Im Sog von Farbe und Form

Spannende Oberflächen, ausgefallene Materialien und Material-Mix sind die Spezialität von (von links) Angelika Pesold, Marion Demleitner, Carola Braun und Sabine Hausknecht. Das Bild im Hintergrund stammt von Braun, die Filztiere über den Köpfen tragen die Handschrift von Hausknecht. Bild: Bugl

Sanfte Rundungen in kühlem Stein, satte, sich überlagernde Farbschichten und ein wolliges Nest: Ein Fest für die Sinne bereiten vier Künstlerinnen den Besuchern des "Müllner-Hofs" in Schwarzach. Sie stellen dort Bilder, Objekte und Skulpturen aus - mit tierischer Unterstützung

Im Hofcafé, einem ehemaligen Stall, hat es die Kunst nicht einfach, wenn sie mit harmonischen Bruchsteinwänden konkurrieren muss. Die abstrakten Acrylbilder von Carola Braun, Marion Demleitner (beide aus Pfreimd), Sabine Hausknecht (Weinrieth) und Angelika Pesold (Nabburg) schaffen es dennoch, die Blicke zu bündeln. Eine klare, reduzierte Komposition bringt Ruhe in den Raum. Die Bilder bestechen nicht durch grelle Farbigkeit, sondern eine ungewöhnliche Textur.

"Grundsätzlich verwenden wir die Farbe nicht so, wie sie aus der Tube kommt", erklärte Marion Demleitner bei der Vernissage stellvertretend für die Künstler-Gruppe "Kunstsinnigerweise" ihr Handwerk. Durch Mischen, lasierendes, mehrschichtiges Auftragen und Verfremden mit Pigmenten, Asche und Sand beginne die Fläche erst zu leben.

Mit unzähligen Schichten Tiefe schaffen, dabei Veränderungen einfangen und den Charme des Vergänglichen beschwören - bei diesem Prozess komme nicht nur der Pinsel ins Spiel. Auch Spachtel, Fön, Lappen und "nicht selten die Finger" haben ihren Einsatz im sinnlichen Dialog mit dem Bild. "Fast als würde die Farbe ein eigenes Leben führen und uns regelrecht in die Arbeit mit ihr hineinziehen", erklärte Demleitner. Sie pries in diesem Zusammenhang die fruchtbare Arbeit in der Gruppe und lenkte den Blick auf individuelle Schwerpunkte.

Vier Künstlerinnen zeigen auf dem "Müllner-Hof" in Schwarzach Objekte und Skulpturen - mit tierischer Unterstützung. Bilder von Monika Bugl


So geht es der Nabburgerin Angelika Pesold in ihrer "blauen Phase" darum, "Stellen im Bild zum Leuchten zu bringen". Ihre Spezialität: sanfte Farbübergänge. Kräftige Farben bevorzugt Carola Braun. Einklang und Harmonie hat sie im Visier, wenn gealtert anmutende Flächen erschafft oder sich bei den Skulpturen aus Speckstein von dem leiten lässt, was der Stein in seiner individuellen Struktur vorgibt. Marion Demleitner fasziniert die Kombination von Stein mit bearbeitetem Holz oder Treibholzstücken. Sie lässt sich von Fotos und Fundstücken inspirieren und verschafft letzteren auch einen Auftritt auf der Leinwand. Das Spektrum zwischen pastos und lasierend will sie dabei ausloten und Raum lassen für die Eigendynamik der Farbe.

Sabine Hausknecht hat ihr Material für ihre Filzobjekte und "Gespinste" gleich vor der Haustüre gefunden. Was die selbst geschorenen Schafe und Alpakas an Wolle hergeben, hat sie gewaschen, gefärbt und in eine Form gebracht: Ein Alpaka-Nest, skurrile Gefäße und bizarre Tiere aber auch eine riesige Filz-Fläche sind so entstanden. Im strukturellen Aufbau gleicht das Vorgehen bei Filz dem bei einem Bild, berichtete Demleitner und zitierte das Picasso entlehnte Motto der Gruppe: "Die Inspiration existiert - aber sie muss dich bei der Arbeit finden."

Inwiefern dies gelungen ist, davon können sich die Gäste im "Müllner-Hof" zu den Öffnungszeiten (Samstag sowie Sonntag und Feiertag ab 13 Uhr) bis 31. Dezember überzeugen.
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