Holländische Schule in Weiden

Sichtlich Spaß hatte Tomás Galásek, neuer Trainer des Bayernligisten SpVgg SV Weiden, bei seiner ersten Trainingseinheit. Bild: G. Büttner

Die erste Enttäuschung hat Tomás Galásek schnell verdaut. Dass er nicht der erste tschechische Trainer in der Vereinsgeschichte der SpVgg SV Weiden ist? Geschenkt. Viel wichtiger ist dem Ex-Profi, dass er sich als Chefcoach beweisen kann. Und Galásek verspricht Offensivfußball.

Herr Galásek, sagt Ihnen der Name Karel Finek etwas?

Galásek: "Oh, da muss ich passen. Ich weiß, dass Antonin Panenka 1976 im EM-Finale gegen Deutschland den entscheidenden Elfmeter verwandelt hat. Aber sonst bin ich nicht so gut in der tschechischen Fußballgeschichte

Dann klären wir Sie gerne auf. Karel Finek war früher tschechischer Nationaltorwart. In den sechziger bis achtziger Jahren war er Trainer bei der SpVgg Weiden und hat hier einen fast legendären Ruf. Sie sind also nicht der erste tschechische Trainer am Wasserwerk ...

Galásek: (lacht) Dabei wollte ich in Weiden so gerne der erste Tscheche als Trainer sein. Na, hoffentlich kann ich auch ein bisschen Vereinsgeschichte schreiben. Positive natürlich.

Am Montag waren Sie noch als Doppelspitze mit Norman Wagner beim FSV Erlangen-Bruck auf der Kommandobrücke. Jetzt sind Sie Trainer in Weiden. Wie schwer fällt die Umorientierung?

Galásek:Es war allen klar, dass kurzfristig etwas passieren kann. Es war für mich immer wichtig, dies ehrlich zu kommunizieren. Ich glaube, der Verein und die Spieler akzeptieren die Entscheidung für Weiden. Der FSV Erlangen-Bruck wird mir aber weiterhin am Herzen liegen. Mein 15-jähriger Sohn spielt ja dort.

Kam für Sie das Angebot aus Weiden überraschend?

Galásek: Wir hatten ja schon einige Zeit Kontakt. Am vergangenen Sonntag haben wir uns dann getroffen und besprochen. Es war mir zum Beispiel wichtig, dass Christian Stadler als Sportdirektor hinter mir steht. Ich glaube, meine Entscheidung ist richtig. Ich wünsche mir, ein Teil der Familie des Vereins zu sein.

Neue Trainer sagen beim Amtsantritt oft: Das Konzept des Vereins hat mich überzeugt. Was waren Ihre Beweggründe, in Weiden ihre erste Cheftrainerstelle anzutreten?

Galásek: Ich bin zunächst dankbar, dass die SpVgg SV mir die Chance gibt, Erfahrungen als Trainer zu sammeln, mich zu beweisen. Als Trainer will ich an Prozessen beteiligt werden, eigene Entscheidungen treffen können. Ich glaube, das ist in Weiden möglich.

Die SpVgg SV vertraut zum Großteil auf den Spielerstamm, der zuletzt Vierter in der Bayernliga wurde. Eine gute Grundlage?

Galásek: Ich denke schon. Ich wusste, dass ein guter Kader vorhanden ist. Ich habe mit Christian Stadler über Taktik und die Spielidee gesprochen. Er hat hervorragende Arbeit geleistet. Daran will ich anknüpfen, aber auch meine Akzente setzen. Am offensiv ausgelegten System werde ich nicht viel ändern. Dazu bin ich seit meiner Zeit bei Ajax Amsterdam zu sehr von der holländischen Schule geprägt. Lieber schießen wir fünf Tore und bekommen hinten vier rein. Ich muss aber aufpassen, dass die Zuschauer keine grauen Haare bekommen ....

Ihr Arbeitgeber setzt in der kommenden Saison mehr denn je auf nachrückende Talente. Ist das auch Ihre Philosophie?

Galásek: Es kommt auf die richtige Mischung an. Alleine mit jungen Spielern geht es nicht, es braucht auch Erfahrung. Ganz klar ist: Man muss Talenten eine Chance geben, sonst können sie sich nicht zeigen. Ich glaube, dass die Jungen schon einiges von mir lernen können.

Gibt es einen Trainer, der Ihnen als Vorbild dient?

Galásek: Ja, den gibt es. Co Adriaanse hat mich im Jahr 2000 zu Ajax Amsterdam geholt. Sein Verständnis von der niederländischen Ehrendivison war überragend. Er hat in mir verinnerlicht, dass nicht ein einziger für ein Ergebnis verantwortlich ist. Trainer und Spieler, alle stehen in der Verantwortung.

Was werden Sie von Ihren Spielern verlangen?

Galásek: Es wird einige Zeit dauern, bis sich alles eingespielt hat. Wichtig ist Disziplin. Damit meine ich, dass sich die Spieler an die Aufgaben halten müssen, die der Trainer ihnen gibt. Dass ich früher ein erfolgreicher Profi war, ist vergangene Zeit. Das war früher. Jetzt will ich als Trainer gesehen werden.

Woran messen Sie Erfolg? Am Tabellenstand? Oder daran, dass die Mannschaft spielerisch und taktisch Fortschritte macht?

Galásek: Wenn man gewinnt, macht es allen mehr Spaß. Freude und Spaß sind wichtig. Es ist aber auch ein Erfolg, wenn wir es schaffen, junge Spieler einzubauen, wenn diese Persönlichkeit entwickeln. Mir ist klar, dass Weiden auf Dauer nicht alleine damit zufrieden sein würde, nicht abzusteigen. Man will hier auch nach oben schauen. Es ist aber gut, dass einem Zeit gegeben wird.

Ihr Kader könnte in der Breite Zuwachs vertragen. Wird sich in Sachen Neuzugänge noch etwas tun?

Galásek: Das muss in erster Linie der Verein entscheiden. Aber wir haben ja noch etwas Zeit bis zum Ende der Wechselfrist Ende August. Jetzt warten wir erst mal das Spiel am Sonntag gegen Jahn Regensburg ab.
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