Im Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz sind über 200 000 Arbeitnehmer in Betrieben beschäftigt, wird ein Umsatz von jährlich gut 24 Milliarden Euro erzielt. Außerdem werden mehr als 16 000 Ausbildungsverträge
Sie verstehen ihr Handwerk

Den Goldenen Meisterbrief erhielten eine Friseurmeisterin sowie Handwerksmeister für mindestens 35 Jahre. Auf dem Bild die Geehrten mit Kammerpräsident Georg Haber (stehend, Achter von rechts) und stellvertretendem Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger (stehend, Fünfter von rechts). Bild: gf
abgeschlossen. Die Macher dieser Erfolgszahlen wurden nun entsprechend geehrt.

(gfr) Basis dieser Zahlen sind die selbstständigen Handwerksmeister, die über Jahrzehnte ihre Betriebe führen und die in einer Feierstunde dafür mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet wurden. Einmal Erfolg sei Zufall, betonte Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer, im Gasthof Aschenbrenner in Paulsdorf. Zweimal Erfolg sei Glück, aber um dreimal Erfolg zu haben, seien Tüchtigkeit und Fleiß, zudem die Bereitschaft, sich ständig fortzubilden und technischen Neuerungen aufgeschlossen gegenüber zu stehen, nötig. Dieses unternehmerische Denken und Handeln sei Grundvoraussetzung, wenn man sich selbstständig machen will. Auch Kundenorientiertheit, Verlässlichkeit und eine gehörige Portion Mut sowie Liebe und Begeisterung zum erwählten Beruf seien dabei unerlässlich.

Für den selbstständigen Handwerker gebe es vielfach kein Wochenende, keinen Urlaub, Kindererziehung, Haushalt und Büroarbeit müssten unter einen Hut gebracht werden. Das erfolgreiche Handwerk sei in der Region verwurzelt, sei eben ein Stück Heimat, sagte der Kammerpräsident. Der Goldene Meisterbrief sei ein Zeugnis dafür, dass die Ausgezeichneten ihr Handwerk verstehen.

Acht Prozent Lehrlinge

Sie sorgten für sichere Arbeitsplätze und bildeten überdurchschnittlich viele Jugendliche aus. Die Quote im Handwerk sei, gemessen an der Zahl aller Beschäftigten, mit acht Prozent sogar mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. 95 Prozent aller Lehrlinge würden im zulassungspflichtigen Handwerk ausgebildet. Wenn in der EU nun eine Abkehr vom Meistertitel als Schlüsselqualifikation für bestimmte Gewerke gefordert werde, sei der Verlust des Qualitätsstandards für erstklassige Produkte und Dienstleistungen nicht vermeidbar. Einer derartigen Entwicklung, verbunden mit einer Verringerung der Ausbildungsleistung, müsse entschieden entgegengetreten werden. Haber warnte vor dem demografischen Wandel, der für 2020 einen Anstieg der über 60-Jährigen in Ostbayern auf 167 000 beziffert, während die Jugendlichen unter 18 Jahren im gleichen Zeitraum um 90 000 schwinden. Eine Lanze brach der Präsident für den Mittelstand, der trotz Staatsschulden und Währungskrisen im europäischen Vergleich gut dastehe, was sicherlich den regionalen Betrieben, engagierten Meistern und den familiengeführten Unternehmen zu verdanken sei.

Ohne Handy und PC

Der Kammerpräsident wies auch auf eine Imagekampagne des Handwerks hin, deren Kernsatz betone, dass Deutschland ohne Handwerk nur ein riesiger Schreibtisch voll mit tollen Ideen sei. Als die zu ehrenden Frauen und Männer die Meisterprüfung bestanden hatten, habe es kein Handy und keinen Computer in Büro und Werkstatt gegeben, alle Vorgänge seien noch in Aktenordnern abgelegt worden. Seither seien um die 13 000 Tage vergangen, in denen die Meister ihre Berufe im wahrsten Sinne des Wortes meistern mussten, auch in Zeiten, in denen der Wind von vorne wehte, nur die Segel mussten dann richtig gesetzt werden.

"Mach' deinem Meister Ehre" spielte das Quartett des Renner-Ensemble aus Regensburg, das die Verleihung der Goldenen Meisterbriefe musikalisch umrahmte.
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