Immer Ärger mit dem "Isarpreiß"

Erst hat er nur im Internet gegrantelt, jetzt zerrt er den "Isarpreiß" auf die Bühne: Am 24. Oktober macht Harry G den Neunburgern klar, wie sich dieser Typus auf die bayerische Gesellschaft auswirkt.

Harry G heißt eigentlich Markus Stoll, ist 36 Jahre alt, gebürtiger Regensburger, studierter Betriebswirt und passionierter Grantler. Seit einem Jahr ist er auch live unterwegs, am 24. Oktober peilt er die Schwarzachtalhalle in Neunburg an mit seinem Programm "Leben mit dem Isarpreiß". Das Medienhaus "Der neue Tag" wollte wissen, was da auf das Publikum zukommt.

Ihr Alter Ego, Harry G, was ist das eigentlich für ein Typ?

Ich muss sagen, der Harry ist schon sehr nah dran am Markus Stoll. Früher war er als Grantler noch derber, jetzt ist er etwas verwaschen. Aber ich muss mich schützen, sonst denkt jeder: "Was ist das für ein Unmensch!"

Seit wann granteln Sie denn schon?

Das erste Mal, als mir meine Mutter keinen Walkman kaufen wollte. Seit ich mich bewusst über etwas aufregen kann. Die Schwelle, wo jeder zum Granteln anfängt, ist der Erwerb des Führerscheins und die Teilnahme am Straßenverkehr.

Wieso gerade dann?

Es ist immer schwierig, wenn man mit Leuten zu tun hat, die nicht auf der gleichen Wellenlänge liegen,. Und die Zustände auf den Münchener Straßen verleiten auch zum Granteln. Harry G würde sagen: Da wo menschliche Rindviecher sind, da ist auch der Grant.

Wie würden sie denn einen "Isarpreiß" beschreiben?

Das ist eine Mischung aus Gestütsbesitzer und Dieter Bohlen. Er trägt eine Reiter-Steppjacke und darunter ein wild bedrucktes Polo-Shirt. Einfach ein unglaublicher Wichtigtuer, Gschaftlhuber und Adabei. Dabei ist er bloß Anwalt wie sein Nachbar auch.

Eine dankbare Figur?

Ja. Ganz München ist voll davon, jeder Zweite benimmt sich so.

Wo treffen Sie diesen Typus?

Wenn man in München wohnt, könnte man zehn Programme mit diesen Typen füllen, und im Voralpenland, beispielsweise in Starnberg würde das nochmals zehn Programm hergeben. Man braucht bloß ins Café gehen, wo jetzt alle nebeneinander sitzen und wie die Affen im Zoo nach vorne schauen, oder in ein Kaufhaus. Das ist unerschöpflich, was sich da abspielt, wenn einer ein rosa Hemd anprobiert und dann fragt, ob's da in einem noch grelleren Rosa gibt.

Wie fühlt sich das an, wenn man als Youtube-Durchstarter plötzlich auf der Bühne steht?

Inzwischen ist das für mich jetzt fast der 100. Auftritt. Vor einem Jahr war es noch wahnsinnig aufregend. Es ist schon ein Knochenjob und fühlt sich so anstrengend an wie ein schweres Handwerk, aber es ist jedes Mal geil, wenn die eineinhalb Stunden geschafft sind. Dass ich das hauptberuflich machen kann, ist für mich ein unglaubliches Glück.

Färbt so viel Harry G auch ab auf die eigene Persönlichkeit?

Für mich ist der Harry mittlerweile ein Ventil. Jeder hat eine Wut in sich drin. Ich hab' das Privileg, dass ich sie anderen um die Ohren hauen darf.

Bekommen von diese Wut auch die Neunburger etwas ab?

Da, wo es schön und ehrlich zugeht, da gibt es wenig zu schießen gegen die Einheimischen. Aber den Quoten-Preiß, den gibt es in jedem Dorf. Mir ist es wichtig, dass es niemals gegen Randgruppen geht. Der Preiß, das ist so eine innerdeutsche Gruppe, die über genügend Geld verfügt, da darf man sich auch mal drüber lustig machen.
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