In 16 Flugstunden

Meisterwerke der Architektur: Baukunst vor 200 Jahren neben modernenen Glaspalästen.

Australien ist zunehmend im Fokus vieler Reisender: Backpacker, Work- and Travel-Interessierte und Touristen aus aller Welt wollen das riesige und ferne Land kennenlernen.

Ein blauer Himmel, der noch etwas blauer ist, Weite die noch ein wenig weiter ist, klare Luft die sich noch reiner atmet. Ganz besonders freuen sich darüber Fotografen, weil die Farben der Bilder noch intensiver wirken. Wer mit europäischen Vorstellungen anreist braucht viel Zeit, um alles sehen zu können, sind die Entfernungen innerhalb des Landes doch mehrere Flugstunden von Küste zu Küste.

Die Ostküste und insbesondere die bekannten Städte Sydney und Melbourne sind meist das erste Ziel, aber da gibt es noch viel mehr. Perth in West Australien am Indischen Ozean gelegen mit seinen 1,6 Millionen Einwohnern ist bei manchem Urlauber schon gar nicht mehr so bekannt, doch die aufstrebende Stadt gilt als eine der grünsten, leisesten und saubersten Metropolen in Down Under.

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Von Deutschland ist es nicht so weit wie vielleicht gedacht: In gut 16 Flugstunden ist West Australien zu erreichen. Die Zeitverschiebung beträgt sieben Stunden. Meist ist die Strecke mit nur einem Zwischenstopp zu bewältigen. Beste Reisezeit für den Südwesten ist Oktober bis April. Der Sommer kehrt in Australien ein, wenn in Deutschland winterliches Eis und Kälte das Land überziehen. Im Sommer regnet es Wochen und Monate oft gar nicht, außer ein intensives Gewitter zieht kurz übers Land.

Die Temperaturen übersteigen nicht selten 40 Grad Celsius, meist weht ein kräftiger Wind vom Ozean her. So sind die Temperaturunterschiede von Küste zum Land hinter den Dünen bis zu zehn Grad. Die trockene Hitze ist für Europäer gut verträglich, allerdings vor der intensiven Sonneneinstrahlung gilt es sich zu schützen. Das Land ist bis auf bewässerte Flächen im Sommer sehr trocken und deshalb käme niemand auf die Idee, einen Feuerwerkskörper zu Silvester in den Himmel zu schießen. Es gibt keine zu kaufen und das wäre im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich.

Auch Perth, wie die meisten Städte, die in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden sind, ist gekennzeichnet durch den englischen Einfluss und ähnelt Vancouver in Kanada oder Auckland in Neuseeland. Die Orientierung und das Zurechtfinden sind relativ leicht, da alles klar und übersichtlich ausgeschildert und angelegt ist. Öffentliche Verkehrsmittel, Busse und Bahnen fahren teilweise im Zehn-Minuten-Takt. Selbst an den großen Highways sind Radwege angelegt.

Die Stadt ist ein Paradies für Fahrradfahrer, wenn nur der Gegenwind und die stechende Sonne nicht wären. In Perth herrscht Linksverkehr, der außer zu den Hauptverkehrszeiten, meist ohne große Staus fließt. Viele neue, breite Straßen werden gebaut, oft sechs oder gar achtspurig angelegt, die Bahnlinie verläuft zwischen den Fahrbahnen und die Starkstromleitungen ebenfalls.

Wer den Jahreswechsel für eine Reise einplant, kann auch erleben, wie hier die Weihnachtsgeschichte auf dem Forrest Place in einem Krippenspiel mit lebendigen Kamelen inszeniert wird. Am Heilig Abend ein Gottesdienst in der St Johns Lutheran Church um 17 Uhr bei 37 Grad in deutscher Sprache, der Pfarrer hat deutsche Wurzeln, das ist ein ganz besonderes Weihnachtserlebnis. Viele Menschen finden sich hier zusammen, die schon länger in Australien leben oder gerade auf der Durchreise sind, um ein Stück heimatliches Weihnachten zu erleben.

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Autofreie Insel

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Ein besonderes Kleinod liegt, nur eine halbe Bootsstunde entfernt, vor der Küste der alten Hafenstadt Fremantle gegenüber - Rottnest Island. Die Insel ist knapp zwölf Kilometer lang und autofrei. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Linienbus lassen sich zahlreiche, atemberaubende Buchten entdecken. Das glasklare, erfrischende Wasser lädt zum Staunen, Schnorcheln und Schwimmen ein. Im Stadtkern zwischen "Bell Tower" und "Train Station" ragen Hochhäuser und ducken sich Gebäude im alten englischen Stil, ein eindrucksvoller Kontrast der Architektur. Im Zentrum gilt Rauchverbot und nicht nur deshalb wirkt die City sauber und aufgeräumt. Zahlreiche, meist überdachte Einkaufspassagen laden zum Aufenthalt ein.

Es gibt auch zahlreiche Baustellen. Eine der größeren ist die Integration des Swan Rivers in das neue Stadtbild. Dafür werden eigens Buchten geschaffen, um neue Geschäftsbereiche und Flaniermeilen direkt am Fluss zu generieren, denn im Moment fließt der Fluss nur an dem Stadtzentrum vorbei.

Mit dem Canning-River bilden die beiden Flüsse ein großes Delta, um das die Stadt weitläufig gebaut wurde. Ebenso groß und weit angelegte Parks dienen der Erholung und sind Treffpunkt der Menschen, die in der Stadt leben. Vom Kings Park ist der beste Blick auf die Skyline der Stadt. Dort ist ein Monument errichtet, das all den Menschen ein Denkmal setzt, die ihr Leben in Kriegen rund um den Globus verloren haben. Erstaunlich, wie viele Australier in europäischen Ländern im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallen sind.

Der Lebensstandard in Perth ist hoch und ebenso das Preisniveau, verstärkt wurde das in jüngster Zeit durch die Abschwächung des Euro zum Dollar. Eine Kugel Eis kostet beispielsweise rund 4 Dollar und das bei einem Kurs von gut 1,40. Das angenehme Leben hat seinen Preis, entsprechend ist aber auch das Einkommen der Menschen, die dort leben und arbeiten. Die Wirtschaft boomt und so rechnen die Planer in den nächsten Jahrzehnten mit einer Verdreifachung der Bevölkerung, was sich immens auf die Immobilienpreise niederschlägt. Draußen an den Stränden stehen prächtige Villen direkt mit Blick zum blauen Ozean, die schier endlosen Badestrände sind äußerst gepflegt und sauber. Strandduschen, BBQ-Stellen und große Wiesenflächen laden zum Erholen, frei zugänglich für alle.

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Einheimische Produkte

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Kite-Surfer haben ihr großes Vergnügen, über teils meterhohe Wellen zu gleiten, allerdings ist es an dieser Küste nicht ganz ungefährlich: Dies ist auch das Revier von Haien, weshalb die Küstenwache sehr genau auf das Meer schaut.

In den Supermärkten wird großer Wert auf einheimische Produkte gelegt, vom Känguru-Schnitzel, Rind- oder Lammfleisch bis hin zur Mango von der Plantage aus dem Landesnorden. Zunehmend entstehen modernste Weinanbaugebiete. Intensive Sonne und gute Böden werden von cleveren Winzern genutzt, sie stammen nicht selten aus Europa, um darauf Spitzenweine zu produzieren.
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