Hightech in der Strahlentherapie

Die Veranstaltung ist seit 1986 ein fester Termin im Kalender vieler Mediziner und Professoren: Das 61. Radiometrische Seminar holt internationales Fachpublikum nach Theuern.

Vier Referenten vom Universitätsklinikum Regensburg standen auf dem Podium. Sie sprachen zum Thema "Ionisierende Strahlung und Radionuklide in medizinischer Diagnostik und Therapie". In Vertretung von Landrat Richard Reisinger begrüßte Museumsleiter Michael Ritz im Kulturschloss Theuern 90 Teilnehmer. Die erfolgreiche öffentliche und gebührenfreie Veranstaltungsreihe der Universität Regensburg wird laut Mitteilung von Prof. Dr. Henning von Philipsborn, Fakultät Physik, geleitet.

Prof. Dr. med. Oliver Kölbl von der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Regensburg zeigte in "Hightech in der Strahlentherapie. Was ist heute möglich?" die großen Fortschritte der vergangenen Jahre zum Segen der Patienten: immer erfolgreichere Behandlung von Tumoren mit immer niedrigeren Strahlendosen als früher. Die Strahlung vom Linearbeschleuniger mit Energien bis 21 Millionen Elektronenvolt hat gute Tiefenwirkung mit Aufbaueffekt. Die sich schnell teilenden Tumorzellen reagieren strahlenbiologisch anders als gesunde Zellen. Auch sind bei letzteren die DNA-Reparaturmechanismen viel wirksamer. In der Bestrahlungsplanung dienen heute auch Kernspinverfahren zur Bildgebung.

"Moderne Nuklearmedizin - Therapiesteuerung mit molekularer Bildgebung" war das Thema von Prof. Dr. med. Dipl. Phys. Dirk Hellwig , Abteilung für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums. Die für Diagnostik und Therapie eingesetzten künstlichen Radionuklide für Radiopharmaka mit kurzer Halbwertszeit, das heißt kleinerer Strahlendosen, werden im Klinikum selbst hergestellt. Die molekulare Bildgebung mit Radiopharmaka ermöglicht eine Objektivierung durch Quantifizierung und zum Beispiel die frühe Diagnostik von Demenz und Schizophrenie sowie bessere Medikation. Für die Onkologie sind Wachstum, Vitalität und Sauerstoffversorgung biologische Zielgrößen.

Prof. Dr. med. Christian Stroszcynski , Institut für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums sprach über "Aktuelle Trends in der diagnostischen und interventionellen Radiologie". Bei letzterer werden unter Bildsteuerung therapeutische Eingriffe vorgenommen und die konventionelle Röntgendiagnostik durch Computer-Tomographie und Magnetresonanz-Tomographie ersetzt. Dafür ermöglichen bessere Strahlungsdetektorsysteme und Bildnachbearbeitung sehr viel niedrigere Strahlendosen und bessere Ergebnisse. Verbesserten Kontrast im Röntgenbild erhält man seit langem durch Einnahme von Kontrastmitteln und neu durch Verwendung von Röntgenstrahlen mit zwei verschiedenen Energien.

"Medizinische Physik in der Strahlentherapie - Bestrahlungsgeräte, Bestrahlungsplanung und Dosimetrie" war das Thema von PD Dr. rer. nat. Barbara Dobler , Leitende Medizinphysikerin im Universitätsklinikum. Erklärt wurden die physikalischen, chemischen und biologischen Wirkungen ionisierender Strahlung, die indirekten Wirkungen durch Radiolyse von Wasser mit Bildung von Radikalen und die direkten Wirkungen durch DNA Strangbrüche. Auf vielfältige technische Weise ist es heute möglich, die Strahlung örtlich, zeitlich und in Intensität zu modulieren. Die therapeutisch notwendige Strahlendosis wird gezielter zum Tumor geführt und Nebenwirkungen beim gesunden Gewebe minimiert.

Die informativen und dabei auch für die überwiegend nicht-medizinischen Hörer verständlichen Vorträge fanden eine sehr positive Resonanz. Die Gelegenheit, Fragen zu stellen, wurde rege genutzt. Alle Referenten waren trotz starker Beanspruchung in klinischer Praxis, Forschung und Lehre während der ganzen Veranstaltung präsent.
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