Horror an einem Sommerabend

Es war ein dreistes Gangsterstück. Zwei vermummte Männer überfielen ein Wohnhaus am Schwandorfer Weinberg und raubten den Tresor mit 45 000 Euro Inhalt. Als die Besitzerin des Anwesens hinzu kam, wurde sie mit einem Teleskop-Schlagstock malträtiert und zu Boden gebracht.

Amberg/Schwandorf. (hwo) Es gibt drei Angeklagte, die vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts sitzen. Sie stammen aus Burglengenfeld. Zwei von ihnen (29 und 52 Jahre alt) sollen das Verbrechen ausgeführt haben. Der dritte Beschuldigte (59) steht im Verdacht, zu dem Raub angestiftet und Fahrerdienste geleistet zu haben. Er bestreitet das teilweise, will ahnungslos gehandelt haben. Die beiden anderen geben zu, in dem Anwesen oberhalb der Schwefelquelle in Schwandorf gewesen zu sein.

Am 14. Juni letzten Jahres gegen 19.15 Uhr begann auf der Jahnstraße ein Coup, zu dem die beiden Täter einen Rucksack mitbrachten. Darin befanden sich ein Akkuschrauber, eine Taschenlampe und eine Unterziehhaube, in die Sehschlitze geschnitten worden waren. Die Männer, 29 und 52 Jahre alt, drangen über den Garten zu einem Wohnanwesen vor. Der jüngere von beiden hatte die Sturmhaube aufgesetzt, der andere zog sich eine Kappe ins Gesicht.

Mit Ehemann verwandt

Die Terrassentür war unversperrt. Von daher musste nichts aufgebrochen werden. Im Haus wurde zielstrebig auf eine Schrank zugegangen, in dem sich ein würfelförmiger Safe befand. Die Täter packten ihn und wollten eben verschwinden, als die Hausbesitzerin hinzu kam. Sie wartete auf ihre Tochter, sah sich den Räubern gegenüber und wurde von dem 29-Jährigen attackiert. Er hielt den Schlagstock in der Hand, will sein Opfer aber nur geschubst haben. Die 50-Jährige ging zu Boden und versuchte noch, ihrem Peiniger die Haube vom Kopf zu ziehen. Das missglückte. Doch wäre es gelungen, hätte die Frau den Räuber sofort erkannt. Denn es handelte sich um einen Verwandten ihres Ehemannes, der das Haus kannte und sehr wohl wusste, dass es da einen Tresor mit viel Geld als Inhalt gab.

Der Hausherr hatte von dem Verbrechen nichts mitbekommen. Er nahm im Obergeschoss gerade ein Bad und wurde, während die Täter flüchteten, von seiner Ehefrau alarmiert. Minuten später wusste die Polizei Bescheid und löste eine Großfahndung aus. Bei Prissath sahen Streifenbeamte die Räuber. Der 29-Jährige wurde überwältigt, sein Komplize entkam. Er stellte sich erst Wochen später den Behörden.

Täter drogenabhängig

Den Tresorwürfel mit einem Gewicht von 30 Pfund hatten die Männer in ein Brennnesselgebüsch geworfen. Kriminalbeamte fanden ihn. Das gesamte Bargeld sowie persönliche Dokumente lagen noch in dem Safe. Zuvor hatte der 29-Jährige ein Geständnis abgelegt. Das wiederholte er jetzt vor den Richtern. Doch etliche Details aus beiden Vernehmungen passen nicht zueinander. Der 29-Jährige ist drogenabhängig. Seinen "Stoff" in Form von Crystal Speed will er von den beiden Mitangeklagten bezogen haben und in deren Schuld gestanden sein. Er hatte zuvor offenbar erzählt, dass es da einen Verwandten mit viel Geld im Tresor gebe. Deshalb, so der 29-Jährige, habe ihn dann sein gleich in der Nachbarschaft wohnender Hauptlieferant vor jenem 14. Juni aufgefordert, den Überfall zu machen, um die offene Rechnung zu begleichen. Das bestreitet der 59-Jährige entschieden. Er will seinen Bekannten nur von Burglengenfeld aus nach Schwandorf chauffiert haben. Ohne Aufforderung zum Raub. Danach, so sagte der Mann, sei er nach Maxhütte-Haidhof gefahren und in einer Spielothek gewesen. Und der zweite Mittäter, der mit in das Haus ging? Er soll bereits am Weinberg gewartet haben, als das Verbrechen in Szene gesetzt wurde.

Der Prozess wird heute fortgesetzt. Dann ist auch mit dem Urteil zu rechnen. Das Opfer zeigte sich weitgehend unbeeindruckt von dem Überfall. Von der Kammervorsitzenden Roswitha Stöber hörte die 50-Jährige: "Sie scheinen hart im Nehmen zu sein!"
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