Hetze im Rock-Rhythmus

Eindringlich warnten Peter Ohlendorf und Arno Speiser (von links) die Mittelschüler vor rechtsradikalem Gedankengut. Bild (jzk)

Musik entspannt, sie unterhält und ist ein wesentlicher Teil des kulturellen Lebens. Sie bewegt die Massen - mitunter auch in die falsche Richtung, wie der Dokumentarfilm "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" zeigt.

Kemnath. (jzk) Ihn schauten die siebten, achten und neunten Klassen der Mittelschule zusammen mit Regisseur Peter Ohlendorf an. "Der Film basiert auf einer neunjährigen verdeckten Film-Recherche des Journalisten Thomas Kuban auf Nazi-Konzerten", erklärte der Filmemacher seinen Zuhörern. Der Streifen zeige auf drastische Weise die extreme Gewaltbereitschaft und wiederholte Volksverhetzung in dieser Szene.

Im Stile von Günter Wallraff hatte sich Kuban 2003 in die rechte Szene eingeschlichen und seitdem mit versteckter Kamera Nazi-Konzerte und weitere Veranstaltungen gefilmt. Getarnt als brauner Kamerad, gewann er das Vertrauen von Szenegrößen. Unter dem Pseudonym Thomas Kuban wurde der freie Journalist und Sachbuchautor vor allem durch Film- und Buchveröffentlichungen über die rechtsextreme Musikszene Deutschlands und Europas bekannt.

Seiner Meinung nach wird der Rechtsextremismus in Deutschland zu sehr verharmlost. Um dafür Beweise zu liefern, tauchte er in die Szene ein, berichtete Ohlendorf. "Man muss zeigen, was dort läuft", meinte er. In seinem Film schildert Kuban, wie die Neonazi-Bewegung so stark werden konnte, dass sie eine politisch motivierte Mörderbande wie den NSU möglich machte.

"Die Rechtsextremisten gehen zu keinen politischen Veranstaltungen und lesen keine Flyer von Parteien", wusste Arno Speiser von der regionalen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus Oberpfalz und Oberfranken. Aber die Musik spiele in ihren Kreisen eine große Rolle. Der Rechtsrock schlage den Takt, der eine ganze Jugendkultur europaweit bewege.

Im Laufe ihrer Recherchen kamen Thomas Kuban und Peter Ohlendorf zu der Erkenntnis: "Der Rechtsextremismus ist die größte Bedrohung für die Stabilität und Sicherheit in Deutschland." Die Aktivitäten der Neonazis müssten genau beobachtet werden. "Prävention ist sehr wichtig" meinten sie.

Nach der Veröffentlichung des Filmmaterials bildeten sich verschiedene Aktionen gegen die widerlichen Parolen, menschenverachtenden Texte und die kompromisslose Gewaltbereitschaft der rechten Szene, berichtete Peter Ohlendorf. "Diese Leute sind nicht harmlos, sondern höchst gefährlich", schärften er und Speiser bei der Diskussion nach der Filmvorführung den Jugendlichen eindringlich ein.
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