Hilfe sucht sich neue Wege

Der große Konvoi, er ist Geschichte. Die "Aktion Tschernobyl" hat die Speditionsschiene getestet. "Das klappte problemlos", so Dr. Josef Ziegler. Heuer stehen noch zwei Transporte für Partner-Krankenhäuser in der Ukraine auf seinem Plan. Auch in der Arbeitsweise werden neuen Wege eingeschlagen.

Pfreimd. (cv) Dramatische Bilder, der Krieg in der Ostukraine, schreckte die Familien der Konvoifahrer, auch wenn die Westukraine als sicher gilt. Dr. Josef Ziegler blies den Hilfstransport ab. "Das war richtig, die Verantwortung hätte ich nicht übernehmen können". Dr. Ziegler entwickelte ein neues Konzept, damit die millionenschwere Hilfe aus der Region nach 24 Jahren nicht auf der Strecke bleibt. Eine Spedition wurde beauftragt und ein Sattelschlepper auf die Reise geschickt. "Es klappt", so Zieglers Resümee. Die Zollpapiere waren fertig, Hubwagen mit Helfern der ukrainischen Partner vor Ort. Nach geraumer Zeit war die eingelagerte Ware vom Zoll freigegeben und verteilt. Parallel zum Transport flogen die Mechaniker Walter Seidl, Robert Neblich und Sergej Zuba in die Ukraine, reparieren, notierten Ersatzteile, lösten so manches Problem. Ein Lichtblick, dass in Jagodin inzwischen ein einheimischer Mechaniker die Geräte mit betreuen kann. "Da wird so manches Problem per Mail gelöst", erzählt Dr. Ziegler.

Ärzte aus dem Kriegsgebiet

Ihn führte seine abschließende Visite nach Jagodin und Uljanovka. Gesundheitsreform, Krankenhauskonzentrationen stehen im Land an. Trotz des geplanten Umbruchs: Ersatzteile, Sterilisatoren, Bettwäsche, Verbandsmaterial Mundschutz, OP-Wäsche werden händeringend gebraucht. Ziegler achtet darauf, dass es bei den aus der Oberpfalz gelieferten Geräten keinen "Verschiebebahnhof" gibt. In den Kliniken arbeiten jetzt viele Ärzte aus dem Kriegsgebiet. "Die Ukraine muss mit Millionen Flüchtlingen fertig werden". Und mit einer katastrophalen wirtschaftlichen Situation. Der Dieselpreis hat sich verdoppelt. Im Krankenhaus in Jagodin wurde eine Holzheizung gebaut. Strom ist teuer, der Gaspreis hat sich versechsfacht. Das Land ist "kurz vor dem Bankrott", die Bevölkerung frustriert. Ziegler hofft nur, dass die Stimmung nicht "in einen roten Maidan umschlägt".

In all den Unwägbarkeiten ist der "Verein Tschernobyl" wohl der einzig verlässliche Partner. Ende Juli wird erneut geladen: Die in Wernberg eingelagerten OP-Tische, Betten, Sterilisatoren und ein Sonografiegerät gehen dann auf einem Sattelschlepper gen Uljanovka. Es ist alles gewogen, nummeriert, der Schenkungsbrief beim ukrainischen Sozialministerium eingereicht. Ende Juli wird gefahren. Nächster Schwerpunkt ist im September Naroditschi. Die drei Fahrten sind unterm Strich ein Drittel günstiger als der Konvoi.

In AGs rationeller

Der Verein "Aktion Tschernobyl" mit 100 Mitgliedern befindet sich ebenso im Umbruch. "Der Konvoi hat zusammengeschweißt", räumt Ziegler klar ein. Packen ist da nicht so spannend. Es ist nicht einfach, eine beständige Mannschaft zwischen Beruf und Schichtdienst zu haben. In der Jahreshauptversammlung wurde die künftige Ausrichtung besprochen. Es wird auf drei Arbeitsgemeinschaften hinauslaufen. Eine davon soll die Weiterbildung für Ukrainer in Deutschland betreuen. Einige Mitglieder werden sich um diejenigen ukrainischen Freunde kümmern, die dem Verein über Jahre halfen und von der Hand in den Mund leben müssen. Wer keine Datscha mit Gemüse hat, kann sich angesichts der Preise kaum über Wasser halten. Eine weitere Gruppe wird Know how bei der Konzeption und Renovierung medizinischer Einrichtungen einbringen. Hilfe auf neuen Wegen.
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