Hoheit nimmt sich Homepage vor

Claudia Fichtl war die zehnte Holunderkönigin im Landkreis. Das Amt hat ihr gefallen. Sie würde es wieder machen, sagt sie im Rückblick - aber nicht gleich. "Jetzt stehen erst einmal Hausbau und Kinder auf dem Programm."

Zwei Jahre repräsentierte die 26-Jährige den Kreisverband für Gartenbau und Landespflege auf Messen, Festen, der Landesgartenschau in Tirschenreuth und bei zahlreichen anderen Gelegenheiten. Zwei Ordner hat die junge Frau mit Berichten und Erinnerungen über ihre Auftritte gefüllt.

Den Kreisverband will sie auch in Zukunft unterstützen. Als nächstes Projekt plant sie, dessen Homepage auf den Weg zu bringen. Während ihrer Amtszeit hat sie die vergriffene Holunderbroschüre des Kreisverbandes komplett neu gestaltet, neue Rezepte gesammelt und einen Großteil selbst ausprobiert. "Auch die Lieblingsrezepte aller bisherigen Königinnen sind enthalten."

Tolle Partner

Das Thema Holler war der gebürtigen Flosserin auch früher nicht unbekannt. "Aber mein Wissen hat nur bis zu Hollerküchln und Hollersirup gereicht." Durch Ausprobieren von Rezepten und viel Tipps vor allem von Kreisfachberaterin Claudia Saller, vermehrte die gelernte Einzelhandelskauffrau diese Kenntnisse. "Im Kreisverband sind lauter aktive Menschen, auf die man sich immer verlassen konnte und die man auch fragen kann."

Rita Rosner und Johann Stock aus dem Vorstand des Gartenbauverbandes waren die ersten, die Fichtl angesprochen hatten, ob sie nicht Lust hätte Königin zu werden. Beide waren beim Einkauf bei ihrem Arbeitgeber, dem Herrenausstatter Turban, in Weiden. "Zuerst hatte ich Nein gesagt. Ich habe nicht gewusst, was eine Holunderkönigin macht." Dass die damals noch ledige Claudia Lehner doch zustimmte, hatte viel mit der relativ freien Zeiteinteilung für das Ehrenamt zu tun. "Ich musste das Amt mit dem Job vereinbaren. Ich arbeite samstags und oft auch am Abend."

Bis zur Proklamation im Mai 2013 wusste sie nicht so genau, was auf sie zukommen würde. Zuvor gab es lediglich ein Treffen mit dem Kreisfachberater und die Bitte, sich ein Dirndl auszusuchen und zu kaufen. Schärpe und Krone erhielt die Hoheit bei der Amtsübergabe.

Der Chef der Königin, Norbert Turban, sei begeistert vom Engagement seiner Mitarbeiterin gewesen. "Er hat mir auch freigegeben für Aktionen." Im Schaufenster prangte ein Schild mit Foto: "Hier werden Sie königlich bedient." Im Laufe der Zeit hätten Kunden sie immer wieder auf ihr Amt angesprochen "Sie sind ja die Holunderkönigin." Das sei im Geschäft positiv aufgefallen.

Für Verwirrung sorgte eine Zeitlang der Namenswechsel nach der Hochzeit mit dem Remmelsberger Landwirt Johann Fichtner. "Sind sie schon wieder eine neue Königin?", sei sie damals bei Auftritten überrascht gefragt worden. Einen interessanten Termin verpasste ihre Durchlaucht wegen der Trauung. Am gleichen Wochenende kamen Milch-, Bier-, Wein-, Spargel,- Kartoffel und sonstige Hoheiten zum Königinnentreffen in Hamburg zusammen.

"Zum Teil waren es harte Wochenenden", erinnert sich Fichtl. Ab und zu begleitete sie ihr "Prinzgemahl". "Er selbst hat sich immer als Hofnarr bezeichnet", schmunzelt die Gattin. Neben den Pflichtterminen mit Stand- und Festbesuchen war es der Holunderkönigin auch wichtig in Altenheimen und Kindergärten Gast zu sein. "Meist habe ich einen kurzen Vortrag über Holunder gehalten." Bammel habe sie vor jeder Rede gehabt, bekennt Filchner, die beim Theresienstadel in Flossenbürg Theater spielt.

"Der Freund oder Mann darf gerne mit dabei sein, aber ungezwungener ist es, wenn man sich in die Gespräche mit den Leuten einlässt", gibt sie den Nachfolgerinnen mit auf den Weg. "Ich habe mir immer Zeit genommen, mein Hollerküchel zu essen und mit den Leuten zu sprechen." Das freue sie und mache das Amt angenehm.

Hilfreicher Strauch

Zwar sei eine Königin kein Gärtner, aber Fichtl versuchte auch bei Fragen weiterzuhelfen, etwa wenn jemand wissen wollte, warum sein Strauch nicht wachsen wollte. "Zurückschneiden, darf man ihn schon, aber nicht komplett weg tun. Holler vertreibt die bösen Geister vom Hof", lacht Fichtl und schaut hinüber zum riesigen Busch an der Scheunen auf ihrem Hof.

Besonders in Erinnerung ist ihr der "Tag der offenen Gartentür" in Waidhaus geblieben. "Viele waren stolz, als ich in ihren Garten kam." Beim 90. Geburtstag von Anni Müller in Albersrieth war die Königin der Überraschungsgast, mit dem Kreisvorsitzender Albert Nickl dem ältesten Mitglied des Kreisverbandes gratulierte.

In Dirndl, mit Krone und Schärpe ein Fest und Leute zu besuchen, ist etwas anderes, als in zivil zu kommen. "Die Leute sind gespannt, tuscheln über den kleinen Star. Für mich war das am Anfang schwierig, weil ich so eigentlich nicht bin." Fichtl sah sich als Repräsentantin für den Holunder und den Kreisverband für Gartenbau und Landespflege. "Ich war keine Spaßkönigin."

Zwei katholische Kirchen

Für Lacher sorgte ihre Hoheit bei einem Auftritt in Schirmitz. Zuerst war sie zur falschen Kirche gefahren und entschuldigte ihre Verspätung in der Rede damit, dass sie zunächst bei der evangelischen Kirche gewesen sei. Was die BDKJ-Kreisvorsitzende bis dahin nicht wusste: Beide Gotteshäuser in dem Ort sind katholisch. "Die Leute haben gelacht und mir den Fauxpas nicht übel genommen."

Nach dem Ende der Regentschaft ist es Fichtl nicht langweilig. "Im Gegenteil, es ist trotzdem jedes Wochenende etwas." Die ehemalige Holunderkönigin genießt es, mal einen Tag mit dem Ehemann unterwegs zu sein. Außerdem steht auf der Wiese ein flauschiges Hobby: Alpakas sind die neuesten Bewohner auf dem Hof.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.