlinge stark machte. Der Frage: "Warum nimmst Du keine auf?", ließ er Taten folgen.

Angebot an Landratsamt

Eigentlich, so betonte er gegenüber dem Neuen Tag, hätte er die Wohnung wieder an Angehörige der US-Streitkräfte vermieten können. Diese bot er aufgrund der Herausforderung dem Landratsamt an. Die Behörde mietete die Räumlichkeiten als dezentrale Notunterkunft an. Anstelle der früheren Pro-Kopf-Pauschale erhält er eine ganz normale Miete und eine kleine Aufwandsentschädigung für die zusätzlichen Arbeiten.

Am Beispiel eines alleinstehenden Asylbewerbers macht das Landratsamt Tirschenreuth die monatlichen Leistungen für einen Flüchtling in einer Aufnahmestelle deutlich. Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz werden die Aufwendungen für Ernährung (141,85), Kleidung (33,57), Gesundheitspflege (7,19) und ein Taschengeld (143 Euro) gewährt. Letzteres richtet sich nach Alter und Familienstand und ist abgestuft. So erhält der Ehepartner 129, Kinder ab 18 Jahre 113, Kinder zwischen 14 und 17 Jahre 85, Kinder von 6 bis 13 Jahre 92 und darunter 84 Euro monatlich. Ein deutlich höheres Taschengeld steht beim Verlassen einer Aufnahmestelle zu.

Bei der Willkommensfeier sagte Gernot Reiche: "Ich mache es nicht wegen Geld." Seine Aufgabe sieht er darin, seinen neuen Mietern die deutschen Verhaltensregeln näher zu bringen, Fahrdienste zu leisten oder notfalls mit einem Dolmetscher Fragen zu klären. So kümmerte er sich um die Schulplätze der drei Töchter von Ali Miriam an der Mittelschule in Kemnath.

Dankbare Menschen

Ein arabisches Wörterbuch hat er sich für die Betreuung auch schon angeschafft. Von seinen neuen Mietern schwärmt er: "Es sind ganz liebe und dankbare Menschen." In der Bevölkerung begegneten den neuen Bürgern Hilfsbereitschaft ebenso wie Ablehnung, so Reiche. Deshalb freut er sich über die bisher gezeigte Hilfsbereitschaft, wenn Kindersachen oder ein Kinderwagen spontan gebracht werden.
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