Hilfsbereitschaft "feste Glut"

Gesprächsrunde im Hof der Gemeinschaftsunterkunft: Obere Reihe von links Stadtrat Fritz Betz, Dr. Rolf Mehringer (Reg. d. OPf.), Stadträtin Lina Forster, Bürgermeister Peter Lehr, Bundestagsmitglied Uli Grötsch, Alexandra Adam (Achte von links) und Stadtrat Franz Fuchs vom Arbeitskreis Asyl (Neunter von links). Bild: rn

Die Gemeinschaftsunterkunft am Stadtmauerweg erhielt Besuch aus dem Bundestag und der Bezirksregierung. Mit Bundestagsabgeordnetem Uli Grötsch und Sachgebietsleiter Dr. Rolf Mehringer interessierten sich erstmals Regierungsvertreter an der Unterbringung für Asylbewerber in Eschenbach.

Alexandra Adam, Leiterin der Gemeinschaftsunterkünfte Eschenbach, Vilseck und Schlicht, stellte das seit Juli dieses Jahres genutzte Anwesen als Einrichtung mit barrierefreien Wohnungen vor, die weniger als Asylantenunterkunft, sondern vielmehr als Wohnhaus wirkt. Die Bewohner seien in der Mehrzahl Syrer. Nur wenige stammten aus Albanien, Tschetschenien und Aserbeidschan.

Sie berichtete über die ersten Erfolge, den Asylbewerbern "deutsche Gepflogenheiten rüberzubringen", und berichtete unter anderem: "Die Mülltrennung funktioniert schon." Uli Grötsch dankte Bürgermeister Peter Lehr und Mitarbeitern des Arbeitskreises Asyl, dass sie sich für die Gesprächsrunde Zeit genommen hatten. Er wisse um deren Leistungen und bekundete "Respekt und Hochachtung vor dem, was hier geleistet wird". In Fritz Betzl sah er einen "besten Informanten über das Eschenbacher Asylgeschehen und ein stetes Sprachrohr".

"Asylpaket" beschlossen

Der Abgeordnete räumte ein, dass "auf Grund der Komplexität des Themas Asylanten nicht alles gleich problemlos verlaufen konnte". Er verwies auf das vor wenigen Tagen beschlossene "Asylpaket" und bezeichnete es als "das, was die Kommunalpolitiker wollten". Jetzt gehe es ans Umsetzen. Für die Eschenbacher war interessant zu hören, dass die Vorgabe, an Volkshochschulen dürfen nur besonders qualifizierte Lehrkräfte unterrichten, abgeschafft ist. Er sei in diesen Tagen dabei, sich im gesamten Grenzgebiet über die aktuelle Situation zu informieren.

"Die Asylbewerber aus dem Balkan betragen nur noch drei bis fünf Prozent des Gesamtaufkommens", waren seine aktuellen Erkenntnisse. Der Abgeordnete ging davon aus, dass die Zahl der Neuankömmlinge im Winter stark zurückgeht. Auch am Beispiel anderer Orte mit Asylbewerbern glaubte er zu erkennen, dass "allmählich die Zeit kommt, wo den Ehrenamtlichen die Puste ausgeht". Grötsch versicherte daher "Personalbestrebungen des Bundes". Die Ehrenamtlichen hätten bewiesen, dass ihre "Hilfsbereitschaft kein Strohfeuer, sondern feste Glut ist".

Nicht ausklammern wollte er die Türkeigespräche der Bundeskanzlerin und die erzielten Ergebnisse. Das größte Problem war für ihn die Situation in den Herkunftsländern, auf die es einzuwirken gelte. Erst kurz in seinem Amt als Sachgebietsleiter für Flüchtlingsbetreuung und Integration bei der Regierung der Oberpfalz ist Dr. Ralf Mehringer. Er will sich vor Ort Einblicke in die Situation bei den Kommunen verschaffen.

Dem Eschenbacher Asylkreis dankte er für dessen "guten Job". "Ohne Hilfe von außen haben unsere Ehrenamtlichen seit Juli unendlich viel geleistet." Mit dieser Botschaft wandte sich Stadtrat Fritz Betzl an die Besucher. Als konkrete Maßnahmen zählte er auf: Einrichten einer Kleiderkammer, Spielrunden für Kinder, Sprachkurse und Entrümpeln der ehemaligen Volksschule II durch Asylbewerber. Er informierte über das System der Kleiderkammer, bezeichnete es als "enorm", was die Frauen des Arbeitskreises und das BRK vor Ort leisten, und resümierte: "Die Zeichen der Menschlichkeit in Eschenbach sind toll." Am Beispiel eines Fahrradunfalls nannte er es "problematisch, wenn der deutsche Geschädigte kein Geld erhält". Als Unsinn bezeichnete er es, wenn Asylbewerber zur Anhörung nach Zirndorf gebracht werden müssen.

Sprachkenntnisse wichtig

"Erheblich billiger und effektiver wäre es, wenn ein einzelner Bearbeiter aus Zirndorf für eine Gruppe von Asylbewerbern nach Eschenbach kommt." Mit dieser Einschätzung fand er die Zustimmung der Umstehenden. Betzl beklagte die Belegung von Turnhallen, während sich an anderen Stellen Leerstände anbieten. Die beste Möglichkeit einer Integration ist für ihn das Erlernen der deutschen Sprache und die Ausübung einer Beschäftigung. Dies war für Alexandra Adam ein Stichwort.

Sie berichtete von Betrieben, die Arbeitskräfte suchen. Mit Dr. Mehringer informierte sie über die Modalitäten zur Finanzierung der Sprachkurse. Denn sprachliche Grundkenntnisse seien erforderlich, Asylanten in Arbeitsprozesse einzubinden. Ein Rundgang durch GU und Kleiderkammer schloss sich an.
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