Hilfe selbst in der kleinsten Ecke

Die Speisekartoffeln machten beim 201. Lastzug den Hauptanteil der Hilfslieferungen der Kemnather Kroatienhilfe nach Capljina in Südostbosnien aus. Bild: jzk

Beim Beladen eines Lastwagens macht den Helfern der Kroatienhilfe so schnell keiner was vor. Inzwischen haben sie den 201. Transport bis oben hin mit Hilfsgütern befüllt und dabei jeden Kubikzentimeter ausgenutzt.

Kötzersdorf. (jzk) Alles, was in einem Haushalt dringend benötigt wird, haben die Helfer in Kötzersdorf eingeladen: sieben Tonnen Möbel und Einrichtungsgegenstände wie Schränke, Stühle, Tische, Sessel, Couch, Bettgestelle, Schlafzimmer, Küchen- und Badezimmereinrichtungen, Spielsachen, Schuhe, Kleidung, Bettwäsche und Bettdecken. Dazu packten sie für die Menschen in Capljina in Südbosnien Matratzen, Teppiche, Kochgeschirr, Öfen, zahlreiche Elektrogeräte und 15 Tonnen Speisekartoffeln. Letztere hatten zwei Landwirte aus der Region zu einem günstigen Preis zur Verfügung gestellt.

"Weil die Helfer immer älter werden, fällt ihnen die harte Arbeit immer schwerer", erzählt Klaus Fiebig. Das Sammeln der Hilfsgüter sei sehr zeitraubend. "Unsere Aktion läuft seit über 22 Jahren, und die Spendenbereitschaft ist nach wie vor ungebrochen", freut sich Richard Pscherer. Das sei auch wichtig, denn es sei noch kein Ende der Not in Sicht. Die Lage der Menschen in Bosnien habe sich in den vergangenen Jahren kaum gebessert.

Capljina liegt etwa 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Sarajewo. "Seit dem grausamen Bürgerkrieg leben dort Tausende von Flüchtlingen in ärmsten Verhältnissen", weiß Fiebig von seinen Besuchen in Bosnien. Ihnen falle es sehr schwer, sich in Capljina ein neues Leben aufzubauen. Arbeit gebe es kaum. Die Versorgung durch den Staat sei zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Deshalb seien die Hilfsgüter aus Kemnath ein "wahrer Segen für die arme Bevölkerung".

Vor Ort kümmert sich der Wohltätigkeitsverein in Domanovici, einem Ortsteil von Capljina, um die gerechte Verteilung der Waren aus der Oberpfalz. Die Kontaktleute organisieren auch den Einkauf von Lebensmitteln. Familien, die die Hilfsgüter erhalten, müssen das Entladen übernehmen. Fiebig, Pscherer und Bernhard Krannich haben sich bereits mehrfach persönlich davon überzeugt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Sie haben auch die Freude und Dankbarkeit der Menschen erlebt.

Einen Teil der Kartoffellieferung leiteten die Verantwortlichen an das Krankenhaus, ein Behindertenheim und an die Armenküche in Mostar weiter. Ein wenig nachdenklich zieht Fiebig Bilanz: "Seit 1992 haben 201 Lastzüge fast 3900 Tonnen Hilfsgüter transportiert, darunter fast 1600 Tonnen Kartoffeln. Über 500 000 Kilometer haben die Lastzüge unfallfrei zurückgelegt." Rund 1200 Kilometer müsse der Fahrer aus Kroatien jedes Mal bewältigen. Mit den Pausen brauche er dazu zwei Tage.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.