Humanität oberstes Prinzip

"Der Volkstrauertag führt uns unmissverständlich vor Augen, dass wir uns nicht drücken dürfen", betonte Bürgermeister Werner Nickl (rechts) bei der Totenehrung am Kemnather Kriegerdenkmal. Bild: jzk

Parallelen zwischen der Gegenwart und der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zog Bürgermeister Werner Nickl. Damals seien viele Vertriebene in Kemnath heimisch geworden. "Die Geschichte wiederholt sich", meinte er bei der Totenehrung am Kriegerdenkmal angesichts der Kriegsflüchtlinge, die seit über einem Jahr in der Gemeinde sind.

Kemnath. (jzk) Die Bürger rief er auf, den Asylbewerbern, die seit über einem Jahr in Kemnath sind, zu zeigen, dass uns ihr Schicksal nicht gleichgültig ist. Nach einem Bläserchoral der Stadtkapelle, dirigiert von Rita Kunz, gedachte Werner Nickl der Kriegstoten und Vermissten der beiden Weltkriege. Darin schloss er auch die Opfer des terroristischen Anschlags vom Freitag in Paris mit ein.

Keine reine Rückschau

"Der Volkstrauertag darf nicht nur eine Rückschau auf die Geschehnisse der beiden großen Weltkriege sein und sich in Tradition erschöpfen" mahnte er, "er ist ein sehr aktueller Gedenktag, den wir brauchen". Er schütze vor dem Vergessen und Verdrängen und mahne uns, aus der Geschichte zu lernen und gegen Kriege sowie Vertreibung aufzustehen. 70 Jahre Frieden "ist eine der kostbarsten Errungenschaften der Gesellschaft und angesichts einer ganz und gar nicht friedlichen Welt fast ein Wunder", betonte VdK-Ortsvorsitzender Dieter Weber. Deutschland erlebe nur einen Bruchteil der Flüchtlingskatstrophe. "Weltweit sind etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht", weniger als fünf Prozent kämen in die EU. Im Umgang mit den Flüchtlingen müsse Humanität oberstes Prinzip sein, so wie es das Grundgesetz mit dem Recht auf Asyl festschreibe.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge kümmere sich seit neun Jahrzehnten um die Orte der letzten Ruhe für gefallene Soldaten, hob Raimund Pinzer hervor. Herzlich dankte er allen Spendern und Sammlern für die Kriegsgräbersammlung. Als Zeichen der Verbundenheit legten alle drei Redner am Mahnmal Kränze nieder. Mit dem Choral "Ich hatte einen Kameraden" und drei Böllerschüssen von Max Popp klang die Gedenkfeier in der Bürgermeister-Metschnabl-Allee aus.

Gedenken ist dienen

"Der Verstorbenen zu gedenken heißt, dass wir ihnen dienen", hatte Stadtpfarrer Konrad Amschl zuvor beim Gedenkgottesdienst in der Stadtpfarrkirche betont. Wenn wir der Toten in Liebe gedenken, dann seien sie zwar möglicherweise vergebens gestorben, ihr Leben sei aber nicht vergebens gewesen. Der Gemeinschaftschor mit den Sängern der Liedertafel Kemnath und dem Sängerbund Immenreuth brachte unter der Leitung von Alexander Hecht die "Deutsche Messe" von Michael Haydn und das Marienlied "Santa Maria" zu Gehör.

Zu den Klängen der Kemnather Stadtkapelle bewegte sich anschließend der Kirchenzug zum Kriegerdenkmal.
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