Hessen vergessen alles im Bus

Der bosnische U-21 Nationalspieler des TV Groß-Umstadt, Tarik Kasumovic (links) und Kreisspieler Maximilian Brunner (rechts) versuchen den Auerbacher Spielertrainer Tobias Wannenmacher (Mitte) am Kreis beim Torwurf abzublocken. Bild: Ziegler

"Man kann in Auerbach verlieren, aber man darf sich dabei nicht so desolat und so herzlos präsentieren." Selten fand ein gegnerischer Trainer ähnlich klare Worte bei der Beschreibung der Leistung seines Teams nach dem Spiel.

Denn in einer überraschend einseitigen Partie bezwangen die Handballer des SV 08 Auerbach den aktuellen Tabellen-Achten TV Groß-Umstadt mit 29:21 (12:7) und errangen damit zwei Zähler im Kampf um den Klassenerhalt. Mit 9:13 Punkten liegen die Oberpfälzer drei Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz. Schon während des Spieles war TV-Trainer Tim Beckmann in den Auszeiten laut geworden und hatte verzweifelt aber erfolglos versucht, seine Spieler aufzurütteln.

Allerdings ließen die Gastgeber von Beginn an weder die Hessen ins Spiel kommen, noch den Zweifel aufkeimen, dass sie dieses Spiel gewinnen wollen. "Wir haben uns vorgenommen, dem Gegner unser Spiel aufzudrücken, ihn zu Fehlern zu zwingen und von Anfang an das Ruder in die Hand zu nehmen", so das Fazit des Auerbacher Spielertrainers Tobias Wannenmacher. Und dieses Vorhaben gelang ziemlich gut.

Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge in Paris gingen die Gastgeber schnell durch zwei Treffer von Ralph Weiss sowie je ein Tor von Felix Müller und Maximilian Lux mit 4:0 in Führung. Dabei hatten sich die Abwehr und der erneut gut aufgelegte Lars Goebel als äußerst wachsam erwiesen. Zudem fiel auf, dass die Oberpfälzer diesmal auch bei den offensiven Abprallern oft den entscheidenden Schritt schneller waren. Das sollte sich über die gesamte Spielzeit nicht ändern. Als Tim Beckmann in der 10. Minute erstmals die Grüne Karte auf den Zeitnehmertisch legte, hatten die Blau-Weißen ihren Vorsprung bereits auf 6:1 ausgebaut.

Groß-Umstadts Offensive agierte an diesem Tage einfach zu statisch vor dem aggressiven Abwehrverbund der Auerbacher und machte es den Hausherren relativ leicht, immer wieder Bälle zu erobern und selbst in Zählbares umzumünzen. Auf der anderen Seite des Balles überließen die Hessen ihren zunächst ordentlich haltenden Torhüter viel zu oft seinem Schicksal und den oft geschickt freigespielten Auerbacher Angreifern. Auerbach dominierte das Spiel und ließ sich auch nicht von einem kurzen, aber letztlich kraftlosen Aufbäumen der Gäste beeindrucken.

Daneben brachten sich die Hessen selbst in die Bredouille, denn gerade als sie sich auf 8:4 herangekämpft hatten, zogen sie sich zwei Strafzeiten kurz hintereinander zu und mussten in doppelter Unterzahl ihr Heil versuchen. Als in der 28. Minute Tobias Büttner die einzige Zeitstrafe gegen die Gastgeber antreten musste, konnte Groß-Umstadt den Rückstand noch ein letztes Mal auf drei Treffer verkürzen (10:7), bevor Tobias Wannenmacher selbst und mit der Sirene auf Zuspiel des Trainers Kenny Schramm den Pausenstand von 12:7 herstellten. Die zweite Hälfte begann mit einer Gala von Andreas Wolf. Florian See hatte gerade den achten Treffer für sein Team erzielt, als "Hightower" zur Höchstform auflief. Zunächst bediente er noch einmal Kenny Schramm und übernahm danach selbst den Ball. Allein viermal nacheinander netzte er ein und ließ sowohl die Abwehr der Gäste, als auch ihren Torhüter nicht wirklich gut aussehen. Auerbach baute den Vorsprung aus und hatte danach keine Mühe, den Sieg bis zum Ende der Spielzeit zu verwalten. Großer Jubel kam noch einmal in der 57. und 58. Minute auf, als Nachwuchsspieler Ferdinand Neuß sich zweimal in die Liste der Torschützen eintrug und damit erneut seinen Einsatz im Drittligateam auch offensiv rechtfertigte.

Nach dem Spiel zeigte sich Tim Beckmann deutlich angefressen: "Es geht nicht, dass wir uns derart vorführen lassen. Wir fahren über drei Stunden nach Auerbach und scheinen dann beim Aussteigen unseren Mut und unseren Willen im Bus zu vergessen."
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