Im Flüchtling Jesus sehen

"Werdet so wie die Kinder." Diese Worte Jesu standen im Mittelpunkt des Zwiegesprächs zwischen Pfarrer Manuel Sauer und Pfarrer Martin Besold im ökumenischen "Atempause"-Gottesdienst zum Thema Flüchtlingsstrom. "Wir müssen wie Kinder auf die Menschen zugehen, die zu uns kommen."

Zum vierten Mal fand dieser etwas andere Gottesdienst in der Simultankirche St. Jakobus statt. Der evangelische Pfarrer Sauer und sein katholischer Amtsbruder Besold freuten sich über die zahlreichen Gläubigen beider Konfessionen. "Eine Pause ist dafür da, sich für die Arbeit wieder zu stärken", sagte Pfarrer Besold eingangs. "Diese heutige Atempause dient dazu, die Seele zu stärken und dabei nicht zu vergessen, was in der Welt um uns herum geschieht, heute vor allem die Flüchtlinge, die zu uns kommen."

"Ausweis des Glaubens"

Besold führte aus, dass in der Bibel ein gutes Verhalten zu Fremden gegenüber als Ausweis des Glaubens, des geistigen Lebens gelte. Er zitierte aus dem Buch Leviticus. "Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll als Einheimischer gelten und lieben wie dich selbst, denn ihr seid selbst fremd in Ägypten gewesen."

Zur Einstimmung auf das inhaltlich sehr aktuelle Zwiegespräch beider Pfarrer wurden auf einer Leinwand im Altarraum Bilder von Flüchtlingen gezeigt. Des Weiteren spielte Pfarrer Sauer auch einige Tondokumente ab, aus denen die Gründe für die Flucht hervorgingen. "Wenn man die Bilder gesehen und den Text des Evangeliums vor Augen hat, muss man nichts mehr dazu sagen", stellte Sauer fest. "Wenn Jesus sagt, ich bin ein Fremder gewesen, dann identifiziert er sich mit diesen Menschen, die heute in dieser Situation sind", so Sauer. Besold fügte an, dass man in den Menschen auf der Flucht Christus sehe. "Doch das ist Religions-Theorie, denn in Wirklichkeit sehen die Menschen nicht Christus, sondern eine Gefahr", fügte Pfarrer Sauer hinzu.

"Wenn uns die Flüchtlinge nichts angehen, dann geht uns auch Christus nichts an", folgerte Sauer. "Wir müssen in den Menschen Christus sehen und helfen." Dass es dabei Schwierigkeiten gebe, sei klar. Der Seelsorger zitierte Bundespräsident Joachim Gauck, nach dessen Worten es zwar viele gebe, die helfen wollen, es aber nur begrenzte Möglichkeiten gebe.

Viele Missverständnisse

Beide Pfarrern stellten fest, dass es nicht einfach sei, fremde Menschen aufzunehmen. "Wer kann schon arabisch und kennt die Bräuche", so Besold. Als Beispiele nannte er, ob einer Frau die Hand gegeben werden darf oder welche Stellung sie in der Familie habe. "Unterschiedliche Kulturen und Bräuche führen zu Missverständnissen und sorgen für Diskussionen. Es ist daher nicht leicht, dem gerecht zu werden, was Jesus vorlebt." Jesu Worte "Werdet so wie Kinder" könnten nach Aussage von Pfarrer Manuel Sauer weiterhelfen. "Kinder stehen etwas Fremden unverkrampft gegenüber, spielen einfach miteinander, gehen aufeinander zu." Dem stimmte Pfarrer Besold zu.

Dabei sollte aber ein Satz Jesu im Hinterkopf behalten werden: "Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, dass habt ihr mir getan." Umrahmt wurde der Gottesdienst von einem ökumenischen Projektchor aus Wildenreuth.
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