Heute ein Herzstück

Das kleine Kirchlein am Fiedlbühl gab bei der 50-jährigen Jubiläumsfeier ein wunderschönes Bild ab. Viele Gläubige feierten den Freiluftgottesdienst mit Dekan Alexander Hösl. Obwohl die Kapelle unter Schwierigkeiten errichtet wurde, ist sie heute vielen Fiedlbühlern richtig ans Herz gewachsen. Bilder: dob (2)

Eine kleine Kapelle als Ort der Ruhe, an dem man neue Kraft tanken kann: An und für sich keine große Sache. Doch am Fiedlbühl war das anders.

Weit standen die Türen der kleinen Wegkapelle beim 50-jährigen Jubiläum am Freitagabend für die vielen Festgäste offen. Die wenigsten wussten jedoch von der recht bitteren Vergangenheit des schlichten Kleinods, das vor 50 Jahren nicht von jedermann erwünscht war. Heute gehört die Kapelle - von vielen ins Herz geschlossen - zu Fiedlbühl wie das Glöcklein zum Glockenturm.

Die weiß-gelbe Kirchenfahne wehte mit der städtischen Fahne im lauen Abendwind. Mücken tanzten vor der geschmückten Kapelle bei milden Temperaturen, wie man sie im Oktober nur selten erlebt. Der Katholische Männerverein und der Altenstädter Zweigverein stellten für dieses goldene Kirchenjubiläum ihre Fahnenabordnungen. Auch die Feuerwehr aus Altenstadt ließ sich einspannen und sorgte nach dem Gottesdienst für die Bewirtung.

Kirche sei weit mehr als eine Institution, führte Dekan Alexander Hösl aus. "Wir alle bilden diese Gemeinschaft, geben unserer Kirche das Gesicht, mit dem sie in unserer Gesellschaft erscheint." Die kleine Kapelle sei ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen und neue Kraft tanken könne. Vor nunmehr 50 Jahren sei hier ein Ort geschaffen worden, an dem Menschen ihren Glauben leben und Gott begegnen könnten. "Jede Kirche und Kapelle möchte uns an die Anwesenheit Gottes in unserer Welt und Gesellschaft erinnern".

Schlagwörter nehmen sich manchmal wortwörtlich, merkte der Geistliche an, denn sie erschlagen, was sich ihnen in den Weg stellt. Doch es gelte auch das Wort: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit."

Ein Fenster geöffnet

In diesem Zusammenhang erinnerte Hösl an den unvergesslichen Papst Johannes XXIII., der am 11. Oktober 1962 das Zweite Vatikanische Konzil eröffnete und die Kirche und Welt auf den heutigen Stand bringen wollte. Mit Anpassung an den Zeitgeist hatte dies laut Hösl wahrlich nichts zu tun, sondern mit der Bereitschaft, die Kirche von ihren Quellen her zu erneuern und gleichzeitig auf die Zeichen Gottes in der heutigen Zeit zu achten. Für jede Generation gebe es solche Zeichen. Längst wurden nicht alle Impulse aufgenommen, wie es Papst Johannes erhofft hatte. "Doch es wurde ein Fenster geöffnet, durch das frische Luft in den Raum der Welt strömte."

Es gebe noch viel zu tun. Nur der traurige Blick in die Vergangenheit helfe jedoch nicht weiter. Die Buchdruckerkunst wurde als Zeitgeist genauso verteufelt wie die Eisenbahn, das Telefon wie das Fernsehen, heute sind es Computer, Laptop und Smartphone. Wäre die Welt, wären die Menschen wirklich besser, ohne alle diese Hilfen? Schon immer kam es auf den rechten Gebrauch an, denn in allen Dingen steckt auch die Möglichkeit des Missbrauchs, mahnte der Geistliche.

Dazu jüngst Papst Franziskus: "Christen müssen ihre Botschaft in einer für alle verständlichen Sprache verkünden. Sie dürfen deshalb niemals den Kontakt zur Realität verlieren", zitierte der Stadtpfarrer. "Also wenden wir uns aufgeschlossen dieser Welt zu. Als Christ ganz unverbogen und unverkrampft modern sein". Dann laute die Losung: "Mit beiden Beinen auf dieser Erde als unserer Mutter stehen. Sich zum Himmel zu unserem Vater ausstrecken. Sich in Kopf und Herz durch den guten Geist zu den richtigen Entscheidungen bewegen lassen."

Marianne Fürnrohr übernahm den Lektorendienst, bei dem vor allem der Erbauer und Wohltäter gedacht wurde. Blasmusiker unter Leitung von Johannes Gruber gestalteten die Messe und gaben auch beim geselligen Beisammensein den Takt an.
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