"Ich trinke, weil ich Probleme habe, und ich habe Probleme, weil ich trinke" - Vortrag
Kaum Entkommen aus Teufelskreis

"Über den Tellerrand schauen" heißt eine Veranstaltungsreihe des Pfarrgemeinderat Ehenfeld. Und das taten die Teilnehmer auch, als sie sich im Pfarrheim über die Fachambulanz für Suchtprobleme Weiden (Caritas) informieren ließen.

Deren Leiterin Katjenka Wild stellte das Aufgabengebiet dieser Einrichtung vor, in der überwiegend Personen unterstützt werden, die Probleme mit dem Umgang mit Alkohol, Medikamenten und Drogen oder ein problematisches Spielverhalten haben. Aber auch Verwandte oder Freunde einer betroffenen Person können sich hier Rat einholen. Die Beratung ist kostenfrei und auf Wunsch anonym.

Insbesondere der Alkohol ist ein weit verbreitetes Phänomen und als Gesellschaftsdroge vor allem in Bayern sehr anerkannt. "Wenn es gemütlich werden soll, gehört die Maß Bier in Bayern irgendwie dazu", sagte Wild. Gegen den vernünftigen Genuss von Alkohol spreche nichts, umso mehr aber gegen dessen Missbrauch. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland seien alkoholabhängig. Darunter sei der Hilfsarbeiter genauso wie Richter, Unternehmer, Arzt, Hausfrau oder Lehrer.

Sucht hat laut Wild nie eine einzige Ursache, sondern entsteht aus einem komplexen Ursachengefüge, in einem Prozess und nicht von heute auf morgen. Wurzeln können in der Persönlichkeit des Betroffenen liegen, im sozialen Umfeld oder in Ereignissen, die bedrohlich und ausweglos erscheinen, wie Trennung von einer geliebten Person, Verlust des Arbeitsplatzes, Geldnot oder Schwierigkeiten in der Familie. Mit zunehmendem Trinken wüchsen die Probleme. "Ich trinke, weil ich Probleme habe, und ich habe Probleme, weil ich trinke - ein Teufelskreis", so Wild.

Dass Drogen in die natürlichen Abläufe des Körpers eingreifen und Stimmungen, Gefühle und Wahrnehmungen beeinflussen, konnten die zahlreichen Anwesenden praxisbezogen nachempfinden. Die Teilnehmer durchliefen einen Hindernisparcours, zunächst in normalem Zustand, dann mit einer Brille, die den Einfluss von Alkohol und Drogen simulierte. Alle waren beeindruckt von der Rauschwirkung der Drogen, der schwindenden Wahrnehmung und Bewusstseinsstörung.
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