In der Heimat vergessen

Willy Seitz und Wolfgang Edenharder (von links) possieren als das Naabtal Duo vor dem Fluss, dessen Namen sie tragen. Bild: bey

Ja, das Naabtal Duo mit Willy Seitz und Wolfgang Edenharder gibt es noch. Es geht den beiden Urgesteinen der volkstümlichen Musikszene sogar ausgezeichnet. Am Sonntag, 23. August, können sich ihre Fans bei der Pleysteiner Sommerserenade davon überzeugen und neben vielen neuen Liedern auch ihr "Patrona Bavariae" hören.

Pleystein. (bey) Bei einem Gespräch in Schwandorf gaben Seitz und Edenharder Einblick in ihre Aktivitäten, die so fernab von heimatlichen Gefilden ablaufen. Edenharder hat dafür eine schlichte Erklärung: "Es gibt regional keine Veranstaltungen mehr, auf denen die Musik des Naabtal Duos, aber auch anderer vergleichbarer Interpreten, gefragt ist." Deshalb treten die beiden nur noch in den neuen Bundesländern auf. Hier stünden die Menschen noch hinter dieser Musikrichtung, erzählt Edenharder.

Umbruch schmerzt

In der Oberpfalz hat sich nach seinen Worten die Situation seit der Gründung des Naabtal Duos grundlegend geändert. Gab es früher noch Auftritte in Bierzelten, seien jetzt in den Zelten nur noch Party-Bands zu hören. Das Publikum, das sich einst mit der Musik identifiziert habe, fehle. Außerdem gebe es für Volksmusik kaum noch Plattformen bei ARD und ZDF. Carmen Nebel, Florian Silbereisen und bis vor kurzem Andy Borg stünden mit ihren Sendungen allein auf weiter Flur, den Rest bewältige der Mitteldeutsche Rundfunk. Unumwunden räumt Edenharder ein, dass es im Bereich der volkstümlichen Musik einen Umbruch gegeben habe.

Die Gewinner des "Grand Prix der Volksmusik" im Jahr 1988 stellen fest, dass ihre Zuhörer älter geworden sind, obgleich auch junge Menschen zu ihren Auftritten kommen. Die jüngsten Zuhörer damals waren die 50-Jährigen, das eigentliche Stammpublikum um die 60, sagte Edenharder. Daraus lasse sich erschließen, wie alt dieser Personenkreis heute sei. Allein um den Ansprüchen dieser Altersgruppierungen gerecht zu werden, beginnen die Konzerte und Tourneeveranstaltungen um 16 Uhr.

Edenharder drückt die Situation noch deutlicher aus: Die jetzige Generation, positiv an der Entwicklung des Landes beteiligt, werde schlichtweg benachteiligt. "Wir sind eine schweigende Mehrheit, die nicht mehr das bekommt, was sie will."

Die eigene Musik habe das Naabtal Duo der Zeit angepasst, berichtet Seitz. Dafür habe es gute CDs produziert. Um dies aber publik zu machen, fehlten die geeigneten Plattformen, bedauert Seitz. Außer dem Werbefernsehen gebe es keine Möglichkeiten.

Riesige Hallen

Bei Veranstaltungen in den neuen Bundesländern seien Hallen mit 1500 zu 95 Prozent besetzt gewesen. Den Veranstaltern stünden 250 Säle zur Verfügung.
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