Hubert Schug tritt zurück

Wenn ein Zug in die verkehrte Richtung fährt und man kann ihn nicht umkehren, weil keiner der anderen Fahrgäste die Gefahr erkennen will, dann muss man aussteigen, solange es noch Sinn macht.

Der CSU-Stadtrat Hubert Schug wirft das Handtuch: Er legt aus gesundheitlichen Gründen sein Stadtratsmandat nieder. "Ich brauche für meine tägliche Arbeit meine volle Gesundheit und werde diese nicht durch schlaflose Nächte und beginnende Magengeschwüre, die durch meine Stadtratstätigkeit hervorgerufen werden, gefährden."

In jüngster Zeit habe es mehrere Anlässe gegeben, die seinen Unmut weckten, sagt der Pharmazeut und Kommunalpolitiker, der seit 2002 für die CSU im Stadtrat sitzt. So bezeichnet er die Versagung der Altbürgermeisterwürde für Robert Dotzauer als "eine Niveaulosigkeit".

"Nur noch Parteibuch zählt"

Schug räumt ein, dass Dotzauer Ecken und Kanten gehabt habe. Während seiner 18-jährigen Tätigkeit als Bürgermeister habe sich Dotzauer jedoch um die Stadt verdient gemacht und Eschenbach weitergebracht.

Nach Schugs Erkenntnissen sei Erfahrung im Stadtrat zudem nicht gefragt. "Es zählt nur noch die Farbe des Parteibuches", erklärt er. Der Fraktionszwang in der SPD sei so krass, dass jeder gesunde Menschenverstand über Bord geworfen werde. "Der Bürgermeister ist ein netter Mensch", sagt er über Stadtoberhaupt Peter Lehr (SPD). "Wir bräuchten aber eine Führungsperson, die Eschenbach in die Zukunft führt."

Es gebe keine Ideen, die umgesetzt werden könnten, klagt Schug geradezu an. Überall Fehlanzeige: ob Behindertenparkplätze vor den Arztpraxen, Außenbestuhlung von Gaststätten, Behördenverlagerung, effektive Nutzung von Klettergarten und Hexenhäusl, Stärkung der Wirtschaftsschule, Ausbau des Industriegebiets oder Parkregelung am Stadtplatz. Hinsichtlich des ehemaligen Vermessungsamts spricht er von "Unfähigkeit, persönlich bei den Regierungen und Ministerien wegen möglicher Fördermittel vorzusprechen".

Entschuldigung für Schritt

Der Apotheker betont, dass er seine Kraft außerhalb des Stadtrats besser für Eschenbach einsetzen könne. Bei allen Wählern, die ihm im vergangenen Jahr wieder ihr Vertrauen geschenkt hatten, entschuldigt sich Schug für seinen Schritt. Und er ruft die Eschenbacher dazu auf, ihm nicht vorzuwerfen, dass er die Stadt im Stich lasse.

Seine bisherigen Investitionen als Unternehmer zieht er als Beweis dafür heran, dass er den Standort Eschenbach stärken wolle. "Aber wenn ein Zug in die verkehrte Richtung fährt und man kann ihn nicht umkehren, weil keiner der anderen Fahrgäste die Gefahr erkennen will, dann muss man aussteigen, solange es noch Sinn macht."
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