Im Wald wächst die Erholung

Die Freude war groß, die Überraschung eher nicht. Am Dienstag erfuhr Martin Gottsche, dass "sein" Stadtwald den bayerischen Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung erhält. Dies sei eine Bestätigung, sagt der Stadtförster. "Aber wir wussten schon, dass wir sehr gute Arbeit leisten."

(wüw) Die 18 Preisträger verkündete Landwirtschaftsminister Helmut Brunner persönlich.In diesem Jahr legte die Jury bei ihrer Auswahl Wert auf das Zusammenspiel von Naturschutz und Waldbewirtschaftung. Hier habe der Stadtwald viel zu bieten. "Eschenbach ist bayernweit die einzige Gemeinde, in der zwei Fischadler-Paare brüten", erklärt Gottsche. Dazu kommen besondere Biotope, der Fledermausschutz im Stadtwald sei einmalig. Das alles wusste auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Deshalb habe es den Eschenbacher Wald ins Rennen geschickt.

Alles unter einem Hut

Dass der Forstbetrieb der Natur so viel Raum lasse, sei Programm. "Integrative Waldbewirtschaftung" lautet das Schlagwort. Wir versuchen, alles unter einen Hut zu bringen", erklärt Gottsche den Ansatz. Dabei gehe es auch um wirtschaftlichen Erfolg. "Es ist wichtig, dass wir für die regionale Wirtschaft heimisches Holz anbieten." Dazu seien immer wieder Einsätze mit dem Harvester, den umstrittenen modernen Holzvollerntern, nötig. "Wir erwirtschaften jedes Jahr einen Überschuss."

Allerdings verzichten Gottsche und seine Mitstreiter auf die letzten Euros Gewinn beim Holzertrag und freuen sich statt dessen über das, was der Wald sonst so bietet. "Der Wald liefert uns sauberes Trinkwasser, er dient der Erholung und er ist Rückzugsraum für viele Tier- und Pflanzenarten", beschreibt Gottsche. Die meisten kommunalen Waldbesitzer würden diesen "vorbildlichen" Ansatz verfolgen. "Aber wir sind eben besonders vorbildlich." Das könne er ganz ohne Arroganz sagen.

Ohne Arroganz

Gar nicht arrogant ist Gottsche auch, wenn es um die Väter des Erfolgs geht. "Das ist ganz sicher nicht nur mein Verdienst." Gottsche verweist zunächst auf Waldwart Reinhard Wiesent. Auch Stadt und Stadtrat stehen hinter dem Ansatz. Dazu komme die Waldjugend, die sich bei der Biotoppflege einbringe, mit dem Naturpark Oberpfälzer Wald klappe die Zusammenarbeit bestens. Der Stadtwald sei zudem seit Jahrhunderten ein Bürgerwald. "Das wissen die Eschenbacher. Deswegen haben sie eine besondere Beziehung. Sie beobachten unsere Arbeit genau und kritisieren uns, wenn sie glauben, dass wir etwas falsch machen." All diese Beteiligten dürfen sich deshalb auch freuen, wenn es am 19. November den Preis offiziell gibt.

Auf der Auszeichnung ausruhen werde er sich nicht, verspricht Gottsche. Und er kann spontan eine lange Liste geplanter Aktionen aufzählen. Bei fast allen geht es darum, "die Menschen in ihren Wald zu bringen". Ein Schutzwagen soll es Kindergärten ermöglichen, mehr Zeit dort zu verbringen, Mitarbeiter werden für Führungen geschult. Die Menschen sollen etwas haben von ihrem Wald. Dafür müssen sie demnächst gar nicht mehr das Haus verlassen. Im Herbst soll eine Webcam als neue Attraktion auf Sendung gehen. Wenn die Genehmigung kommt, liefert das Gerät Livebilder vom Horst der Fischadler in die ganze Welt.
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