Im Spiegel seiner Zeit

Eine Landkarte und ein Schächtelchen mit Stecknadeln. Den Beginn einer wissenschaftlichen Karriere stellt man sich irgendwie anders vor. Doch was in mühevoller Kleinarbeit begann, eine Karte mit den Reisestationen von Richard Strauss, ist heute fester Bestandteil einer viel beachteten Ausstellung.

Ihr "ganz persönliches Highlight", erklärt Anita Bauer augenzwinkernd zu den Vernissage-Gästen im Parksteiner Vulkanmuseum. Die junge Musikwissenschaftlerin ist Kuratorin der Wanderausstellung "Strauss-Bilder", die nach Stationen in München, Garmisch-Partenkirchen, Bamberg und Würzburg nun auch in Parkstein (Kreis Neustadt/WN) zu sehen ist. Und dieser Zwischenstopp auf dem Basaltkegel kommt nicht von ungefähr. Sind doch die familiären Wurzeln von Richard Strauss aufs Engste mit der Marktgemeinde Parkstein verbunden. Am 26. Februar 1822 wurde hier der Musiker Franz Joseph Strauß geboren. Vater des bekannten Komponisten Richard Strauss, der 42 Jahre später, am 11. Juni 1864, in München das Licht der Welt erblicken sollte.

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Im Juni dieses Jahres jährte sich dessen Geburtstag zum 150. Mal. Anlass für das Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen, den Komponisten mit einer Ausstellung zu würdigen, die mehr als nur die Eckdaten eines 85-jährigen Komponistenlebens zum Inhalt hat. Adressiert an ein breites Publikum, soll mit einer Reihe von "Bildern" die Künstlerpersönlichkeit Strauss im Spiegel seiner Zeit beleuchtet werden. Strauss, der erfolgreiche Komponist, der die Karrieretreppe nur so hinaufflog, der Klangzauberer opulenter Tondichtungen, der versierte Theatermensch und Geschäftsmann, der gemütliche Familienmensch, aber auch Zeitzeuge der NS-Zeit, in der er vielen zu angepasst agierte.

"Es gibt unzählige Strauss-Bilder", so Kuratorin Anita Bauer und sieht die Ausstellung als Gelegenheit, "das eigene Bild zu erweitern und zu bereichern". Dazu dienen auf den ersten Blick die zahlreichen Fotografien und Abbildungen. Familienfotos zeigen Strauss im Kreise seiner Lieben, mit Sohn "Bubi", beim Schlittenfahren, im Garten seiner Garmischer Villa. Hinzu kommen repräsentative Ölporträts, freche Karikaturen und Filmausschnitte, die Strauss am Klavier, auf dem Dirigentenpult oder gut aufgelegt bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde zeigen. Gezeigt werden aber auch "Bilder im übertragenen Sinn", betont Anita Bauer. Hörstationen vermitteln akustische "Klangbilder", die Werke selbst verraten einiges über das künstlerische "Selbstbild". Selbstbewusstsein quillt aus den Zeilen, wenn Strauss über seine "Sinfonia Domestica" schreibt: "Ich sehe nicht ein, warum ich nicht eine Symphonie über mich selbst schreiben sollte. Ich finde mich ebenso interessant wie Napoleon oder Alexander".

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Esszimmer der Villa

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Oder Strauss, der ungeniert sein Eheleben in der Oper "Intermezzo" karikiert. Die Ausstellung zeigt das originale Bühnenbild, das - zum damaligen Entsetzen von Gattin Pauline - das Esszimmer der heimischen Villa darstellte. Über sein späteres "Vorbild" Richard Wagner schreibt der gerade einmal 15-jährige Strauss: Während einer "Siegfried"-Aufführung habe er sich "gelangweilt wie ein Mops". Dass der erfolgreiche wie geschäftstüchtige Komponist aber auch Zweifler und Kritiker auf den Plan rief, ist Thema der "Zerrbilder". Kritische Stimmen von Adorno ("Komponiermaschine!") und Ernst Bloch ("Ein Künstlertyp, den Schiller entsetzt hätte!") kommen hier zu Wort.

Eine große Stellwand ist den "Zeitbildern" gewidmet, die das lange Leben von Richard Strauss in den Kontext von Politik und Geschichte bringt. Anschaulich dargestellt mit einem langen Zeitstrahl, der von 1864 bis 1949 reicht, vom Königreich Bayern bis zur Neugründung der Bundesrepublik Deutschland. Zu guter Letzt sei noch auf das "persönliche Highlight" der Kuratorin verwiesen. Die eigenhändig erstellte Karte mit den Reisestationen von Richard Strauss, des Vielgereisten, des Globetrotters. Weltweit unterwegs und für zwei Wochen noch zu Gast in der Oberpfälzer Heimat seines Vaters.
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