Hoffnung für Taubstumme

Im Haus von Dr. Reinhard Dressler (rechts) und seiner Frau Martina (links) hat eine bosnische Familie Zuflucht gefunden. Bürgermeisterin Friederike Sonnemann begrüßte die Eltern Hares und Edmira mit ihren Kindern Amica, Osman und Harissa in Walbenreuth. Bild: as

Die Frau ist taubstumm. Zwei ihrer drei kleinen Kinder hören ebenfalls nichts. Familienvater Hares Zahnovic sah in seiner Heimat keinerlei Perspektiven mehr. Sein Asylantrag führte die fünf Bosnier jetzt nach Walbenreuth.

"Wir haben überhaupt keine Hilfe erhalten", schildert der 35-Jährige die Beweggründe, es in Deutschland zu versuchen. Die Familie habe in einem kalten Beton-Keller hausen müssen, ohne Chance auf Verbesserung oder medizinische Unterstützung. Nur gelegentlich verdiente Hares als Holzarbeiter etwas, weil er seine Familie nicht lange allein lassen konnte, erzählt er der Bürgermeisterin.

Bürgermeisterin hört zu

Für Friederike Sonnemann ist es am Mittwoch eine Selbstverständlichkeit, die neuen Bewohner im Waldershofer Stadtgebiet willkommen zu heißen. Im Haus der Familie Dressler hat die Familie am Ortsrand von Walbenreuth eine vorübergehende Bleibe gefunden. Vor drei Wochen kam Hares mit der 25-jährigen Edmira, den Töchtern Harissa (5) und Amica (1) sowie Sohn Osman (4) im Landkreis Tirschenreuth an. Nach zehn Tagen im überfüllten Aufnahmelager Zirndorf sind die neuen Bewohner erleichtert über die geräumige Ferienwohnung und die freundliche Aufnahme.

"Wir wollten eine Familie", berichten Dr. Reinhard und Martina Dressler. Der Zahnarzt aus Tirschenreuth hat sich Walbenreuth als Altersruhesitz ausgesucht. Nach einem Aufruf im "Neuen Tag", dass das Landratsamt dringend Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylbewerber sucht, meldete sich Martina Dressler und bot die Ferienwohnung an. Vertreter der Behörde schauten sich das Quartier an, befanden es für gut. Der Beherbergungsvertrag gilt für ein Jahr. Dass ihnen eine katholische Familie aus Bosnien zugewiesen wurde, darauf hatten die Dresslers keinen Einfluss: "Wir hätten auch jede andere genommen", sagt der Vermieter. Dass es finanziell nicht von Nachteil ist, eine im Winter meist leerstehende Wohnung zu vermieten, verhehlt er nicht. Ebenso führt er aber auch humanitäre Gründe an: "Ich möchte, dass was aus den Leuten wird, dass sie Hoffnung haben."

"Keiner hilft uns"

Die Bürgermeisterin hatte bei ihrem Besuch einen Gutschein über 50 Euro dabei, einzulösen in Waldershofer Geschäften. Darüber freut sich die Familie, die einmal in der Woche mit den Vermietern zur Mitterteicher "Tafel" fährt, um günstige Lebensmittel zu erhalten. Während die Kinder neugierig um den Tisch herumwuseln, schildert Familienvater Hares die schwierigen Umstände in Bosnien. "Der Krieg ist aus, aber ich habe keine Unterkunft. Meine Kinder sind taub, keiner hilft uns." Als Gebärden-Dolmetscher und Bindeglied ist er für seine Familie unentbehrlich.

Fahrdienst und Betreuung

Unterstützung haben die neuen Bewohner unter anderem schon von der Arbeiterwohlfahrt und der Lebenshilfe in Mitterteich erfahren. "Die Kinder bräuchten dringend eine Frühförderung", schätzt Martina Dressler die Lage ein. Nur die älteste Tochter hört ein bisschen, der Sohn ist ganz taub. "Wir haben schon einen Termin an der HNO-Klinik in Regensburg", hoffen die Dresslers, dass den neuen Untermietern etwas geholfen werden kann.

An Kleidung für die Kinder mangelt es derzeit nicht, auch Fahrräder wurden schon gespendet. Was die Familie brauchen könnte, sind warme Schuhe und Jacken für die Erwachsenen. "Und ein Kinderwagen wäre schön", ergänzt Martina Dressler. Wer etwas für die Asylbewerber tun möchte, kann auch Fahrdienste anbieten oder die Frau mit ihren drei Kindern für ein paar Stunden in der Wohnung betreuen. "Dann könnte ich Hares auch einmal mitnehmen, damit er gemeinnützige Arbeit macht." Reinhard Dressler, der selbst bei den Tirschenreuther Lions aktiv ist, könnte sich zum Beispiel Hilfe beim anstehenden großen Weihnachtsmarkt im Fischhof vorstellen.

Optischer Brandmelder

Wer der Familie in irgendeiner Weise helfen möchte, kann sich über Telefon 09231/702 82 22 melden. Vielleicht gibt es ja sogar eine Lösung für einen optischen Brandmelder. Mutter Edmira und die Kinder können schließlich den normalen Warnton nicht hören, wenn es brenzlig würde.
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