Im Hirschwald werden 400 Fledermauskästen aufgehängt - Ehrenamtliche werden noch gesucht
Quartiere für Abendsegler und Langohr

Halloween ist vorbei, doch die Fledermäuse bleiben weiter im Fokus. Über ein Gemeinschaftsprojekt greifen die Bayerischen Staatsforsten, der Naturpark Hirschwald und der Landschaftspflegeverband Amberg-Sulzbach in der großen, geschlossenen Waldfläche des Hirschwaldes Waldfledermausarten des Landkreises unter die Arme oder besser Flügel. Trotz naturnaher Waldbewirtschaftung mit dem Belassen von Biotop- und Totholzbäumen reicht das Höhlen- und Spaltenangebot noch nicht aus, um die Fledermauspopulation entscheidend zu begünstigen. Zur weiteren Unterstützung sollen spezielle Nistkästen im Wald aufgehängt und dauerhaft auf ihren Besatz kontrolliert und gepflegt werden.

Forstbetriebsleiter Thomas Verron (Burglengenfeld) erklärte sich sofort zu einem gemeinsamen Projekt für den Fledermausschutz bereit und organisierte eine über den Fördermitteltopf der besonderen Gemeinwohlleistungen finanzierte Projektstruktur. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg (AELF) bewilligte die finanzielle Unterstützung dieses Projekts aus dem staatlichen Fördertopf, hieß es nun in einer Pressemitteilung.

Weiterer Gewinn

Die Notwendigkeit der Maßnahme bestätigte Heinz Nefe von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes mit einer fachlichen Expertise. Für Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald, ist die Aktion ein weiterer Gewinn für den erholungswirksamen Naturraum, der damit immer reichhaltiger und interessanter wird.

So schritt man gemeinsam zur Tat: Zunächst wurden von den Staatsforsten 400 Fledermauskästen in drei verschiedenen Bauarten im Wert von knapp 9000 Euro angekauft. Jede Art benötigt, wie die Vögel auch, bestimmte Größen der Einflugspalten und -löcher. Für die Auswahl gab der als Hüter der Hufeisennase in Hohenburg bekannte Experte Rudolf Leitl die entscheidenden Tipps. In seiner Funktion als Gebietsbetreuer beim Landschaftspflegeverband übernimmt er mit Isabel Lautenschlager die weitere Beobachtung und Pflege der Kästen gemeinsam mit ehrenamtlichen Betreuern organisatorisch. Regelmäßige Kontrolle und Reinigung erhält nicht nur den Fledermäusen ein ausreichendes Quartierangebot, sondern soll auch den Erfolg der Maßnahme aufzeigen. Um jeden Kasten wieder zu finden, wird jeder im GPS-Koordinatensystem erfasst und dokumentiert. Leitl hat anhand alter Nistkastenstandorte und der optimalen Biotopstruktur einige Räume im Hirschwald ausgesucht, die inselartig konzentriert mit Nisthilfen ausgestattet werden. Intensiv belebte Trittsteine zu schaffen, scheint für ihn das erfolgversprechendste Modell.

Die Wälder im Landkreis beherbergen eine Vielzahl seltener und bedrohter Fledermausarten. Die großflächigen Kiefernbestände mit ihren Teichen, Weihern und Seen werden vorzugsweise von Wasser- und Fransenfledermaus, Großem Abendsegler und Braunem Langohr besiedelt. In laubholzgeprägten Bereichen kommen lokal Seltenheiten, wie Bechstein- und Mopsfledermaus sowie Kleiner Abendsegler vor. Für Fledermäuse ist ein ausreichend großes Quartierangebot in den Wäldern nötig, da diese mit etwa 40 weiteren Tierarten um entsprechende Höhlen und Spalten konkurrieren.

Viele Facetten

Unter Anleitung von Rudolf Leitl werden die günstigsten Standorte gezielt ausgesucht und die Kästen richtig aufgehängt. Lehrlinge des Forstbetriebs nageln die Großraumhöhlen und Flachkästen in Leiterhöhe an Bäumen an. Ihr Ausbilder, Forstwirtschaftsmeister Jonas Hofmann, legt Wert darauf, dass ein geprüfter Forstwirt nicht allein auf das Holzmachen reduziert wird. In der Waldarbeit gebe es viele Facetten, unter anderem auch die Arbeit für den Natur- und Umweltschutz.

Bei einem Pressetermin im Hirschwald trafen sich alle Beteiligten zur laufenden Aufhängaktion. Leitl begeisterte mit Fachwissen zu den Lebensraumansprüchen der Waldfledermäuse und erklärte, warum ausgerechnet an dieser Stelle ein Kasten beste Belegungsaussichten habe. Fledermäuse nähmen neben natürlichen Baumhöhlen im wieder zunehmenden Totholz zur Jungenaufzucht auch künstliche Nisthilfen als Wochenstuben und Sommerquartiere an. Mops-, Bechstein-, Fransen-, Bartfledermaus oder Abendsegler heißen die kleinen Säuger, die von Insekten leben und keineswegs als Vampire Blutbahnen anzapfen.

Im Winter suchen sie die in unserem Bereich zahlreichen frostfreien Jurahöhlen auf. Für den Sommer soll es jetzt vermehrt Quartiere geben. Naturschützer und Förster ziehen da an einem Strang. Und die Staatsforsten werden so ihrem Naturschutzkonzept über die Anreicherung des Lebensraums Hirschwald gerecht. Isabel Lautenschlager sucht noch Ehrenamtliche, die sich an der Kontrolle der Nistkästen beteiligen. Interessierte sollten sich beim Naturpark Hirschwald (Telefon 0 96 24/90 211 91) melden.
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